Posts Tagged ‘zufriedenheit’

Wie wenig man braucht

26/Sep/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in die wolkenlose Sonntagnacht. Er hatte ein wundervolles Wochenende verbracht. Überhaupt lebte er in Zeiten, die ihm anscheinend sehr gewogen waren.

Die meisten Menschen in seiner Umgebung waren finanziell reicher als er, hatten oft ein höheres Einkommen. Doch er hatte sein Auskommen. Er hatte ein Dach über dem Kopf, ein angenehm weiches Bett, saubere Kleidung und ausreichend zu essen.

Er lebte sein Leben langsam, so langsam er konnte. Und er lebte von wenig. Er hatte sich den Minimalismus zu eigen gemacht. Im Vergleich zu Vielen rund um ihn war er ein Asket. Doch er war zufrieden. Und er war glücklich.

Er kannte Menschen, die er Freundinnen und Freunde nannte und vollbrachte Tätigkeiten, die ihn erfüllten. Kurz hielt er inne und schaute in den Himmel. Dann begann er zu lächeln. Wie wenig man doch braucht, um glücklich zu sein.

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Zufriedenheit

06/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den fiebrigen Himmel der Samstagnacht. Den Abend hatte er mit einer Freundin verbracht, wobei diese ihn fragte, wie es ihm gelänge, immer wieder so zufrieden zu wirken.

Er freute sich über diese Frage, denn er hielt „Zu-Frieden-Heit“ für eine gelungene Beschreibung des Zustandes, in dem er sich oft befand, im Einklang mit sich und der Welt. Er antwortete, dass es ein sehr langer Weg dahin gewesen sei und dass diese Zufriedenheit auf verschiedenen Grundsätzen beruhe.

Wenn er jedoch gezwungen wäre, eine letzte Ursache dafür zu finden, dann erinnere sich an eine Geschichte mit seiner Tochter. Als diese Jahre zuvor in ihrem Erwachsenwerden die Pubertät erreicht hatte, da hatte er zu ihr gesagt: „Jetzt erzähle ich Dir das einzige Geheimnis, das Du wissen musst: Männer sind immer große Buben. Wir wollen immer nur spielen.“

Das war das Geheimnis. Männer wollten einfach immer nur spielen, lieb haben und lieb gehabt werden. Und seit er erkannt hatte, dass es bei Frauen ebenso war, da hatte er Frieden geschlossen mit sich und der Welt.

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Zurück in Wien

28/Jan/2016

Slupetzky sass an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den morgendlichen Himmel. Zu Mitternacht war er nach Hause zurückgekehrt, nachdem er mehr als eine Woche lang für seine Firma unterwegs gewesen war.

Dort hatte er von einer Freundin eine Nachricht erhalten: „Slupetzky, ich vermisse Deine Geschichten. Was machst Du so? Bist Du noch glücklich verliebt? Und was ist Dein Lieblingsessen?“

Er war schwierige Fragen gewöhnt. Was er so mache? Er würde leben. Ganz einfach leben. Er würde einatmen und ausatmen und er würde alles dazu beitragen, dass er das auch könnte. Mehr war es im Grunde nicht. Und wenn er Glück hatte, dann würde er dies auch mit Genuss tun.

Und sein Lieblingsessen? Wahrscheinlich Brot, einfach ein Brot. Auch hier war im Grunde nicht mehr zu wollen. Wasser und Brot. Alles Weitere war Luxus. Zum Leben genügte ihm Wasser und Brot.

Und ob er noch verliebt wäre? Ja. Er war verliebt. Das war überhaupt der Luxus seines Lebens. Er konnte lieben. Und er liebte. Mehr war es nicht. Wirklich nicht.

Slupetzky stand auf und startete in den Tag. Und er war glücklich.

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Mittag im Hansen

01/Mrz/2012

Gestern hatte ich das dringende Bedürfnis, wieder einmal ein „schönes“ Bild zu malen. Kein Schädel der Angst, keine Abgründe der Seele und auch keine Auseinandersetzung mit dem gefährlichsten Kartenspiel, dem Poker. Einfach einmal ein „schönes“ Bild, fröhlich, freudvoll und voller Lust am Leben. Und so kam mir ein Bild in den Sinn, das mich schon die letzte Zeit über begleitet. Es war ein Mittagessen in der letzten Woche, als ich ins „Hansen“ eingeladen war.

Es war ein wunderschöner Spätwintertag, wir saßen im Untergeschoss der Wiener Börse und das Tageslicht strömte hell über die Deckenfenster herein. Das angrenzende Blumengeschäft war schon frühlingshaft in Hellgrün dekoriert. Und so saß ich bei meinem Mittagessen und genoss mein Leben. Und wenn ich so zurückdenke, so kommt mir dabei dieses strahlende Weiß und das helle Grün in den Sinn. Diese mittägliche Farbkombination hat mich glücklich gemacht.

Gestern saß ich stundenlang vor diesem Bild. Stundenlang versuchte ich das Weiß hinzubekommen, immer und immer wieder. Es müsste weißer sein als weiß, wie in den Waschmittelwerbungen meiner Jugend, aber dennoch schattiert und mit angedeuteten schwarzen Konturen versehen. Über das Grün machte ich mir noch keine Sorgen, das kam erst viel später. Nach stundenlanger mühsamer Arbeit am Weiß trug ich noch eine Kontur von Grün auf und ging weg.

Abends war ich kurz bei Bekannten, wo wir in philosophischer Runde den Buddhismus thematisierten. Als ich wieder zurückkam, machte ich mich wieder an die Arbeit am Weiß. Knapp nach ein Uhr in der Nacht habe ich das Bild nun abgeschlossen. Jetzt ist es also da, „Mittag im Hansen“, und es deutet an, was in mir vorgeht, wenn ich glücklich bin.

Was also ist das Ziel von Kunst? Hie und da können wir als Künstler dazu beitragen, dass die Welt schöner wird. Ich weiß nicht, ob mir das heute gelungen ist, ich bin immer sehr skeptisch und oft auch verzweifelt über meinen Beitrag zur Schönheit dieser Welt. Zumindest habe ich es aber heute wieder versucht. Gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Krise geht es darum, immer wieder inne zu halten und sich bewusst zu werden, wofür man lebt. Wofür leben wir? Manchmal vielleicht für einen Mittag im Hansen.

Mittag im Hansen
(Acryl auf Leinwand, 60x80cm, 01.03.2012)

mittag im hansen

mittag im hansen