Der sexuelle Missbrauch

19/Jan/2016

Slupetzky saß an seiner alten Schreibmaschine und blickte durch sein Dachfenster in den mitternächtlichen Himmel. Im Hintergrund lief Bruckners Siebte Symphonie auf Repeat, der Zweite Satz, das Adagio, die Klage über Richard Wagners Tod.

Er war wütend. Er war wütend und unglaublich zornig. Alle seine Probleme hatten mit einem einzigen Problem zu tun. Ein einziges Problem war die Grundlage für all die weiteren in seinem bisherigen Leben.

Er war an seiner Seele erkrankt, mehrmals und öffentlich. Jedermann wusste, dass er ein irrer Psychiatriepatient gewesen war. Aber keiner wusste, warum.

Irgendwann würde er die Kraft haben, es öffentlich zu machen. Irgendwann würde er die Kraft haben, darüber zu schreiben. Irgendwann würde er die Kraft haben, es einfach anzuklagen.

„Ich wurde als Kleinkind sexuell missbraucht. Es war nicht der fremde Mann im Park, von dem ich anal vergewaltigt wurde. Es war kein Fremder. Es war ein Verwandter, ein naher Verwandter. Es war auch kein Mann. Es war meine Tante.“

Irgendwann würde er die Kraft haben, dies zu schreiben.

Jetzt.

———-

 

Eine Antwort to “Der sexuelle Missbrauch”

  1. Eveline Riedling Says:

    Ja, es ist sehr, sehr schwer. LG Eveline


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