Posts Tagged ‘österreich’

Erste Lesung aus „Sinnlos“

08/Sep/2016

Montag, 12. September 2016 um 20:00 Uhr

Amerlinghaus (Galerie)
1070 Wien, Stiftgasse 8

Erste öffentliche Lesung aus „Sinnlos“
im Rahmen der Lesereihe „Wilde Worte“

Hier die Ankündigung im „Falter“

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sinnlos_web„Sinnlos“:

Xaver Finster ist das Kind einer Generation, die noch keinen Namen hat. Seine Großeltern waren tief im Nationalsozialismus verstrickt, seine Eltern sind erfolgreicher Teil der Aufbau-Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wächst im Wien des Kalten Krieges auf, am Rande der westlichen Welt. Sein Vater scheitert grandios, er selbst begibt sich auf der Suche nach Liebe bis an die Grenzen der Welt.

„‚Sinnlos‘ ist eine schonungslose Erzählung vom Leben in einer Gesellschaft, die Werte definiert, ohne sie selbst einzuhalten.“ (Judith Scharinger)

„Sinnlos“ erscheint in der Edition Sonnberg Wien

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Vor der Entscheidung

25/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den wolkenverhangenen Sonntagabend. An diesem Tag hatten in seinem Land die Wahlen zum Staatsoberhaupt stattgefunden. Von den 6 zur Auswahl stehenden Kandidaten waren 2 übrig geblieben, die in einem Monat nochmals gegeneinander antreten würden.

Nun saß er da und schaute in den Himmel. Was würde er seinen Enkeln erzählen wollen über diese Entscheidung? Für ihn war es das Ende des bestehenden politischen Systems. Im kommenden Monat würde sich entscheiden, wohin sich sein Land, vielleicht sogar sein Kontinent entwickeln würde. Doch wohin würde die Reise gehen?

Ihm kam der verstorbene deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker in den Sinn, der in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa gesagt hatte:

„Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Wir alle würden völlig neue Lösungen finden müssen, das war klar. Doch wie würden wir sie suchen?

Miteinander oder gegeneinander?

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Demokratie und Freiheit

26/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den strahlend blauen Himmel. Es war Freitag Nachmittag, der Beginn des neuen Wochenendes.

Er saß da und war dankbar. Er war dankbar und glücklich, in einem freien Land leben zu können, in einem freien Land leben zu dürfen. Das war für ihn keine Selbstverständlichkeit.

In seinem Land standen Wahlen zur Bundespräsidentschaft vor der Türe. Anders als in allen anderen deutschsprachigen Ländern wurde in seinem Land dieses Staatsoberhaupt direkt vom Volk gewählt. Zu dieser Wahl hatten sich 6 Personen gemeldet.

Es waren dies der Sozialdemokrat Rudolf Hundstorfer, der Konservative Andreas Khol, der Nationale Norbert Hofer, der Grüne Alexander van der Bellen, die ehemalige Höchstrichterin Irmgard Griss, der Baumeister Richard Lugner und die Künstlerin El Awadalla.

So hatte er für Alexander van der Bellen eine Unterstützungserklärung zur Kandidatur abgegeben, war ins Personenkomitee für Rudolf Hundstorfer gegangen, hatte Richard Lugner persönlich und Norbert Hofer schriftlich Alles Gute gewünscht, für Irmgard Griss Geld gespendet, dachte an El Awadalla und schloss Andreas Khol in sein Nachmittagsgebet ein.

Er wusste, wen er in der Wahlzelle geheim wählen würde, und jeder Andere würde es auch wissen können. Aber würde ihn irgendjemand überhaupt verstehen können? Er selbst wusste, was er tat. Er wusste es genau.

So saß er da und war dankbar. Und er war glücklich. Er war in diesem Moment der glücklichste Mensch der Welt.

