Posts Tagged ‘frankreich’

Ist unsere Welt aus den Fugen geraten?

23/Jul/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den hochsommerlichen Himmel. Er hatte sich von der Welt zurückziehen wollen, doch die sich verdichtenden Schreckensmeldungen der jüngsten Vergangenheit ließen ihn nachdenklich werden.

Neben den politischen Radikalisierungen auf seinem kleinen Planeten hörte er in immer rascherer Abfolge von Terroranschlägen und Amokläufen in seiner nächsten Umgebung. Hatten sich diese einst auf ferne Länder beschränkt, so waren sie in der letzten Zeit immer näher gekommen. Die Welt um ihn herum schien zu verrohen, sich im wahrsten Sinn des Wortes zu brutalisieren.

Die politische Auseinandersetzung spielte sich vordergründig zwischen verschiedenen Gruppen ab, die einander die Schuld an der Gewalt zuschoben, um die Macht der eigenen Gruppe zu stärken. Doch dahinter ging es immer wieder um den Umgang mit der radikalsten menschlichen Grenzerfahrung, mit dem Tod.

Der Mensch war bekanntermaßen das einzige Tier, das sich seiner Sterblichkeit bewusst war. Den eigenen Tod voraussehen zu können, machte ihn erst zum Menschen. Doch so sehr er sich auch bemühte, war es ihm unmöglich, sich seinen eigenen Tod auch vorstellen zu können.

Slupetzky dachte an seinen Großvater, der in hohem Alter friedlich in seinem eigenen Bett gestorben war. Nun war er dagegen mit Bildern konfrontiert, in denen junge Menschen gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden. Welche Vorstellung würde sich durchsetzen?

Slupetzky wünschte sich und seinen Liebsten dereinst selbstverständlich einen friedlichen Tod, im Grunde sogar jedem Lebewesen. Sein Großvater durfte sterben, die Ermordeten der jüngsten Vergangenheit mussten es. Doch würde er diesbezüglich irgendetwas beeinflussen können?

Er würde es höchstens dadurch tun können, dass er selbst friedlich blieb. Es galt, gerade auch im Angesicht der Gewalt das friedliche Leben zu kultivieren. Er wollte möglichst in jedem Augenblick dankbar sein, dass er leben durfte. Vielleicht konnten ihm die Nachrichten der letzten Zeit sogar dabei helfen.

Es ging ihm nicht darum, Partei zu ergreifen, indem er jemandem die Schuld an der Gewalt zuschob. Es ging ihm ganz im Gegenteil darum, in den Grenzen des Lebens dankbar zu sein. Es ging ihm um die Kultivierung des Friedens in sich selbst. Dies zu erkennen war für ihn die wahre Herausforderung jener Tage.

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Der Dritte Weltkrieg

03/Sep/2013

Die Mitglieder der Vereinten Nationen bemühen sich derzeit, so rasch wie möglich, in jedem Fall jedoch noch in diesem Jahr eine Syrien-Konferenz in Genf zu organisieren, in der alle Bürgerkriegsparteien zu einer gemeinsamen Lösung der politischen und militärischen Konflikte angehalten werden sollen.

Ich schlage vor, vor jedem eventuellen militärischen Eingriff von Aussen das Ergebnis dieser Konferenz abzuwarten.

Geschützt: „Schwermut oder Übermut? Das ist hier die Frage.“

02/Mai/2013

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Die Wahl des Francois Hollande

07/Mai/2012

Heute ist Montag, der 7. Mai 2012, in Mitteleuropa ist es bereits Abend und gestern haben hier mindestens drei entscheidende Wahlen stattgefunden: Die Präsidentschaftswahl in Frankreich, die Parlamentswahl in Griechenland und die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Die politischen Kommentatoren bemühen sich aufgeregt, die Ergebnisse dieser drei Wahlen zu interpretieren und ihre Auswirkungen auf die Zukunft Europas zu deuten.

Gestern Abend war ich mit Gerhard und Dani „auf ein Bier“, wie wir es hier in Wien nennen, wenn wir abends miteinander ein Lokal aufsuchen. Und heute Nachmittag habe ich wieder einmal meinen Freund Roger im Kafka getroffen, woher ich gerade eben wieder nach Hause zurückgekommen bin. Diese zwei Gespräche von gestern Abend und heute Nachmittag veranlassen mich, darüber nachzudenken, was eigentlich Bedeutung für unser Leben hat.

In Frankreich wurde Francois Hollande zum Präsidenten der Republik gewählt, in Griechenland gewannen die extremistischen Parteien und in Schleswig-Holstein zogen die Piraten in den Landtag ein. Na und? Was bedeutet das für uns? Für Angela Merkel bedeutet es, dass sie sich langsam mit dem Ende ihrer politischen Macht auseinanderzusetzen beginnen könnte. Für Carla Bruni bedeutet es, dass ihr Ehemann in Zukunft keine Macht mehr über die französischen Atomsprengköpfe besitzt, was sie ursprünglich noch so erotisiert hatte. Dafür hat er jetzt mehr Zeit für sie, ihre Tochter und ihre zweite Schwangerschaft. Für Barack Obama bedeutet es, dass seine wirtschaftspolitische Sicht des Keynesianismus jenseits des Atlantiks neuen Aufschwung erhält und für Hu-Jintao bedeutet es wahrscheinlich nichts.

Alles auf der Welt definiert sich wahrscheinlich dadurch, dass der Mensch weiß, dass er sterben wird. Aus dieser Tatsache folgt Alles Andere. Wir haben damit umzugehen, dass wir irgendwann einmal nicht mehr da sein werden. „Das Leben als Dagewesenseinwerden.“ Das ist der eigentliche Titel dieses Artikels. Die Überschrift dieses Blogposts lautet eigentlich „Das Leben als Dagewesenseinwerden“. Diesen Titel werden jedoch die meisten Menschen nicht auf Anhieb verstehen und die wenigsten überhaupt. Und daher schreibe ich lieber „Die Wahl des Francois Hollande“. Ein Artikel mit dem Titel „Die Wahl des Francois Hollande“ hat am 7. Mai 2012 im deutschsprachigen Raum mit Garantie mehr Zugriffe als „Das Leben als Dagewesenseinwerden“. Der Artikel „Die Wahl des Francois Hollande“ interessiert garantiert mehr Leser als der Artikel „Das Leben als Dagewesenseinwerden“. Und schon schnellen meine Zugriffszahlen wieder in die Höhe.

Francois Hollande wird sterben, Angela Merkel wird sterben, Carla Bruni wird sterben, Barack Obama wird sterben und Hu-Jintao wird sterben. Und sie alle wissen das. Wir alle wissen das. Nur darum geht’s. Und daher stellt sich die Frage, was „Die Wahl des Francois Hollande“ für das Universum bedeutet. Was bedeutet die Wahl des Francois Hollande für den Kosmos? Was bedeutet die Wahl des Francois Hollande für mich?

„Das zinsbasierte Schuldgeld ist ein Derivat des jüdischen Gottesbegriffs“ habe ich gestern zu Gerhard und Dani gemeint. Und heute hat mir Roger erzählt, dass er „Die Welt als Wille und Vorstellung“ nach Seite 4 wieder weggelegt und daraufhin sein letztes Bild übermalt hat. „Ich kenne dein letztes Bild (Übermalung des Braun) ja nicht, aber vielleicht ist es ein Quantensprung in deinem Leben.“ habe ich ihm gerade vorher per SMS geschrieben. Und kurz darauf schrieb er mir jetzt zurück: „Das siehst du richtig. Schön dass wir uns verstehen. Dein Freund Roger“.

„Die Wahl des Francois Hollande“. Ich geh‘ jetzt malen.

Whatever the cost may be

13/Jan/2012

Es gibt einen Politiker in der Geschichte der Menschheit, der aus meiner Sicht alle anderen überragt. Selbstverständlich verherrliche ich – wie im letzten Artikel auch erwähnt – Gandhi, Mandela und Havel über alle Maßen, aber diese drei beeindrucken mich vor allem in ihrer Eigenschaft als Widerstandskämpfer gegen die herrschenden Kräfte, bevor sie schlussendlich an die Macht kamen. Es gibt jedoch einen, der in seinem politischen Amt selbst zum Widerstandskämpfer geworden ist: der rechte Verteidiger meines Millenium-All-Star-Teams, Sir Winston Churchill.

Jetzt weiß ich natürlich, dass Churchill in manchen Teilen der Welt, insbesondere von der Türkei bis nach Indien teilweise verhasst war und ist, weil er in seiner Eigenschaft als Brite seinen Beitrag zur anhaltenden Unterdrückung dieser Gebiete im Rahmen des Empire beigetragen hat. In diesen Ländern hält man vom Vereinigten Königreich nicht viel und stand im Laufe der letzten Jahrhunderte mehr auf deutscher Seite als auf der englischen.

Mit großem Amusement denke ich auch an eine Erzählung meines persischen Freundes Keyvan zurück, als er von einem Auswärtsmatch der deutschen Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann im Iran im Jahr 2004 berichtete. Bei Erklingen der deutschen Nationalhymne zur Begrüßung standen im ausverkauften Teheraner Azadi-Stadion 110.000 Menschen auf und erhoben wie ein Mann die rechte Hand zum deutschen Gruß. Die übertragenden deutschen Fernsehstationen waren bemüht, diese Ehrenbezeugung augenblicklich auszublenden.

Ich bin kein Iraner, ich bin kein Inder, ich bin kein Araber und ich bin kein Türke. Wäre ich in einem dieser Länder geboren, würde meine Wertschätzung möglicherweise anders aussehen. Auch stößt mir übel auf, dass Churchill Mahatma Gandhi zu Beginn der indischen Unabhängigkeitsbewegung abfällig einen „halbnackten Fakir“ genannt hat.

Churchill war gemäß meiner Personaltheorie sicherlich „eher ein Arschloch“. Das hat zur Folge, dass er als Politiker an der Macht zweifelsohne umstritten ist. In einem Teil der Welt ist er bis heute immer noch verhasst. Diese Ablehnung und dieser Hass gründen sich auf eine Charaktereigenschaft, die ich an ihm über alle Maßen bewundere: Die absolute Kompromisslosigkeit.

Winston Churchill stand mit allem, was er war, für die demokratische Tradition des britischen Empire. Dass dieses Empire im Laufe der Jahrhunderte im Kolonialismus die halbe Welt unterdrückt hatte, ist Teil dieser Geschichte. Doch alles in allem war dieses Imperium demokratisch legitimiert, was auch zur Folge hatte, dass Churchill selbst nach dem gewonnenen Zweiten Weltkrieg als Premierminister wieder abgewählt wurde.

Und es ist genau dieser gewonnene Zweite Weltkrieg, den ich als Nachgeborener einzig und alleine diesem Menschen vedanke. Im Frühjahr 1940 stand das Vereinigte Königreich nach der Niederlage von Dünkirchen im Zuge des deutschen Frankreichfeldzuges völlig alleine der scheinbaren Allmacht des Dritten Reiches gegenüber. Die Sowjetunion war mit Deutschland verbündet, der gesamte Kontinent besetzt oder mit Hitler befreundet und die USA in passiver Neutralität gefangen. Alle Historiker stimmen überein, dass dies der mit Abstand kritischte Zeitpunkt für die Weltgeschichte im Zwanzigsten Jahrhundert war.

In dieser Situation stand das Vereinigte Königreich unter Winston Churchill völlig alleine der Übermacht des Deutschen Reiches unter Adolf Hitler gegenüber. In Großbritannien selbst wurden die Stimmen nach einem Waffenstillstand oder Frieden mit Hitler-Deutschland immer lauter. Winston Churchill war als Regierungschef in dieser entscheidenden Situation völlig auf sich alleine gestellt.

„We shall defend our island, whatever the cost may be.“ Es ist genau dieser Satz in einer seiner denkwürdigen Reden zu dieser Zeit, der entscheidend dafür war, dass ich und meine Kinder heute die freie Luft eines demokratischen Europa atmen dürfen. Die Entscheidung im Zweiten Weltkrieg verdanken wir ganz genau diesem einen Satz.

Dieser Satz aus der Rede „We shall fight on the beaches“ am 4. Juni 1040 knüpft in der dunkelsten Stunde der Demokratie und der Menschenrechte an die kurz zuvor erfolgte Regierungserklärung „Blood, Toil, Tears, and Sweat“ an, in der Churchill das Ziel definiert: „Sieg. Sieg um jeden Preis.“

In genau dieser Situation der Niederlage, in der ALLES auf dem Spiel steht, gibt Churchill die Losung aus: „We shall defend our island, whatever the cost may be.“ In dieser dunkelsten Stunde stand zu halten und seine Überzeugungen zu verteidigen, wie hoch der Preis auch sei, das ist die Grundlage eines demokratischen Europa, das ist die Grundlage einer freien Welt.

Winston Churchill hat gezeigt, was im Leben eines Menschen möglich ist. Winston Churchill hat sich entschieden. In der dunkelsten Stunde der Geschichte hat er Position bezogen. „We shall defend our values, whatever the cost may be.“ Thank you very much.

Tag 188

12/Sep/2011

Ein ganz normaler Wochenbeginn, ein ganz normaler Montagmorgen: „Drohende Griechenland-Pleite: Angst um Euro-Zone zieht Dax in die Tiefe – Miserable Stimmung an der deutschen Börse: Händler sorgen sich, die Europäer könnten ihre Schuldenkrise nicht in den Griff bekommen. Der Dax verliert zum Handelsauftakt rund drei Prozent – und kommt der 5000-Punkte-Marke bedrohlich nahe. Der Euro verliert massiv an Wert.“ So beschreibt der „Spiegel“ in seiner Spitzenmeldung den Wochenauftakt am Montagvormittag.

Am Wochenende war durch den „Spiegel“ bekannt geworden, dass das deutsche Bundesfinanzministerium bereits mit einer Pleite Griechenlands rechnet: „Der Bundesfinanzminister bereitet sich auf das Schlimmste vor. Nach SPIEGEL-Informationen lässt Wolfgang Schäuble seine Beamten bereits durchrechnen, was eine Pleite Griechenlands zur Folge hätte. Mit zwei Szenarien: Griechenland bleibt Euro-Land – oder es muss zur Drachme zurückkehren.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Rösler sprach von einer „geordneten Insolvenz“ Griechenlands, wie die „Financial Times Deutschland“ heute berichtet: „Schuldenkrise in Europa: Rösler spricht offen von Griechen-Pleite – Ein Beitrag des Bundeswirtschaftsministers dürfte an den Kapitalmärkten ebenso für mehr Verunsicherung sorgen wie die jüngsten Hiobsbotschaften aus Athen: Dort steht laut Ministerpräsident Papandreou ein „Titanenkampf“ gegen den Bankrott an.“

Die Neuigkeiten sind nicht auf Deutschland beschränkt. So schreibt ebenfalls die FTD: „Griechen-Krise: Frankreich droht neues Bankenbeben – Wie ein Damokles-Schwert schwebt eine befürchtete Herabstufung durch Moody’s über den Aktienkursen der großen französischen Banken – ein neuerlicher Absturz ist möglich. Dass die europäischen Partner Planspiele zu einer Griechen-Pleite betreiben, gibt den Sorgen neue Aktualität.“

Ich suche nach einer erbaulichen Meldung und finde sie im „Standard“: „Laut Umfrage sechs Monate nach dem Reaktorunfall von Fukushima: Japaner wollen keine neuen Atomkraftwerke.“ In der Schnelllebigkeit der Neunten Welle hätte ich es fast vergessen: Jeder Katastrophe und jeder Krise liegt ein Wandel zugrunde, der nach und nach auch sichtbar wird. Wir befinden uns in einer Zeit der Transformation.

Laut Mayakalender erleben wir gerade ein kosmisches Geburtserlebnis. Wir liegen mitten in den Wehen. Doch der Geburtstermin steht fest: Es ist der 28. Oktober 2011. An diesem Tag werden die Energien des Universums vollkommen sein. Es steht noch nicht fest, wie wir als Menschheit darauf reagieren. Doch ich bin zuversichtlich. Zur Zeit bereiten wir uns alle darauf vor. Die Kraft der Geburtswehen wird ihr Übriges tun. Bald sind wir bereit für „Bolon Yokte Ku“, das Herabsteigen aller Neun Götter aller Neun Wellen in aller Herrlichkeit. Bald ist es soweit.

Tag 83

30/Mai/2011

Griechenland hat augenscheinlich den „point of no return“ erreicht. Während man noch gestern davon ausgehen konnte, dass das Land vor der Pleite steht, stellen die heutigen Meldungen dieses Szenario bereits als gegeben dar. Griechenland ist pleite. Die offiziellen Stellungnahmen der Politik sind nur noch dazu angetan, diese Tatsache in einem erträglichen Ausmaß unter die Leute zu bringen. Jetzt haben wir „das Ende des Geldes“ bereits in einem Land Europas erreicht.

Gestern waren in Europa Hunderttausende auf den Straßen, um gegen die herrschenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu demonstrieren. Alleine in Athen versammelten sich mehr als einhunderttausend Menschen vor dem Parlament. Auch in Deutschland wurde in mehr als ein Dutzend Städten protestiert und in Paris kamen mehr als 5000 Menschen auf dem Place de la Bastille zusammen. Selbst in Wien wurde demonstriert und ein Protestcamp auf dem Karlsplatz aufgeschlagen. Die #europeanrevolution hat begonnen.

Tag 34

11/Apr/2011

Heute ist 8 Ahau im Tzolkin und Tag 34 der universalen Unterwelt. Wir befinden uns noch zwei Tage lang in der ersten Nacht der neunten Stufe, danach folgt der zweite Tag, der Dienstag der universalen Unterwelt. Montagnacht ist bald vorbei. In der Elfenbeinküste scheint der Bürgerkrieg mit der heutigen Festnahme des Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo entschieden. Ein Land, das vom Machtkampf zweier Männer tief gespalten scheint, kann sich nun auf den demokratischen Weg des Friedens begeben. Dieser Erfolg wurde auch mithilfe der Truppen der UNO und Frankreichs gegen den expliziten Widerspruch der Afrikanischen Union möglich. Wenigstens waren die westlichen Truppen an der direkten Festnahme nicht beteiligt.

Die Afrikanische Union führt zur Zeit auch Verhandlungen zur Beendigung des Bürgerkriegs in Libyen. Den Meldungen von heute Abend zufolge könnte eine indirekte Einigung zwischen dem Gaddafi-Regime und den Rebellen sowie ein Waffenstillstand in Sicht sein. Entscheidend wird der Kampf um die Forderung eines Rücktritts von Muammar al Gaddafi sein. Ich frage mich nur, wie ein solcher Rücktritt aussehen sollte, schließlich bekleidet Gaddafi kein offizielles Regierungsamt.

Die Unruhen in Nordafrika führen zu massiven Flüchtlingsströmen Richtung Italien, was zu schweren Differenzen zwischen den EU-Innenministern führt. Italien verlangt von Europa Solidarität im Umgang mit den Flüchtlingen, Deutschland und Frankreich wollen die Grenzen dicht machen. Ich prognostiziere, dass sich dieser Konflikt in den nächsten Wochen verschärfen und Europa somit in die nordafrikanischen Unruhen hineingezogen wird. Wir werden uns der Tatsache stellen müssen, dass wir in einer gemeinsamen Welt leben, so schmerzlich diese Erkenntnis auch sein mag. Europa und Nordamerika haben bisher von der Globalisierung einseitig profitiert, jetzt beginnt sich das Blatt zu wenden. Wir werden einen Preis zu zahlen haben für unser bisheriges Vorgehen.

Als ich vor genau zwanzig Jahren als Entwicklungshelfer in Ecuador arbeitete, da erkannte ich, welche Politik Europa betreibt. Auf der einen Seite propagierten die Industrieländer Nordamerikas und Europas den weltweiten freien Handel, auf der anderen Seite stellten sie schon damals genau dort Zoll- und Handelsbarrieren auf, wo die restliche Welt konkurrenzfähig gewesen wäre, nämlich in der Landwirtschaft. Und so werden heute sogar subventionierte europäische Lebensmittel nach Afrika exportiert und ruinieren dort die gewachsenen Strukturen, während die Güter des Primärsektors aus aller Welt mit Schutzzöllen bedacht werden, um die europäischen Bauern nicht zu vergrämen. Die Hälfte des Budgets der Europäischen Union fließt zu diesem Zweck seit Jahrzehnten in die Landwirtschaft.

Jetzt schlägt die Welt zurück. Die Flüchtlingsboote Richtung Lampedusa sind erst ein Anfang. Wir werden die Konsequenzen unserer Haltung zu tragen haben. Der Druckkochtopf ist am Explodieren. Willkommen in der universalen Unterwelt!

Zehnter Tag

18/Mrz/2011

Gestern kurz vor Mitternacht wurden die Ereignisse in Japan als Spitzenmeldung der Nachrichtenseiten verdrängt. Ich saß gerade im Nachtdienst, als ich erfuhr, dass der UN-Sicherheitsrat soeben eine militärische Sanktion gegen Libyen beschlossen hatte. Diese Resolution erlaubt militärische Mittel zur Durchsetzung eines Flugverbots über Libyen und zum Schutz der Zivilbevölkerung, Bodentruppen sind jedoch explizit ausgeschlossen. 10 Mitglieder des Sicherheitsrates, allen voran Frankreich, UK und die USA stimmten dafür, 5 Länder, namentlich Russland, China, Indien, Südafrika und Deutschland enthielten sich der Stimme. Damit war die notwendige Mehrheit von 9 Zustimmungen ohne Veto gegeben. Überraschend war insbesondere, dass sich Russland und vor allem China der Stimme enthielten und somit auf ihr Veto verzichteten.

In der Praxis heißt das, dass es in Kürze zu Luftschlägen gegen das libysche Militär kommen wird. Frankreich kündigt die ersten Einsätze bereits für heute an, die USA wollen ersten Meldungen zufolge noch ein paar Tage zuwarten. Während die libyschen Aufständischen die Entscheidung noch in der Nacht bejubelten, kündigte Revolutionsführer Gaddhafi Vergeltungsschläge gegen westliche Schiffe im Mittelmeer an. Der libysche Bürgerkrieg ist seit heute ein internationaler Konflikt.

Ich habe mich gefragt, wie ich als österreichischer Botschafter oder Außenminister entschieden hätte. Wenn die Mehrheit festgestanden wäre, hätte ich mich vielleicht ebenso wie Deutschland der Stimme enthalten, um ein wenig Spielraum für zusätzliche Diplomatie zu schaffen. Wenn es hingegen auf meine Stimme angekommen wäre, so hätte ich trotz Neutralität selbstverständlich zugestimmt. Der libysche Bürgerkrieg ist bereits ein Krieg und das Vorgehen der Truppen Gaddhafis ist seit Wochen bekannt und nicht zu tolerieren. Es kann nicht sein, dass Menschen, die für ihre Freiheit kämpfen, von der Armee mit den brutalsten Mitteln umgebracht werden. Wie vor zwölf Jahren im Kosovo geht es auch heute darum, den Schlächtern Einhalt zu gebieten.

Aus diesem Grund überrascht mich, dass Russland und China auf ihr Veto verzichtet haben. Beide Länder sind nämlich in Konflikte mit ihrem eigenen Volk verwickelt, Russland in Tschetschenien sogar gegen einen Volksaufstand. Auch die Tschetschenen kämpfen so wie die libyschen Revolutionäre für ihre Freiheit und auch sie werden von der herrschenden Regierung brutal unterdrückt. Wir werden sehen, was die Entscheidung von heute Nacht für die innerrussischen Konflikte bedeutet.

Mit dem gestrigen Tag hat die erste Welle der neunten Stufe im Mayakalender ihren Höhepunkt erreicht. Ähnlich wie nach Vollmond flaut nun die Energie für die nächsten 2×9 Tage wieder ab, um danach für 2×9 Tage wieder zuzunehmen. Es kann daher sein, dass sich die Geschehnisse in Japan in den nächsten Tagen beruhigen und es zu einer Lösung der Probleme in Fukushima kommt. Auch in Libyen kann es nach dem gestrigen Höhepunkt zu einer Entspannung kommen. Ich bin mir aber nicht sicher, weil daneben der Tzolkin, der spirituelle Tageskalender der Maya, mit seinen 20 Trecenas (13-Tage-Einheiten) weiterläuft. So fließen bis zum 28. Oktober mehrere Tageswellen ineinander. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Filmgeschichte

06/Apr/2009

Gerade habe ich meine Lieblingsszene der Filmgeschichte auf youtube entdeckt:

Casablanca, die Marseillaise Szene: