Auf offener See

22/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den frühmorgendlichen Himmel. Es war schon hell draußen und in Kürze würde die Sonne aufgehen.

Am Vorabend war er noch wehmütig gewesen. Er war traurig, weil er schon wieder gescheitert war. Er wollte einfach lieben und geliebt werden und war abgeprallt. „Ich fürchte mich weniger davor, widerlegt, als missverstanden zu werden.“ kam ihm Immanuel Kant in den Sinn. Nicht das Alleinsein schmerzte ihn, sondern die jähe Trennung nach einer kurzen liebevollen Begegnung.

Er ging gerade auf der neuen Fußgängerzone spazieren, als sich Alex meldete. Sie hatte im Netz von der Trennung erfahren und sah, dass seine Flaschenpost wieder auf dem offenen Meer schwamm.

Es gab so viele liebe Menschen da draußen, so viele Frauen, die auch einfach nur lieben und geliebt werden wollten. Sein elektronisches Postfach war voll von Nachrichten auf seine Flaschenpost, was ihn völlig überforderte. Wie sollte er vorgehen? Wie wollte er vorgehen? Er konnte einfach nur seinem Herzen folgen und Schritt für Schritt das tun, was ihn sein Herz spüren ließ.

So also hatte er Alex zurückgerufen. Er wollte einfach ihre Stimme hören. Nicht nur das Bild war für ihn entscheidend, viel mehr noch die Stimme. An den Augen und an der Stimme vermochte er im Grunde Alles zu erkennen, so wie andererseits Jeder an seinen Augen und an seiner Stimme bereits Alles über ihn wissen konnte.

Nun war er aufgestanden, um in die neue Woche zu starten. Und er dachte an sie.

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