Archive for the 'Sport' Category

Peter Wurm: „Sinnlos“

21/Sep/2016

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„Sinnlos“:

Xaver Finster ist das Kind einer Generation, die noch keinen Namen hat. Seine Großeltern waren tief im Nationalsozialismus verstrickt, seine Eltern sind erfolgreicher Teil der Aufbau-Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wächst im Wien des Kalten Krieges auf, am Rande der westlichen Welt. Sein Vater scheitert grandios, er selbst begibt sich auf der Suche nach Liebe bis an die Grenzen der Welt.

„‚Sinnlos‘ ist eine schonungslose Erzählung vom Leben in einer Gesellschaft, die Werte definiert, ohne sie selbst einzuhalten.“ (Judith Scharinger)

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Die Erste Lesung im Rahmen der Reihe „Wilde Worte“
am 12. September 2016 im Wiener Amerlinghaus:

(Fotos: www.romanpicha.at)

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Die Lesung im „Kafka“:

Wien, 8. Dezember 2016

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„Sinnlos“ auf Amazon: Sinnlos Peter Wurm

„Sinnlos“ bei der Edition Sonnberg

Kontakt: office(at)peterwurm.com

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Erste Lesung aus „Sinnlos“

08/Sep/2016

Montag, 12. September 2016 um 20:00 Uhr

Amerlinghaus (Galerie)
1070 Wien, Stiftgasse 8

Erste öffentliche Lesung aus „Sinnlos“
im Rahmen der Lesereihe „Wilde Worte“

Hier die Ankündigung im „Falter“

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sinnlos_web„Sinnlos“:

Xaver Finster ist das Kind einer Generation, die noch keinen Namen hat. Seine Großeltern waren tief im Nationalsozialismus verstrickt, seine Eltern sind erfolgreicher Teil der Aufbau-Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wächst im Wien des Kalten Krieges auf, am Rande der westlichen Welt. Sein Vater scheitert grandios, er selbst begibt sich auf der Suche nach Liebe bis an die Grenzen der Welt.

„‚Sinnlos‘ ist eine schonungslose Erzählung vom Leben in einer Gesellschaft, die Werte definiert, ohne sie selbst einzuhalten.“ (Judith Scharinger)

„Sinnlos“ erscheint in der Edition Sonnberg Wien

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Vor der Entscheidung

25/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den wolkenverhangenen Sonntagabend. An diesem Tag hatten in seinem Land die Wahlen zum Staatsoberhaupt stattgefunden. Von den 6 zur Auswahl stehenden Kandidaten waren 2 übrig geblieben, die in einem Monat nochmals gegeneinander antreten würden.

Nun saß er da und schaute in den Himmel. Was würde er seinen Enkeln erzählen wollen über diese Entscheidung? Für ihn war es das Ende des bestehenden politischen Systems. Im kommenden Monat würde sich entscheiden, wohin sich sein Land, vielleicht sogar sein Kontinent entwickeln würde. Doch wohin würde die Reise gehen?

Ihm kam der verstorbene deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker in den Sinn, der in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes in Europa gesagt hatte:

„Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Wir alle würden völlig neue Lösungen finden müssen, das war klar. Doch wie würden wir sie suchen?

Miteinander oder gegeneinander?

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Die Mitte der Quinte

20/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den wolkenverhangenen Himmel. Es war schon wieder Mitternacht vorbei. Gerade war er mit seinem Freund, dem Tonsetzer unterwegs gewesen.

Sie hatten von der Musik ausgehend wieder einmal über Alles gesprochen, über Physik und Metaphysik, Gott und die Welt, von der Entstehung des Universums bis zu seinem Vergehen. Sie sprachen über Glück und Unglück, über Sein und Nichtsein, über Freude und Schmerz.

Beide waren sie geschichtsphilosophische Optimisten, was nichts Anderes bedeutete, als dass sie sich einig waren, dass die Geschichte gut ausgehen würde, welche Geschichte auch immer es wäre. Am Ende stand ein wunderschöner Schlussakkord.

Nun saß er da und schaute lange in den Himmel. Es war stockdunkle Nacht. Doch irgendwo hinter den Wolken würde der Mond leuchten, der in drei Tagen voll sein würde. Slupetzky vertraute fest darauf. Er wusste es sogar. Und dafür war er aus ganzem Herzen dankbar.

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Verantwortung

13/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den heißen Frühlingstag. Am Vorabend hatte er eine Entscheidung zu treffen gehabt, die im wahrsten Sinne bestimmend für den Rest seines Lebens war.

Er hatte lange Zeit überlegt und sinniert, mit Freunden und Vertrauten gesprochen und sich beraten. Doch letztendlich musste er selbst entscheiden. Dabei hatte er es sich zur Gewohnheit gemacht, langsam spazieren zu gehen sowie lange in seinem Lehnstuhl zu sitzen und dabei an nichts zu denken.

Wem war er verantwortlich? Vor wem hatte er seine Entscheidung zu verantworten? Wem hatte er im eigentlichen Sinne Antwort zu geben? Lange in seinem Leben hatte er gemeint, er wäre seinen Kindern verantwortlich. Er hätte schlussendlich seinen Kindern Antwort zu geben, er wäre letzten Endes seinen Kindern eine Antwort schuldig.

Er dachte an die altbekannte Unterscheidung zwischen einem König und dem Kaiser. Ein König war sich selbst und seinem Volk verantwortlich, der Kaiser hingegen sich selbst, seinem Volk sowie Gott.

So hatte er die bisher schwierigste Entscheidung seines Lebens getroffen. Er wusste, wem er verantwortlich war.

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Ein weißes Blatt Papier

10/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den dunklen Nachthimmel. Vor ihm lag ein weißes Blatt Papier.

Was sollte er schreiben im Angesicht der Dunkelheit? Gerade hatte er einen Satz von John Cage gelesen: „Sobald wir gewahr werden, dass wir nichts besitzen, gibt es Poesie.“

Vor ihm lag das weiße Blatt Papier. Dabei ließ er es bewenden. Das war ihm genug.

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Demokratie und Freiheit

26/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den strahlend blauen Himmel. Es war Freitag Nachmittag, der Beginn des neuen Wochenendes.

Er saß da und war dankbar. Er war dankbar und glücklich, in einem freien Land leben zu können, in einem freien Land leben zu dürfen. Das war für ihn keine Selbstverständlichkeit.

In seinem Land standen Wahlen zur Bundespräsidentschaft vor der Türe. Anders als in allen anderen deutschsprachigen Ländern wurde in seinem Land dieses Staatsoberhaupt direkt vom Volk gewählt. Zu dieser Wahl hatten sich 6 Personen gemeldet.

Es waren dies der Sozialdemokrat Rudolf Hundstorfer, der Konservative Andreas Khol, der Nationale Norbert Hofer, der Grüne Alexander van der Bellen, die ehemalige Höchstrichterin Irmgard Griss, der Baumeister Richard Lugner und die Künstlerin El Awadalla.

So hatte er für Alexander van der Bellen eine Unterstützungserklärung zur Kandidatur abgegeben, war ins Personenkomitee für Rudolf Hundstorfer gegangen, hatte Richard Lugner persönlich und Norbert Hofer schriftlich Alles Gute gewünscht, für Irmgard Griss Geld gespendet, dachte an El Awadalla und schloss Andreas Khol in sein Nachmittagsgebet ein.

Er wusste, wen er in der Wahlzelle geheim wählen würde, und jeder Andere würde es auch wissen können. Aber würde ihn irgendjemand überhaupt verstehen können? Er selbst wusste, was er tat. Er wusste es genau.

So saß er da und war dankbar. Und er war glücklich. Er war in diesem Moment der glücklichste Mensch der Welt.

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Friede

03/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den nächtlichen Himmel. Gerade war er von einem Treffen mit einem Freund zurückgekehrt.

Sie hatten über Gott und die Welt gesprochen und über sein jüdisch-christlich-moslemisches Erbe der hinduistisch-buddhistischen Aufklärung zum ewigen Frieden. Und so gelüstete es ihn, den größten Satz zu schreiben, der ihm überhaupt möglich war:

Der Holocaust. Er darf gewesen sein.

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Zurück in Wien

28/Jan/2016

Slupetzky sass an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den morgendlichen Himmel. Zu Mitternacht war er nach Hause zurückgekehrt, nachdem er mehr als eine Woche lang für seine Firma unterwegs gewesen war.

Dort hatte er von einer Freundin eine Nachricht erhalten: „Slupetzky, ich vermisse Deine Geschichten. Was machst Du so? Bist Du noch glücklich verliebt? Und was ist Dein Lieblingsessen?“

Er war schwierige Fragen gewöhnt. Was er so mache? Er würde leben. Ganz einfach leben. Er würde einatmen und ausatmen und er würde alles dazu beitragen, dass er das auch könnte. Mehr war es im Grunde nicht. Und wenn er Glück hatte, dann würde er dies auch mit Genuss tun.

Und sein Lieblingsessen? Wahrscheinlich Brot, einfach ein Brot. Auch hier war im Grunde nicht mehr zu wollen. Wasser und Brot. Alles Weitere war Luxus. Zum Leben genügte ihm Wasser und Brot.

Und ob er noch verliebt wäre? Ja. Er war verliebt. Das war überhaupt der Luxus seines Lebens. Er konnte lieben. Und er liebte. Mehr war es nicht. Wirklich nicht.

Slupetzky stand auf und startete in den Tag. Und er war glücklich.

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Liebeserklärung

16/Jan/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den morgendlich blauen Sonnenhimmel. Im Hintergrund lief David Bowies „Heroes“ auf Repeat.

Sie hatte ihm solch schöne Sätze gesagt wie: „Du warst in mir. Du warst in meinem Kopf.“ Nun wollte er ihr seine Liebe erklären, wie er sie noch keinem Menschen zuvor bezeugt hatte. Und er schrieb:

In Dir fühle ich mich zuhause.

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