Das „sittlich Richtige“

24/Aug/2013

Adam Smith beginnt sein – neben dem „Wohlstand der Nationen“ – zweites Hauptwerk, die „Theorie der ethischen Gefühle“, folgendermaßen:

„Mag man den Menschen für noch so egoistisch halten, es liegen doch offenbar gewisse Prinzipien in seiner Natur, die ihn dazu bestimmen, an dem Schicksal anderer Anteil zu nehmen, und die ihm selbst die Glückseligkeit dieser anderen zum Bedürfnis machen, obgleich er keinen anderen Vorteil daraus zieht, als das Vergnügen, Zeuge davon zu sein. Ein Prinzip dieser Art ist das Erbarmen oder das Mitleid, das Gefühl, das wir für das Elend anderer empfinden, sobald wir dieses entweder selbst sehen, oder sobald es uns so lebhaft geschildert wird, dass wir es nachfühlen können. „

Dies ist der Beginn des I. Kapitels „Von der Sympathie“ des I. Abschnitts „Von dem Gefühl für das sittlich Richtige“ des Ersten Teils „Über die Schicklichkeit oder sittliche Richtigkeit der Handlungen“ des Buches „Theorie der ethischen Gefühle“.

Als ich mir vorgestern dieses Buch wieder einmal als Einschlaflektüre mit ins Bett genommen habe, da wurde mir sofort klar, dass dieses Gefühl, das die ganze Ethik von Adam Smith begründet, das „Mitgefühl“, irgendwann im Laufe der Zeit bis zu uns großen Schaden genommen haben muss.

Es gibt Untersuchungen, wieviele Morde und Tote ein Kind im Laufe seiner ersten Lebensjahre durchschnittlich sieht. Ich habe mir die Zahl nicht gemerkt, sie ist jedoch fürchterlich. Wenn wir heute in einem Spielfilm den Tod eines Tieres sehen, macht uns das inzwischen betroffener als der Tod eines Menschen.

Wir sehen in den Nachrichten unserer Medien inzwischen so viel Not und Elend, dass es fast niemandem mehr gelingt, es uns „so lebhaft“ zu schildern, „dass wir es nachfühlen können“, wie Adam Smith schreibt. Egal, wie nah oder fern uns dieses Elend ist, wir blättern in unserer Zeitung um oder schalten auf unserem Fernseher weiter.

„Ich kann kein Mitgefühl empfinden“ lässt der Autor Joachim Fest im Spielfilm „Der Untergang“ Joseph Goebbels zum Ende der Geschichte sagen. Kurz darauf sorgt seine Ehefrau Magda dafür, dass alle ihre kleinen Kinder im Führerbunker der Reichskanzlei im Berlin des Dritten Deutschen Reiches mithilfe ihres Leibarztes durch Gift getötet werden.

Was ist das „sittlich Richtige“, wenn es kein Mitgefühl mehr gibt?

Inzwischen hat in Österreich, Deutschland, Bayern und Hessen der Intensivwahlkampf begonnen. Bayern wählt am 15. September, Deutschland und Hessen eine Woche danach am 22. September und Österreich wiederum eine Woche darauf am 29. September.

Wenn ich diese Wahlkämpfe beobachte, so fällt mir auf, dass fast jeder Kandidat schon mit seiner Antwort losschießt, bevor die Frage überhaupt fertig formuliert wurde. „Ich danke Ihnen für diese Frage“ sagen manche Politiker dann auch, noch bevor sie diese überhaupt fertig gehört haben. Was wollen diese Menschen überhaupt? Was ist ihr Ziel?

Ich habe mir die Mühe gemacht, zwei Tage vor dem sogenannten „Kanzlerduell“ des österreichischen Privatsenders „Puls 4“ heute Nacht die beiden langen Interviews mit Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger auf der Internet-Seite von „Puls 4“ nachzusehen und nachzuhören.

Das hat mich veranlasst, meinen Freunden heute Nachmittag folgendes SMS zu schicken: „Die SPÖ unter Faymann ist das Dekadenteste und Blödeste, was dieses Land je hervorgebracht hat.“ Wenn ich einmal Bundespräsident werden sollte, dann werde ich keine Ernennungsurkunde von Heinz-Christian Strache als Regierungsmitglied unterschreiben, weil er eindeutig zu belämmert für solch einen Job ist. Aber bis so weit ist, wird auch Werner Faymann schon aus denselben Gründen vom Volk aus dem Amt gejagt worden sein.

Dieser „Sozialdemokrat“ erzählt mir in diesem Interview mit Corinna Milborn auf „Puls 4“ allen Ernstes, dass die europäische Bankenrettung nicht den Aktionären, sondern einzig der armen Bevölkerung hilft und dass er als Bundeskanzler „keine Meinung“ zum Vorgehen österreichischer Behörden hat. Dieser Mensch ist erstens ein Verrat an seiner Gesinnungsgemeinschaft und zweitens ein Verrat an seinem Amt.

Egal, ob in Bayern, Hessen, Deutschland oder Österreich: Das „sittlich Richtige“ scheint überall völlig aus der Mode gekommen zu sein – vor allem erbärmlicherweise bei den Sozialdemokraten. Da geht es nur noch um die Macht an sich. „Ich will Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden!“ ist offensichtlich der wichtigste Satz im Wahlkampf des Peer Steinbrück. Und wie bei allen US-amerikanischen Fast-Food-Konzernen ist auch hier das Marketing und die Werbung immer weitaus besser als das Produkt an sich.

Bei mir bleibt in diesem Wahlkampf schon jetzt ein sehr bitterer Nachgeschmack. Ich glaube diesen Menschen kein Wort. Dafür bin anscheinend ich zuwenig belämmert. Angesichts dieser jämmerlichen Alternativen bin ich überall im Zweifel für Schwarz-Grün. Ich wünsche Eva Glawischnig und Jürgen Trittin viel Erfolg!

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Eine Antwort to “Das „sittlich Richtige“”

  1. otto otterbach Says:

    belämmert ist voraussichtlich die bekannte österreichische höflichkeit


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