Die Flucht ist zu Ende – Tag 1/Teil 2

14/Sep/2015

Jetzt ist es Montag Nachmittag, 15:34 Uhr. Nach meinem letzten Eintrag habe ich ein SMS von einem Freund bekommen: „Hi Peter, habe Deinen Blogeintrag gelesen. Wenn Du was brauchst für Deine Gäste lasse es mich wissen.“ Ich antwortete, dass ich eben noch das vierte Bett brauchen würde, wenn die Gäste dann wirklich kommen. Eine halbe Stunde später waren die Sachen abholbereit. Dann kam das zweite SMS von ihm: „Wenn Du kein Auto hast, nimmst Du ein Taxi und ich zahle das.“

Ich holte die Sachen in Simmering ab und bekam noch eine Riesenportion Hörnchen mit auf den Weg. Der Taxifahrer war ein studierter Bauingenieur aus der Nähe von Kabul. Er erzählte mir von seiner Heimat, den verschiedenen Volksgruppen und Religionen, von den Taliban, den gesprengten Buddhastatuen, dem Hindukusch-Gebirge und der Seidenstraße. Zu Hause angekommen richtete ich das Gästezimmer fertig ein und hörte die neuesten Nachrichten im ORF-Fernsehen um 13:00 Uhr. Zuvor hatte die Tageszeitung „Österreich“ von 80.000 ankommenden Flüchtlingen berichtet. Das sind ungefähr die Zuschauer eines vollen San Siro Stadions in Mailand oder des Santiago Bernabeu in Madrid.

Zu Mittag rief mich auch ein Freund zurück, der 3 Flüchtlingsunterkünfte leitet. Er erklärte mir die rechtlichen Grundlagen und die passende Vorgangsweise. Grundsätzlich geht es bei der Hilfe um die Übernahme von Flüchtlingen aus der Bundesbetreuung in die Privatbetreuung. Wenn man zuvor Menschen Quartier anbietet, bewegt man sich im rechtlichen Graubereich. Die Vorgehensweise ist jedenfalls folgende:

  • Asylantrag im nächstbesten Wachzimmer der Polizei
  • Aufenthalt im Erstaufnahmezentrum (Traiskirchen) für 120 Stunden (5 Tage)
  • Registrierung der Wohnung als Flüchtlingsunterkunft (www.asyl.at; www.diakonie.at)
  • Welcome!

Die 120 Stunden in Traiskirchen dienen der Registrierung. Man darf sie keinesfalls abkürzen, da die Flüchtlinge sonst aus dem Grundversorgungsystem GVS herausfallen und jeden Anspruch auf Sozialversicherung verlieren. Den offiziellen Antrag auf Regisitrierung der Wohnung habe ich bei der Diakonie am frühen Nachmittag bereits gestellt.

Danach habe ich Toilettartikel für die Caritas am Westbahnhof besorgt. Es ist kein Duschgel geworden, sondern 8 Zahnbürsten. Sie haben 6 Euro und 20 Cent gekostet.

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