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Die Flucht ist zu Ende – Tag 1

14/Sep/2015

In den Frühnachrichten der österreichischen Radiosender Ö1 und Ö3 und den Nachrichten des österreichischen Fernsehens ORF 2 um 08:00 Uhr und 09:00 Uhr habe ich von den heutigen Entwicklungen erfahren. Die Polizei hat ihre Schätzung für die Zahl der heute in Österreich ankommenden Flüchtlinge nach oben auf circa 20.000 korrigiert. Das ist ungefähr die Hälfte des Wiener Ernst-Happel-Stadions und knapp weniger als das neue Allianz-Stadion von Rapid Wien.

Ich bin dennoch zunächst meiner Arbeit nachgegangen und habe mein letztes Bild fertiggestellt. Danach habe ich das kleine Schlafzimmer für Gäste vorbereitet, eine Matratze hineingelegt, diese mit Bettzeug überzogen und das Kinder-Hochbett gemacht. Das Überziehen des Polsters ist mir kurz auf die Nerven gegangen, weil der Polster zu groß für den Überzug ist. Außerdem fehlt mir das vierte Bett.

Gerade kam ein SMS von der Caritas-Lebensmittelhilfe: „Liebe Leos, hätte heute jemand Zeit, von 14-17 Uhr Textilien vom Leo zum Westbahnhof zu bringen? Wenn ja, bitte um Anruf bis 12 Uhr. Näheres per Telefon.“ Ich habe mich gemeldet und nun den Rückruf erhalten. Es haben sich schon 2 Fahrer eintragen lassen, dieser Dienst wird in Zukunft aber wahrscheinlich regelmäßig gebraucht.

Jetzt werde ich zum Westbahnhof fahren, um zu schauen, was heute gebraucht wird. Ich habe derzeit nicht viel Geld zur Verfügung, aber 5 Euro am Tag kann ich schon entbehren. Dafür gehen sich 4 Duschgel aus.

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Die Flucht ist zu Ende – Tag 0

13/Sep/2015

Heute Sonntag, den 13. September um 17:00 Uhr hat die Bundesrepublik Deutschland beschlossen, die Grenzen gegenüber ihren Nachbarstaaten zu schließen. Ich war zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit meinen Freunden Mario und Vince auf dem Wiener Kahlenberg. Zuvor waren wir von Nussdorf über den Beethovengang hinauf spaziert. Ich besuchte danach um 18:00 Uhr die Messe der Caritasgemeinde am Meidlinger Schedifkaplatz, später ging ich noch in die Wiener Nationalbibliothek, um meine Arbeit im Internet zu erledigen.

Als ich um 21:30 nach Hause kam, erfuhr ich über den ORF-Teletext vom Beschluss der Deutschen Bundesregierung. Mir dämmerte langsam, was da wirklich geschehen war, als ich erfuhr, dass es eine „Zeit im Bild 2 Spezial“ Nachrichtensendung um 21:53 geben würde. Ich zog mir meine kurze Hose an und machte es mir vor dem Fernseher gemütlich.

Ich kapierte erst, welche Dramatik dieser Schritt für Europa bedeuten würde, als ich in dieser Nachrichtensendung den Burgenländischen Polizeipräsidenten Hans-Peter Doskozil sah, wie er vor Hunderten einlangenden Flüchtlingen am Grenzübergang Nickelsdorf ein nächtliches Live-Interview gab. Er meinte, heute würden mehrere Tausend Flüchtlinge die Grenze überschritten haben und für morgen würde er noch mehr erwarten.

