Acht kurze Gedanken

08/Jun/2013

1. Acht kurze Gedanken?

Acht kurze Gedanken? Was ist denn das schon wieder? Sieben habe ich schon am Donnerstag geschrieben, dies hier ist der Achte:

Ich wäre gerne ein bekennender Jude. Dann würde ich über den Holocaust die Witze machen, die ich mir jetzt nur denken darf. Also: „War der Holocaust überhaupt ernst gemeint?“ zum Beispiel. Oder: „Der Nationalsozialismus war gut gemeint. Das Judentum auch.“ Oder Filmwitze: „Saving Private Hitler“ und „Himmler’s List“. Ungefähr solche Witze halt.

Aber ich bin ja kein bekennender Jude. Deswegen darf ich mir das Alles nur denken. Schade eigentlich…

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2. Europa. Beginnen wir von Vorne!

Was zum Teufel ist überhaupt Europa? Was meinen Sie? Erinnern Sie sich an den Schulunterricht? An das Uralgebirge? Und den Uralfluss? Wo liegt das Alles überhaupt? Ein mittelmäßiges Gebirge irgendwo in Asien. Und ein völlig unbedeutender Fluss. Sind Sie schon jemals dort gewesen? Haben Sie jemals sonst davon gehört? Wer hat das überhaupt festgelegt? Und wann? Und woher kommt dieser Name? Erinnern Sie sich an den Schulunterricht?

Was soll das sein, Europa? Was meinen Sie?

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3. Erforschen wir Europa!

Europa? Was ist das? Was würden unsere Kinder sagen? Und was unsere Freundinnen und Freunde? Und die Geschäftspartner? Wie definieren wir „Europa“? Und was zeichnet „Europa“ aus? Erforschen wir Europa! Gleich von hier aus. Fragen wir das Internet! Suchen wir doch mal nach dem Begriff „Europa“. Ganz einfach, mittels Google:

  1. EUROPA – EU Website / Choose your language (europa.eu/)
  2. Europa – Wikipedia, the free Encyclopedia (en.wikipedia.org/wiki/Europa‎)
  3. Europa – Wikipedia (de.wikipedia.org/wiki/Europa) Translate this page
  4. Europa (moon) – Wikipedia, the free Enzyklopedia (en.wikipedia.org/wiki/Europa_(moon)‎ )
  5. Benfica v Chelsea, Europa League Final, live – Telegraph (www.telegraph.co.uk)

Was fällt uns als Erstes auf? In Europa wird Englisch gesprochen. Und Fußball gespielt…

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4. Männer und Frauen

In der Geschichte der menschlichen Zivilisation haben bisher die Männer dominiert. Anfangs gab es zwar Matriarchate, doch heute sind sie de facto ausgestorben. Der Globus als Ganzes wird bis in die Gegenwart von Männern beherrscht.

Das Einzige, was Männer und Frauen unterscheidet, ist ihr Geschlecht. Ein Mann definiert sich allein durch seinen Penis, eine Frau durch ihre Vagina. Ein Mann zeugt Kinder, eine Frau gebiert sie. Das ist der einzige Unterschied, und dieser ist elementar. Offensichtlich folgt aus dieser Charakteristik alles Andere, zunächst einmal die körperlichen Unterschiede. Männer sind normalerweise größer und stärker als Frauen. Bis zum heutigen Tag.

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5. Was ist Rassismus?

Was ist eine Rasse? Der Einfachheit halber lassen wir den Begriff „Rasse“ durch Wikipedia definieren. Der Artikel „Rasse“ der deutschsprachigen Wikipedia beginnt mit dem Halbsatz: „Rasse ist ein abstrakter Ordungsbegriff, (…)“

Rasse ist ein abstrakter Ordungsbegriff. Und hier haben wir schon die beste Voraussetzung für den Rassismus: „Rasse“ ist erstens abstrakt und sorgt zweitens für Ordnung. Rasse ist ein abstrakter Ordungsbegriff. Jede und Jeder kann sich selbst im eigenen Hirn ihre und seine abstrakte Ordnung bauen, die sie und er danach der Umwelt überstülpt. Wir gehören zu diesen – und ihr gehört zu jenen. Warum? Weil ich mir das so ausgedacht habe. Und weil ich das so sage. Ganz abstrakt. Und ganz in Ordnung.

Rasse ist ein abstrakter Ordungsbegriff.

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6. Die Soziale Marktwirtschaft

Die Begründer der „Sozialen Marktwirtschaft“ rund um Ludwig Erhard im Deutschland zu Beginn der Nachkriegszeit hatten offensichtlich das Bedürfnis, die liberale Marktwirtschaft mit der sozialistischen Planwirtschaft zu versöhnen – und das schon im Titel.

Im „Godesberger Programm“ der SPD aus 1959 hatte Karl Schiller formuliert: „Soviel Markt wie möglich, soviel Planung wie nötig.“ Bei seiner Rede zur Feier des 150. Jahrestags der Parteigründung sprach vor Kurzem der Französische Staatspräsident Francois Hollande dagegen von „soviel Markt wie nötig, soviel Solidarität wie möglich.“

Soviel Markt wie möglich“ ist seit Reagonomics und Thatcherism inzwischen leicht vorstellbar. Aber „soviel Markt wie nötig“? Wieviel „Markt“ ist nötig? Was meinen Sie?

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7. Das Jahrhunderthochwasser

Seit Tagen schon nimmt das Hochwasser den Spitzenplatz unter den aktuellen Meldungen in Österreich ein. Heute Früh, am 6. Juni, schreibt die Austria Presse Agentur APA in ihrer Ersten Schlagzeile von der „Zweiten Verteidigungslinie“ im Raum Krems.

Die „Zweite Verteidigungslinie.“ Erinnert mich das an den Krieg oder doch lieber an Fußball? Auf jeden Fall wird es diesem Begriff gelingen, dass sich Menschen dafür begeistern und sich damit identifizieren. Wer möchte nicht gerne bei der „Zweiten Verteidigungslinie“ dabei sein? „Damals, meine Liebe, im 2013er Jahr, da war ich bei der ‚Zweiten Verteidigungslinie‘ in Krems dabei!“

vater komm erzähl vom krieg
vater komm erzähl wiest eingrückt bist
vater komm erzähl wiest gschossen hast
vater komm erzähl wiest verwundt wordn bist
vater komm erzähl wiest gfallen bist
vater komm erzähl vom krieg*

Solch ein Hochwasser ist offensichtlich die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Der Krieg ist vorbei, das Hochwasser ist da. Das ist sicherlich besser so.

Vater. Komm. Erzähl. Vom Wasser.

*Ernst Jandl: vater komm erzähl vom krieg, 31.10.1966, Luchterhand Verlag

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8. Wohin geht unser Geld?

(Das muss man sich zur Übersicht wahrscheinlich ausdrucken)

Nehmen wir an, die Welt bestünde aus nur vier Menschen, und diese hätten inzwischen ein Geldvermögen von jeweils 10 Euro erwirtschaftet. A hat zusätzlich das Produkt im Wert von 10 Euro geerbt (und ist damit doppelt so reich wie alle Anderen), B ist Händler, C Dienstleister und D eine Bank (Situation X 01 – siehe unten). Nun kauft B von A ein Produkt um 10 Euro (X 02), um es an C profitabel um 15 Euro weiterzuverkaufen (X 03). Somit muss sich C von D 5 Euro leihen, um das Produkt zu bezahlen (X 04). D borgt es C unter der Bedingung, in einem Jahr 10 Euro zurückzubekommen.

Innerhalb des nächsten Jahres erfüllt C für B Dienste, die ihm 10 Euro Gewinn bringen (X 05). Diese zahlt er danach an D zurück (X 06). Abschließend verkauft C das inzwischen gebrauchte Produkt an A um 10 Euro (X 07). Somit ist das Produkt wieder bei A. Nun hat A wieder 10 Euro (samt gebrauchtem Produkt), B nur noch 5, C immer noch 10 und D bereits 15.

