Oase im Trubel der Großstadt

24/Mrz/2015

Beitrag fuer „Miteinander“ 1-2/2015

„Oase im Trubel der Großstadt“

Wie oft war ich wohl schon daran vorbeigegangen? Doch nun, irgendwann in der Krise zu meiner Lebensmitte, tauchte plötzlich die Frage vor mir auf: „Quo vadis?“ 

Mir kam sofort die Via Appia südlich von Rom in den Sinn, als Petrus seinem Herrn begegnet war und ihm genau diese Frage gestellt hatte: „Wohin gehst Du?“ Ich blieb stehen und schaute mich um. Hier war ich also, mitten in Wien, mitten im Zentrum, im Durchgang hinter dem Erzbischöflichen Palais. Und vor mir die weiße Schrift auf purpurrotem Grund: „Quo vadis?“ Ich blickte in eine der Auslagenscheiben: Ein großes schwarzweißes Foto von zwei pilgernden Menschen: „Manche suchen Gott und finden sich selbst. Andere suchen sich selbst und finden Gott.“ Und irgendwo daneben in irgendeinem Satz das eine Wort: „Berufung.“

So entschloss ich mich, einfach einmal hineinzugehen. Mich empfing ein Ort der Ruhe, ein völliger Gegensatz zur lärmenden Umgebung draußen: Weiße Wände über dem hellen Boden, eine wunderschöne, klare Architektur. Der ganze Raum lichtdurchflutet, aber dennoch mit der Geborgenheit einer Höhle. Peter Bohynik, der Leiter des „Quo vadis?“ erzählte mir danach, dass er sich an meinen ersten Besuch noch genau erinnern konnte. Auf jeden Fall saß ich irgendwann an einem der Tische auf der gepolsterten Bank und trank Kaffee. So kamen wir ins Gespräch: „Suchst Du Spiritualität oder den nächsten spirituellen Schritt?“ Das war es also: Mein nächster spiritueller Schritt. „Du hast ihn bereits getan.“ sollte Thomas später zu mir sagen. Auch ihn hatte ich im „Quo vadis?“ kennengelernt und mich bald mit ihm angefreundet.

In den nächsten Wochen kam ich immer wieder, so oft ich konnte und mich auch traute. Ich war manchmal alleine im „Raum der Stille“ im ersten Stock mit seinem großartigen gläsernen Altarbild. Ich war manchmal mit ein paar Anderen bei regelmäßigen Gesprächen über Spiritualität und Religion, sowie bei Meditationen und Gebeten. Und ich war manchmal mit vielen Anderen bei Ausstellungen, Lesungen und Konzerten. Alle diese Ereignisse haben mich innerlich sehr bereichert.

Das „Quo vadis?“ ist ein sogenanntes niederschwelliges Angebot, das heißt, im Grunde ist Jeder eingeladen, hereinzukommen. Jeder darf einfach da sein. Ich habe immer noch große Schwierigkeiten mit der Römisch-Katholischen Kirche und mit der christlichen Religion insgesamt. Doch hier habe ich gelernt, dass Gott ebenfalls eine bedingungslose Einladung an alle Menschen ist, auch an mich. Es liegt an uns, diese Einladung einfach anzunehmen. Wenn ich daher nach einer Bibelstelle suche, die beschreibt, welches Gefühl dieser Ort in mir immer wieder auslöst, so fällt mir gleich ein Vers aus dem Psalm 23 ein: „Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.“ Das „Quo vadis?“ ist solch eine kleine Oase mitten im Trubel der Großstadt.

Im „Quo vadis?“ habe ich auch erfahren, welche bisher verschütteten Wege mir überraschend offenstehen. Ich habe neuerlich beten gelernt, nochmals Bibelstudien begonnen, wieder Messen besucht und in vielfältiger Weise Gemeinschaft erlebt. Nun bin ich Schritt für Schritt auf dem Weg, das zu finden, warum ich überhaupt hereingekommen bin: Eine neue Berufung – und endlich auch wieder ein Ziel. „Denn Ich, Ich kenne meine Pläne, die Ich für Euch habe, spricht der Herr; Pläne des Heils und nicht des Unheils.“ heißt es im Buch Jeremia. Vielleicht war es Sein Plan, hinter der Türe des „Quo vadis?“ auf mich zu warten.

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