Die Mitte der Quinte

20/Apr/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den wolkenverhangenen Himmel. Es war schon wieder Mitternacht vorbei. Gerade war er mit seinem Freund, dem Tonsetzer unterwegs gewesen.

Sie hatten von der Musik ausgehend wieder einmal über Alles gesprochen, über Physik und Metaphysik, Gott und die Welt, von der Entstehung des Universums bis zu seinem Vergehen. Sie sprachen über Glück und Unglück, über Sein und Nichtsein, über Freude und Schmerz.

Beide waren sie geschichtsphilosophische Optimisten, was nichts Anderes bedeutete, als dass sie sich einig waren, dass die Geschichte gut ausgehen würde, welche Geschichte auch immer es wäre. Am Ende stand ein wunderschöner Schlussakkord.

Nun saß er da und schaute lange in den Himmel. Es war stockdunkle Nacht. Doch irgendwo hinter den Wolken würde der Mond leuchten, der in drei Tagen voll sein würde. Slupetzky vertraute fest darauf. Er wusste es sogar. Und dafür war er aus ganzem Herzen dankbar.

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