In der anschließenden „Im Zentrum“ Diskussionssendung im österreichischen Fernsehen sah ich den jungen Außenminister Sebsatian Kurz von der Christlich-Sozialen ÖVP, wie er sehr aufgeregt wörtlich von „verheerenden“ Auswirkungen für Österreich sprach. Der alte Sozialminister Rudolf Hundstorfer von der sozialdemokratischen SPÖ versuchte ruhig zu bleiben. Als die Diskussion dann begann, schaltete ich den Fernseher aus, zog mir meine schönste Hose und mein schönstes Hemd an und verließ die Wohnung, um zum nahegelegenen Westbahnhof zu fahren. Beim Hinausgehen dachte ich mir: „Wenn mich meine Kinder dereinst fragen werden: ‚Papa, was hast DU damals gemacht?‘ Dann will ich antworten können: ‚Ich habe eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen.'“

Als ich am Westbahnhof ankam, waren gerade Dutzende Flüchtlinge Richtung Busbahnhof unterwegs. Ich ging zum Auffanglager der Caritas und meldete mich an, meine Wohnung für eine Familie mit 2 Kindern bereitstellen zu wollen. Der junge Flüchtlingshelfer Max setzte mich auf die Liste und machte neben meinem Eintrag ein Rufzeichen.

„Hättest Du auch Zeit, jeden Abend vorbeizukommen, um das Essen für die Familie abzuholen?“ „Ja.“

„Ich danke Dir.“

„Ich danke Euch.“

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Die Wiener Mariahilferstraße

20/Aug/2015

Kommen Sie, Anton Pawlowitsch, gehen wir spazieren. Ich zeige Ihnen meine Welt.

Das hier ist die Wiener Mariahilferstraße. Sie ist zweimal zwei Kilometer lang. Der innere Teil führt von der Ringstraße zum Westbahnhof und trennt den Sechsten vom Siebten Bezirk. Das sind die Bezirke der jungen kreativen Aufsteiger. Diese Viertel sind sehr reich. Der äußere Teil führt vom Westbahnhof durch den Fünfzehnten Bezirk bis zum Technischen Museum. Da leben vor allem Arbeiter und Zuwanderer. Diese Gegend ist sehr arm. Und die Mariahilferstraße verbindet diese beide Welten. Ich liebe sie. Für mich ist sie die schönste Straße der Welt.

Der innere Teil der Mariahilferstraße ist eine ausgezeichnet frequentierte Einkaufsstraße, eine der beliebtesten und erfolgreichsten in Europa. Da gibt es alles, was das Herz begehrt, vor allem Schuhe, Kleidung und schicke Lokale. Dieser Teil wurde gerade zu einer Flaniermeile für Fußgänger und Radfahrer umgebaut. Der äußere Teil ist ebenfalls eine Einkaufsstraße, weit weniger mondän, mit Straßenverkehr und vielen Billigläden von Einwanderern, meist für Lebensmittel, Mobiltelefone und Kebap.

Wenn Sie Wien kennenlernen wollen, dann sollten Sie von der Ringstraße aufwärts über den Westbahnhof bis hin zum Technischen Museum spazieren. Da lernen Sie die verschiedensten Seiten Wiens kennen. Sie beginnen im imperialen Wien der Hofburg und landen nach vier Kilometern Richtung Westen geradewegs im Nichts. Aber Sie bekommen dafür einen Ausblick auf das Schloss Schönbrunn. So gesehen ist die Mariahilferstraße ein wunderschöner Weg des Lebens.

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard hat einmal etwas zu dieser Straße geschrieben, ich denke, es war in seinem Theaterstück „Heldenplatz“:

Ich gehe auf der Mariahilferstraße
und ich suche die Mariahilferstraße;
und ich bin auf der Mariahilferstraße
– und finde sie nicht!

Jetzt, wo er tot ist, könnte er sie gefunden haben.

Der Dritte Weltkrieg

03/Sep/2013

Die Mitglieder der Vereinten Nationen bemühen sich derzeit, so rasch wie möglich, in jedem Fall jedoch noch in diesem Jahr eine Syrien-Konferenz in Genf zu organisieren, in der alle Bürgerkriegsparteien zu einer gemeinsamen Lösung der politischen und militärischen Konflikte angehalten werden sollen.

Ich schlage vor, vor jedem eventuellen militärischen Eingriff von Aussen das Ergebnis dieser Konferenz abzuwarten.

Rassismus in der österreichischen Polizei

29/Jun/2013

—– Original Message —–

From: Peter Wurm
To: arthur.reis@polizei.gv.at
Cc: Some
Sent: Saturday, June 29, 2013 3:11 AM
Subject: Rassismus in der österreichischen Polizei

Sehr geehrter Herr General!

Als ich von September 2008 bis September 2009 Pächter der BP-Tankstelle im Sankt Pöltener Regierungsviertel war, da war neben der halben Landesregierung und dem Landtag auch die halbe Polizei der Landeshauptstadt meine Kunden. Die Polizisten des Regierungsviertels waren sogar meine häufigsten und treuesten Stammkunden. Verdient habe ich an Ihnen nichts, aber das war nicht Ihre Schuld, sondern meine eigene, weil ich erst im Zuge meines Abgangs von dieser Position wirklich begriffen habe, welche perfiden Mechanismen diesem System zugrunde liegen. Und so habe ich meinen Krieg mit diesem Royal Petroleum Crap Club geführt, der mir zwar wieder einmal ein riesiges Chaos beschert hat, meinen Gegnern jedoch mit Hilfe meiner mächtigen Freunde dieseits und jenseits des Horizonts den größten Verlust ihrer gesamten Geschichte eingebracht, indem ich ihre „Deepwater-Horizon“-Insel im Gulf of Mexico explodieren ließ. Mein Freund Ferdinand, dessen Vater jahrzehntelang Generaldirektor der British Petroleum Austria gewesen war, meinte im Zuge dieses Weltkriegs zu mir: „Ein wenig mehr noch, und sie hätten Dich nach London verfrachtet und Her Majesty vorgeführt.“

So weit so gut.

Irgendwann im Winter jenes Jahres meinte einer meiner Stammgäste zu mir: „Wissen Sie, wer das war? Das war der Herr General Reis!“ Mir war das ja eigentlich wurscht, ich behandle Alle meine Kunden mit Respekt, wenn nicht schon aus meiner Weltanschauung, so doch zumindest deswegen, weil ich weiß, dass ich – was immer ich auch ökonomisch veranstalte – letztendlich immer nur vom Kunden bezahlt werde – egal, ob er nun Polizeipräsident von Niederösterreich ist oder eine zigeunernde Sinti-Frau auf der Durchreise von Frankreich nach Rumänien.

Sie, sehr verehrter Herr General Reis, sind mir jedoch schon vorher aufgefallen. Ich habe bis heute noch im Gedächtnis, wie Sie getankt haben. Ich glaube, Sie haben ein helles Auto gehabt – einen Audi wahrscheinlich, Ferdinand Piech sei Dank – und immer selbst getankt und vor allem selbst die Scheiben geputzt. Und als ich Sie irgendwann später einmal beim Zahlen angesprochen habe: „Wie geht es Ihnen, Herr General?“ da haben Sie mich angeschaut und gemeint: „Na, zu Hause und privat bin ich sicher kein General mehr!“

Ich erinnere mich auch genauestens daran, wie ich Sie am Ende jenes Jahres im österreichischen Fernsehen gesehen habe. Es war im Zuge des nächtlichen Einbruchs in einer Kremser Merkur-Filiale, bei dem ein Jugendlicher vom männlichen Partner einer herbeigerufenen Polizeistreife von hinten erschossen wurde. Ich erinnere mich noch so genau daran, weil ich als Tankstellenpächter mit den Öffnungszeiten von 05:00 bis 24.00 Uhr ganz genau nachvollziehen konnte, in welcher Situation sich dieses Drama abgespielt haben musste – und ich weiß bis heute nicht, ob es ein Hoax war. Auf jeden Fall erinnere mich an die Diskussion am „Runden Tisch“ des ORF an jenem Abend, bei der neben Ihnen noch der Journalist Florian Klenk teilnahm und ein sympathischer kahlrasierter Polizeioffizier, dessen Namen ich mir nur deswegen gemerkt habe, weil er ungefähr genauso saudeppert ist wie meiner: Holunder-Holunder.

Ich erinnere mich noch genau an diese Diskussion, bei der Florian Klenk sinngemäß gemeint hat, dass Sie, sehr verehrter Herr General, für Ihre menschliche und kooperative Amtsführung bekannt wären. Und ich erinnere mich noch genauestens an Ihre offensichtliche Erschütterung über diesen Vorfall und an Ihre Ohnmacht, weil Sie von „Ihrem“ Apparat nicht genügend informiert und anscheinend völlig im Stich gelassen worden sind. Und ich erinnere mich noch genauestens an meine Wahrnehmung, dass ich Sie ja persönlich kannte und nun im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Ihnen wirklich körperlich mitlitt, weil das Alles nicht wahr sein konnte und nicht wahr sein durfte. Seither liebe ich Sie.

Trösten Sie sich, meine diesbezügliche Liebe ist amtsbekannt und weniger homoerotisch als politisch. Und so vernahm ich in der Zeit danach mit allerhöchstem Respekt, dass Sie sich von der Position als Polizeipräsident ablösen ließen, um Ausbildungsleiter der Exekutive im Anhaltelager Traiskirchen zu werden. Mein zweiter Ex-Schwiegervater, Herr Direktor Hofrat Magister Franz Feik war Vizebürgermeister und Kulturstadtrat von Traiskirchen und so kenne ich diesen Ort privat und genauestens aus der Perspektive der Stadtrandsiedlung. Ich habe die Sonntage bei meinen Schwiegereltern immer geliebt. Blöderweise schulde ich ihnen immer noch Geld, aber das soll nicht Ihr Problem sein. Rufen Sie doch mal meinen Schwiegervater an und unterhalten Sie sich doch mal bei einem Kaffee über den gewachsenen Charakter, die Qualitäten und Probleme dieser Stadt.

Warum ich Ihnen heute schreibe, hat einen einfachen Grund. Und ich mache es ganz genau so wie mein Freund und Ihr ehemaliger Chef, der Herr Landeshauptmann Doktor Erwin Pröll. Dieser hat im Zuge der Diskussion um das legendäre „Moltofon“ im ORF und die Interventionen österreichischer Politiker die EINZIG wahre und richtige Antwort gegeben: „Na, SELBSTVERSTÄNDLICH interveniere ich! Jeden Tag! Tausendmal! DAS IST MEIN JOB!“ Auch ihn liebe ich dafür. Gott sei Dank konnte ich es noch im letzten Moment verhindern, dass er sich zu unserem Bundespräsidenten wählen ließ, denn letztendlich ist er doch auch manchmal mein politischer Sparringpartner – genauso wie der zweifelhafte Scharinger-Clan jenseits der Enns.

Lieber Herr General! Hiermit interveniere ich bei Ihnen: Gestern Abend habe ich beim Nachbarschaftsfest der „Votivkirchen“-Flüchtlinge im Wiener Servitenkloster eine junge Kollegin kennengelernt, die sich ebenso dafür einsetzt, dass wir Alle endlich dieses unendlich tragische Problem von Krieg, Not, Tod, Vertreibung, Armut und Flucht zu lösen beginnen – wir eben aus der Wiener Sicht Europas. Und so erzählte sie mir, dass sie ihre Bakkalaureatsarbeit im Bereich der Internationalen Entwicklung über das Thema des Rassismus innerhalb der österreichischen Polizei schreibt, wobei sie insbesondere die Fälle Marcus Omofuma, Cheibani Wague und Bakari J. untersucht. Als sie gegen Ende des Gesprächs meinte, sie stünde gerade vor der Frage, inwieweit diesbezügliche Interviews einen Sinn ergäben, habe ich sie gefragt: „Wen willst Du interviewen? Was wünscht Du Dir?“ Was sie antwortete, weiß ich nur ungefähr, ich habe mir jedenfalls Folgendes aufgeschrieben:

„Polizeichef. Abteilungsleiter Rassismus. Dissidenten. Aussteiger. Verurteilte.“

Meine Kollegin heißt Julia Steiner und ist 1991 geboren. Und: Da steht gleich als Erstes: Polizeichef. Jetzt kenne ich Sie, wie erwähnt, und weiß, dass Sie zu Hause und privat eben kein General und Polizeichef sind. Aber irgendwie dann halt doch. Nehmen Sie sich doch ein Herz und eine Stunde Zeit, um ihre Fragen zu beantworten. Bitte! Die Arbeit muss ja nicht gleich so epochal werden wie das Matthäus-Evangelium oder Churchills „Zweiter Weltkrieg“. Aber es wäre doch vielleicht UNSER Beitrag zum Versuch einer Überwindung dieses weltweiten Problems – gerade für uns hier in Österreich. Sehr verehrter Herr General, ich bitte Sie darum.

Überlegen Sie es sich doch und geben Sie doch bitte Bescheid, wem Sie wollen. Der Frau Minister, dem Herrn Landeshauptmann, dem Herrn Klenk, meinem Schwiegervater, dem Staatsoperndirektor, mir oder der Frau Steiner selber. Ich danke Ihnen.

Hochachtungsvoll

Peter Wurm

General Arthur Reis

Der Tod der pakistanischen „Votivkirchen“-Flüchtlinge

11/Jun/2013

—– Original Message —–
From: Peter Wurm
To: franziskus@vatican.va
Cc: c.beirer@edw.or.at
Sent: Tuesday, June 11, 2013 11:11 PM
Subject: Die Votivkirchen-Flüchtlinge

Meine PN (Private Nachricht) an
Herrn Monsignore DDr. Michael Landau,
Präsident der Caritas Wien
vom 11. Juni 2013, 23:00 Uhr:

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Lieber Michael Landau!

Sie kennen mich inzwischen wahrscheinlich gut genug, um zu wissen, dass Sie es bei mir nicht unbedingt mit einem durchschnittlichen Normalen zu tun haben. Ich meinerseits kenne Sie inzwischen gut genug, um Sie zu schätzen. Und so können wir einander dann doch sicherlich als Verbündete betrachten.

Was zur Zeit mit den „Votivkirchen-Flüchtlingen“ im Servitenkloster geschieht, spottet jeglicher christlichen Beschreibung:

Die Caritas Wien garantiert ihren Aufenthalt im Servitenkloster nur bis 30. Juni, 24:00 Uhr. Danach wäre die Erzdiözese zuständig, diese erlaubt jedoch nur den Aufenthalt während des Tages, explizit „ohne Schlafmöglichkeit“. Somit ist die Grundversorgung der Flüchtlinge nicht mehr garantiert, sondern nur, wenn sie irgendwo anders legale Unterkunft finden. Und wenn sie plötzlich mitten in der Nacht deportiert werden, dann kann niemand was dafür. Alles legal… Wir haben nur unsere „Pflicht“ getan! Und 24 Stunden nach der Ankunft in Karachi leben 40 Menschen weniger auf der Welt.

Dieses Vorgehen der Kirche ist zum Kotzen. Die Flüchtlinge MÜSSEN im Servitenkloster bleiben. Und die Römisch-Katholische Kirche HAT SICH IHRER VERANTWORTUNG ZU STELLEN.

Ich stelle Ihnen GENAU EINE Bedingung:

DIE RÖMISCH-KATHOLISCHE KIRCHE GARANTIERT FÜR DEN AUFENTHALT DER PAKISTANISCHEN FLÜCHTLINGE IM WIENER SERVITENKLOSTER BIS ZUM ZEITPUNKT DER VERLEIHUNG DER ÖSTERREICHISCHEN STAATSBÜRGERSCHAFT.

Landau! Ich mache SIE PERSÖNLICH GEMEINSAM MIT DEM KARDINAL vor dem Herrn im Himmel für das Leben und den Tod dieser Menschen verantwortlich. Jetzt. Und bis in Alle Ewigkeit. Amen!

Wer war der Erste Christliche Flüchtling? Mit Brennender Sorge!

Deus Caritas Est.

Peter Wurm

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Warum Istanbul für Wien wichtig ist

02/Jun/2013

… und für Berlin, Zürich, Hamburg, Bern, München, Graz, Genf, Köln, Leipzig, Linz, London, Rom, Madrid, Budapest, Bologna, Bratislava, Nürnberg, Luzern, Freiburg, Tübingen und Schladming …

resistanbul

4 Türkische Freunde schreiben über die Situation in Istanbul:

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Dilan Sengül, Wien:

Solidarität: „Unbedingtes Zusammenhalten mit jemanden aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele; ein Prinzip, das gegen die Vereinzelung und Vermassung gerichtet ist“ (Definition laut Duden) „und die Zusammengehörigkeit, d.h. die gegenseitige (Mit-)Verantwortung und (Mit-) Verpflichtung betont.“ (Definition der Bundeszentrale für politische Bildung Deutschland)

Polizisten feuern mit Reizgaspistolen auf die Bevölkerung. Wasserwerfer und Tränengas kommen zum Einsatz. Panzerfahrzeuge werden direkt in die Menschenmassen reingefahren. Die Brutalität, mit der die Polizei gegen die Demonstranten vorgeht, hat ein Ausmaß angenommen, welches nicht mehr in Worte zu fassen ist. Man fühlt sich ohnmächtig beim Anblick. Dachte man am ersten Abend noch, dass die Aufstände brutal unterdrückt werden können, wird Einem immer bewusster, dass hier etwas Anderes im Gange ist.

Die Wut der Bevölkerung ist entfacht, ein Inferno weht durch die Türkei. Im ganzen Land gehen die Leute auf die Straßen. Die, die nicht können, öffnen ihre Türen und bieten den Leuten Essen und Trinken an. Rechtsanwälte laufen den Gefangengenommenen zur Hilfe, medizinische Studenten versuchen zu helfen, wo nur möglich. Nicht die Ideologie, nicht der Glaube, nicht die Herkunft zählt. Alle haben sie ihre Identitäten weggeworfen, um gegen die Staatsgewalt zu protestieren, um dem faschistischen Regime von Recep Tayyip Erdogan ein Ende zu setzen.

Zahlreiche Verletze und Tote – und während Sie das hier lesen, steigt die Anzahl der Opfer. Sie schicken Bilder und teilen Videos per Facebook & Twitter, Sie bitten uns hinzusehen, Sie bitten um unsere internationale Unterstützung. Die Medien in der Türkei hüllen sich in Schweigen. Die einzige Hoffnung dieser Menschen, welche um Ihre Grundrechte bluten, ist, dass wir es schaffen, Ihre Stimme zu werden.

Das ist für mich Solidarität: Eine Stimme zu sein. Solidarisieren Sie sich und lassen Sie uns eine Stimme werden, die niemand überhören kann!

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Ece Anisoglu, Istanbul:

Eigentlich lebe ich in Wien – seit 8 Jahren. Letzte Woche bin ich nach Istanbul gefahren.

Dann passierte es. Menschen hatten es satt, von dieser Regierung herumgetrieben zu werden, also gingen sie auf die Strasse. Ganz normale Menschen, alt wie jung, arm wie reich, erhoben ihre Stimme.

Gestern war ich auch in Taksim. Eine Million Menschen waren da. Die Polizei konnte nicht anders, als sich zurückzuziehen und den Taksimplatz dem Volk zu überlassen. Bis auf wenige Ausnahmen waren wir alle sehr friedlich. Wütend, aber friedlich. Stundenlang wurde auf den Strassen Istanbuls geschrien, gesungen, demonstriert.

Dann kamen Nachrichten von erneuter Polizeigewalt in Besiktas, unweit von Taksim.