Im Zweiten Durchgang wird es spannend. A gelingt es, das gebrauchte Produkt um die soeben bezahlten 10 Euro nochmals an B zu verkaufen (X 08). B muss sich dafür ebenfalls 5 Euro bei D ausleihen (X 09), zahlt ihm dafür in einem Jahr 10 Euro zurück. Diese 10 Euro erwirtschaftet er, indem er das gebrauchte Produkt an C um 10 Euro weiterverkauft (X 10). Nach der Rückzahlung ist er pleite, aber glücklich (X 11). Zuletzt verkauft C das gebrauchte Produkt um den gewohnten Preis von 10 Euro wieder an A zurück (X 12).

Was ist in diesen Zwei Jahren geschehen?

A ist genauso vermögend wie zuvor

  • nur ist sein Produkt inzwischen gebraucht.

B hat im Handel 5 Euro verdient und 10 Euro konsumiert

  • und ist trotzdem pleite.

C hat um 10 Euro gearbeitet und nur 5 Euro verbraucht

  • und dennoch nicht reicher als zuvor.

Und D?

D hat nichts gearbeitet

  • und ist doppelt so reich wie zuvor.


Es funktioniert Alles ganz einfach.

Haben Sie eine Bankkonzession für mich?


X 01: A: 10+P B: 10 C: 10 D: 10

X 02: A: 20 B: 00+P C: 10 D: 10

X 03: A: 20 B: 15 C: -5+P D: 10

X 04: A: 20 B: 15 C: 00+P D: 05

X 05: A: 20 B: 05 C: 10+P D: 05

X 06: A: 20 B: 05 C: 00+P D: 15

X 07: A: 10+P B: 05 C: 10 D: 15

X 08: A: 20 B: -5+P C: 10 D: 15

X 09: A: 20 B: 00+P C: 10 D: 10

X 10: A: 20 B: 10 C: 00+P D: 10

X 11: A: 20 B: 00 C: 00+P D: 20

X 12: A: 10+P B: 00 C: 10 D: 20

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http://www.peterwurm.com
philosophic arts

2 Antworten to “Acht kurze Gedanken”

  1. roseny Says:

    In meinem Fall ist der erste Punkt ganz für Sie reserviert (ganz neben bei: och verstehe die Witze auch nicht).

    2) Was Europa sein soll? Als Jugendlicher hätte ich sicher geantwortet: Von jedem Volk das beste und gut ist`s. Heute würde ich sagen: Es soll Teil der Welt bleiben. Vielleicht als eine 150er Gruppe (ist normalerweise nicht mein Ding, in einem Kommtar auf meinen Blog zu verweisen, aber der Rahmen wäre gesprengt).

    Was Europa heute ist, ist auch interessant: Ein paar Jahrzeihnte friedlich.

    3) Englisch ist in Europa die „offizielle“ Sprache. Stimmt. Dass Google auf Englisch antwortet, kann aber auch an den Einstellungen liegen.

    4) Und?

    5) Ordnung, was ist das? Es liegt bei jedem selbst. http://perspektivenlogik.wordpress.com/2013/06/08/gegen-archaische-logik/comment-page-1 hat das probiert und …

    6) Minimaler Markt: Geld ist nur Tauschmittel.

    Das Problem dabei ist, dass Geld nicht gehortet werden darf. Tut man es doch, dann gerät man früher oder später (und immer wieder, wie die Geschichte zeigt) in dieselbe Problematik: Statt horten auf die Bank bringen; Warum? Weil es Zinsen gibt; Hat einer genug Geld … aber das Thema wird unten bochmal aufkommen.

    7) Ja es stimmt, es starben Leute. Aber zur Zeit braucht es keinen Kriegsersatz, es gibt genügend auf der Welt und an einigen sind wir ja beteiligt.

    War es Not? Hätte es verhindert werden können? Da gibt es viele Wenn und Aber … aber ich glaube, da kann man einiges machen, wenn man will – und manchmal wollen die Anwohner nicht, warum? Ich weiss es nicht, kann gerechtfertigt sein, miss aber nicht.

    8) Das ist der Grund, warum ich hier kommentiere: Kann ich mir das Beispiel ausleihen? Es passt gut zu den Grundlagen, die es auf meinem Blog für Geld und Wirtschaft gibt.

    • Peter Wurm Says:

      Lieber Roseny!

      Ja, klar können Sie das Beispiel ausleihen. Am besten mit Verweis auf den Urheber.

      … und zu einem Zinssatz von 8 Prozent …😉

      LG

      PW


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