„Aber was machst Du in Frankfurt?“

25/Apr/2013

„Aber was machst Du in Frankfurt?“

Nach einer Frage meiner 14jährigen Tochter
und einem Bild von Roman Picha

Sechstes Bild von 12

(Sechstes Bild von 12)

Für meine Tochter Hanna

———-

(Frankfurt, letzter Stock)

„Nimm Platz, Wolfgang!“

„Ich sitze schon!“

„Ach, ja, natürlich. Etwas zu trinken?“

„Gerne, Josef!“

„Ich habe Otard, Remy Martin, Courvoisier und Hennessy.“

„XO?“

„Selbstverständlich.“

„Dann bitte Otard.“

„Gerne! Mit Gupf?“

„Gupf? Was ist das?“

„Das ist die Bezeichnung für ‚randvoll‘.“

„Dann bitte mit Gupf.“

(Ackermann schenkt ein.)

„Hier, Wolfgang! Bei Gupf muss man höllisch acht geben, dass man nichts verschüttet.“

„Klar!“

„Ich stelle den Schwenker da ab.“

„Danke!“

„Trink doch gleich vom Rand! Da verschüttest Du nichts.“

„Ich werde mich bemühen.“

(Schäuble beugt sich nach vorne und trinkt.)

„Wir haben Sechzehn Komma Vier Milliarden in Athen.“

„Sechzehn Komma Vier?“

„Ja.“

„Und in Madrid?“

„Vierundfünfzig Prozent mehr. Fünfundzwanzig Komma Fünfundzwanzigsechs.“

„Ach.“

„Madrid ist kein Problem. Mariano ist bei uns.“

„Ich weiß.“

„Mario wird sie um Drei Komma Fünf kaufen.“

„Die Sechzehn Komma Vier?“

„Ja.“

„Das sind dann knapp Siebzehn.“

„Sechzehn Komma Siebenundneunzig genau.“

„Sechzehn Komma Siebenundneunzigvier.“

„Ja.“

„Und Du? Otard oder Hennessy?“

„Remy. Und Courvoisier.“

„Schaffst Du die Sechzehn heuer?“

„Mit Mühe.“

„Wo?“

„Zu Siebenundfünfzig Prozent in Athen, Zweiundzwanzig Prozent in Dublin, Elf Prozent in Lissabon und Zehn Prozent hier.“

„Zehn Prozent hier? Das ist viel.“

„Ja. Das sind Zwei Komma Achtsiebensieben.“

„Davon bleiben Dir doch nur Zwei Komma Fünfzehnsieben.“

„Leider.“

„Wir könnten es verschieben.“

„Das wäre hilfreich.“

„Auf die nächsten Zwei.“

„Jahre?“

„Ja.“

„Auch Drei?“

„Auch Drei.“

„Dann würden die Zwei Komma Achtsiebensieben zur Gänze bleiben.“

„Voraussichtlich ja.“

„Danke.“

(Schäuble beugt sich nach vorne und trinkt.)

„Das waren jetzt Null Komma Fünfundzwanzig.“

„Was?“

„Liter.“

„Das macht dann Eins Komma Einsvieracht pro Hektoliter.“

„Ja.“

„Ist das in Ordnung für Dich?“

„Wenn Du mir noch eine Stulle gibst.“

„Fährst Du oder fliegst Du?“

„Ich fliege.“

„Wie lange?“

„Null Komma Vierzig.“

„Das sind Vierundzwanzig Minuten.“

„Ja.“

„Dann gebe ich Dir Zwei.“

„Danke.“

„Eine pro Zwölf.“

„Das ist gerecht.“

„Ich denke auch.“

„Ja.“

„So grüße mir Walhall!“

„Grüße mir Wotan!“

„Grüße mir Wälse und alle Helden!“

„Grüß‘ auch die holden Wunschesmädchen!“

„Leb‘ wohl, Wolfgang!“

„Leb‘ wohl, Josef!“

Stimmen von unten:

„Falsch und feig ist, was dort oben sich freut!“

(Sonnenuntergang. Vorhang.)

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Eine Antwort to “„Aber was machst Du in Frankfurt?“”

  1. cctraxler Says:

    Sorry, wegen meiner gestriger SMS an Dich, habe mich verdrückt! ;-(


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