Frühstück im Amerling

21/Feb/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den grauen Mittagshimmel. Im Hintergrund hatte er sich aus Schuberts letzten Klavierstücken das Es-Dur Impromptu aufgelegt und hörte es immer wieder auf Repeat.

Wo sollte er beginnen? Er saß da und war traurig. Er war traurig und hatte drückende Bauchschmerzen. Was wollte er schreiben? Was dürfte er erzählen? Das erste Treffen war eine Katastrophe gewesen. Er war über einen Abgrund von Angst getaumelt. „Wie stabil bist Du?“ hatte sie ihn dabei gefragt. Er hielt einen Augenblick inne, schaute sie an und sagte sanft: „Hundert Prozent.“

In der Nacht davor hatte er sie zu lieben begonnen. Es waren Gespräche voller Zärtlichkeit und Liebe. Und jetzt dieses Fiasko. Es tat ihm nur weh. Doch er würde dennoch bei ihr bleiben wollen. Er hatte sich schon zuvor entschieden.

Jetzt lag es an ihr.

Der Wind begann, stärker zu werden. Und im Hintergrund begann Schubert aufs Neue.

———-

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: