Das Leben ohne Geld

05/Mai/2013

Wenn ich meinen Freunden gegenüber über die Vision der „Geldlosen Gesellschaft“ spreche, dann beginnen selbst die wohlmeinendsten zu zweifeln: „Wie soll das gehen?“ Und ausnahmslos alle bringen danach angsterfüllt den Begriff der „Tauschwirtschaft“ ins Spiel. Rothschild scheint ganze Arbeit geleistet zu haben…

Als ich 1991 als Entwicklungshelfer im südamerikanischen Ecuador gearbeitet habe, in dem inzwischen – sehr zum Ärger von Rothschilds Mannen – das „Buen Vivir“ der Ureinwohner als oberstes Ziel in die Verfassung aufgenommen wurde, da fuhr ich an fast jedem Wochenende durch das Land. Und spätestens bei meinen Ausflügen in das Urwaldgebiet des Amazonas bemerkte ich, dass ein Leben ohne Geld selbstverständlich möglich ist: Völlig ohne Geld – und völlig ohne Tauschwirtschaft.

Im „Oriente“ des ecuadorianischen Amazonasgebiets leben die Menschen, wie fast überall in Amerika vor Kolumbus, Cortes und Cheney, in einer intakten Umwelt, fröhlich und frei, nachhaltig – und ohne Geld. Wenn eines der Boote irgendwann kaputtgeht, dann kommen alle Nachbarn am nächsten Wochenende zusammen, um gemeinsam ein neues zu bauen. Und nach Vollendung des neuen Bootes gibt es dann ein Fest mit Essen, Trinken, Musik und Tanz, bis irgendwann ein anderes Boot kaputtgeht.

Selbstverständlich versuchen Rothschilds Mannen – wie überall sonst auch – diese Gebiete unter ihre Kontrolle zu bekommen. Und so sprudelt inzwischen das Schwarze Gold des Petra-Oleum unter schwersten Opfern für Mensch und Natur quer über alle Welt in die Tanks der SUVs unserer langbeinigen Freundinnen, um diese dreimal pro Tag in das nächstgelegene Schuhgeschäft zum Einkaufen zu bringen.

Als ich von Ecuador wieder nach Europa zurückkam, versuchte ich, das Leben weiterzuleben, das ich dort gelernt hatte. Mehr als zwei Jahrzehnte später sitze ich nun da und gebe – unter schwersten Opfern – immer noch nicht auf, die amerikanischen Ureinwohner gegenüber Kolumbus, Cortes und Cheney zu rächen. Kolumbus, Cortes und Cheney hatten Glasperlen und Feuerwasser zur Hand – und Schießpulver. Ich habe Wasser und Brot – und meine Tastatur.

Erstens: Unsere Marktwirtschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie – mit oder ohne Geld – eine „Tauschwirtschaft“ ist, sondern eine „arbeitsteilige“. Dementsprechend werden wir ohne Geld nicht zum Tausch überwechseln müssen, sondern – wie im Amazonasgebiet – weiterhin arbeitsteilig agieren. Wenn unsere langbeinigen Freundinnen passendes Schuhwerk gefunden haben, dann müssen sie dafür nichts eintauschen (und sei es letztendlich die Freigabe ihrer Geschlechtlichkeit), sondern einfach weiterhin das tun, was sie bisher tun: Journalistische Artikel schreiben, architektonische Bauvorhaben organisieren, kaufmännische Analysen erstellen, touristische Reisen vorbereiten, künstlerische Bühnenbilder ermöglichen, pharmazeutische Arzneiwaren vertreiben, medizinische Krankheiten diagnostizieren, juristische Mandanten vertreten und jugendliche Behinderte betreuen. Jeder und Jede macht weiterhin das, was er und sie will.

„Ja, aber dann wird niemand mehr Supermarkt-Kassierin sein wollen!“ Ja, genau. Supermarkt-Kassierinnen brauchen wir dann keine mehr.

Willkommen im Amazonasgebiet!

peterwurm amazonas

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