Slavoj Zizek liegt im Bett

16/Apr/2013

Wissen Sie, Anton Pawlowitsch, welchen lebenden Philosophen ich am meisten mag? Slavoj Zizek. Im Grunde finde ich ihn sehr witzig. „Die Opferung seines Sohnes am Kreuz war im wahrsten Sinn des Wortes sinnlos.“ Solche Sätze erfreuen mich. Da weiß ich wieder, warum ich dieses Buch gekauft habe, auch wenn ich mir gar nicht gemerkt habe, wie es geheißen hat. Ich habe es im kroatischen Lokal im Nebenhaus liegen gelassen, als ex-jugoslawischen Anstoß für eine Bibliothek. Der Wirt ist mir dann nachgelaufen, weil er gedacht hat, ich hätte es vergessen. Ich hab‘ ihm zugerufen: „Das passt schon!“ und er ist mitsamt dem Zizek lachend wieder umgedreht.

„Don’t act. Think!“ Auch das geht als kategorischer Imperativ durch in meinen Augen. Kommt Schopenhauer schon gefährlich nahe: „Das Leben ist eine missliche Sache. Ich habe beschlossen, es damit zu verbringen, über es nachzudenken.“ Und jetzt Slavoj Zizek. Der ist immer so aufgeregt, wenn er spricht. Und er gilt als Popstar der alternativen Philosophie. Aber was er sagt. Immer irgendwelche abstrakten Phantasien; völlig aus der Luft geholt.

Jetzt wird es ihm wohl völlig egal sein, was ich über ihn denke. Und ich will ja auch bei Gott kein Kritiker sein. Aber ich möchte Ihnen erzählen, was in mir so passiert, wenn ich dem begegne:

Da finde ich heute ein Video, in dem Zizek mit nacktem Oberkörper im Bett liegt und aufgeregt über irgendwas redet. Ich weiß gar nicht worüber, auf jeden Fall gestikuliert er wieder sehr aufgeregt herum, während er schön zugedeckt in einem Doppelbett liegt. Ich kann mich gar nicht darauf konzentrieren, was er sagt, weil ich mich jede Sekunde fragen muss: „Wie kommt dieses Kamerateam ins Schlafzimmer?“ Irgendwer muss dieses Kamerateam ins Schlafzimmer gelassen haben. Zizek selbst? War er da schon nackt? Oder hat er sich erst danach nackt ins Bett gelegt? Und wo liegt das Gewand? Fängt er erst zu sprechen an, wenn die Kamera bereit ist? Oder spricht er schon zuvor die ganze Zeit? Worüber? Hat er das Kamerateam bestellt? Oder sind die einfach so in sein Schlafzimmer gekommen? Und wer hat ihnen geöffnet? Warum?

Jeder Krimi ist von Grund auf zerstört, wenn sich der Zuschauer denkt: „So spannend ist das gar nicht, weil da muss ja zumindest der Kameramann dabei sein.“ So geht es mir bei Slavoj Zizek. Dem Ballon geht die Luft aus. Leider. Schon wieder ein gefallener Gott…

Ich danke Ihnen, Anton Pawlowitsch, dass Sie mir zugehört haben. Ich gehe jetzt auch ins Bett. Haben Sie eine gute Nacht!

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