Wieder Gewalt. Wieder Angst. Überall Tränengaswolken zum Einatmen. Der Bürgermeister von Istanbul meinte vor 2 Tagen, dass das Tränengas, das die Polizisten verwenden, Bio ist. Das soll er meinen Lungen erzählen! Ich kann mir nicht vorstellen, wie es denen geht, die Gasbomben gezielt auf ihren Kopf bekommen haben, wie man es in Youtube-Videos sieht.

Keine Regierung der Welt, noch dazu eine vermeintlich demokratische, darf mit ihrem eigenen Volk so etwas machen. Wir brauchen jede Hilfe. Nur der Druck von Außen kann da was bewegen, weil Recep Tayyip Erdogan uns immer noch nicht verstehen will.

(hi peter. hier ist ece. ich habe es dir schon geschickt. hast du es bekommen? für mich ist es schwierig zu telefonieren momentan. es gab kein handy. konnte kein sms schicken. momentan ist viel los. es ist schlimmer geworden.)

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Tolgay Yildirim, Istanbul:

Wir sind gerade auf der Straße. Ich muss kurz Ruhe finden. Wir sind unterwegs in Besiktas, auf dem Weg zum Taksim. Die Stadt erwacht noch einmal, nach den Aussagen von Erdogan. Die Regierung muss mal Ruhe geben, uns auch akzeptieren. Es gibt da so viele Details. Ich komme gerade zum Platz. Die Verbindung ist sehr schlecht. Wo ist die türkische Presse? Die Nachrichtensender? We are under Police attack. Wir müssen das Thema aktuell halten! Wir sind voll unter Gas gerade…

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Oncel Secgin, Wien:

Am Anfang waren es um die hundert Menschen, die friedlich gegen den Umbau der einzigen Grünfläche in Taksim, dem Herz der Stadt, zu einem Einkaufszentrum protestiert haben. Bis die Polizei die Parkbesetzer brutal niederschlug. Als die Bilder in den Sozialen Medien öffentlich wurden, kam Unterstützung. Am nächsten Tag waren es mehrere Tausende. Am Tag darauf Zehntausende in allen Städten des Landes. Gestern waren allein in Istanbul ca. 3 Millionen Menschen aus jedem Alter, jeder sozialen Schicht, jeder politische Gesinnung auf den Straßen.

Die Regierung hat dabei die Medien zensuriert, ist immer härter mit den Demonstranten umgegangen, hat den öffentlichen Verkehr lahmgelegt, zivile Mobs organisiert, um das Volk einzuschüchtern. Bisher ohne Erfolg.

Ich rede zwar von der Regierung, aber es ist eigentlich eine One-Man-Show. Erdogan will Taksim, Istanbul, die Türkei und – wenn niemand ihn stoppen würde – am liebsten die ganze Welt neugestalten. Er träumt von einer Welt ohne Pluralität, will nur fromme Menschen, die ihm gefälligst gehorchen.

Der einzige Fernsehsender, der der inoffiziellen Zensur nicht nachgibt, ist Halk TV („Halk“ heißt auf Deutsch: „Volk“). Er berichtet live von Großstädten (Link unten). Die Bilder sind unglaublich. Alle Großstädte des Landes, inklusive Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Eskisehir sind unter Tränengas-Wolken. Leute werden brutalst verprügelt. Darunter Freunde von mir, die ja sonst ziemlich unpolitisch bzw. pazifistisch sind. Was ich momentan auf dem anderen Bildschirm sehe, erinnert mich an die Reichskristallnacht. Es geht nicht mehr um einen Park, sondern um eine ultrarepressive Regierung, die den größten Volksaufstand des Landes verursacht hat und diesen auf brutalste Art niederzuschlagen versucht.

Bilden Sie sich selbst eine Meinung:

Halk-TV: http://www.canlitelevizyonlar.net/halk-tv-izle.html

Police terror in Turkey continues, in Izmir mobs organized by the police attack people, Adana and Ankara are under chemical attack… Will the world just watch it?!??!?