Ein bisschen was über Fußball

15/Apr/2013

Mein Freund Lillo hat gerade gemeint, ich sollte über Fußball schreiben. Lillo ist Hegelianer, italienischer Hegelianer. Wenn ich ihm gegenüber das Tao erwähne, erzählt er mir, dass er mit Hilfe des Taoismus vor Dreißig Jahren ausgedehnte Sexualerlebnisse erreicht hat. Das bestätigt mich in meiner Einschätzung, dass Hegel und seine Jünger den Kosmos prinzipiell missverstehen.

Ich mag Lillo sehr gerne. Er ist chaotisch genug, um immer noch als Sizilianer durchzugehen, obwohl er Messina schon vor Jahrzehnten verlassen hat. Ich liebe es, wenn wir gemeinsam kochen, meist „Spaghetti da Lillo“, so einfach wie möglich, mit Kapern, Peperoncini und Zitrone. Spaghetti, Kaffee, Rotwein – mehr brauche ich gar nicht. Irgendwann jedoch fängt Lillo immer wieder zu reden an, und dann bedauere ich, ein wenig Italienisch zu verstehen.

Ein italienischer Hegelianer – das ist ungefähr das Gegenteil von mir. Lillo will mit aller möglichen Kraft dorthin, wo ich herkomme, und ich will wahrscheinlich dorthin, von wo er stammt. Lillo glaubt, mit dem Denken die Probleme seiner Welt lösen zu können, ich dagegen bin überzeugt, meine zu lösen, indem ich zu denken aufhöre.

„Was machst Du gerade?“ fragt er mich dann. „Nichts.“ antworte ich. Dann rügt er mich und meint, ich solle zumindest über Fußball schreiben, am besten für irgendeine Zeitung. Als ob ich nicht schon genug Schwierigkeiten hätte. „Wer das Genie Arnautovic verstehen will, der muss das Scheitern als Notwendigkeit begreifen.“ habe ich vor Kurzem, nach dem Färöer-Spiel in Wien, im „Standard“ gelesen. Dieser Satz drückt ungefähr aus, was ich an Marko Arnautovic so liebe. Dafür danke ich dem „Standard“. Damit ist ohnehin schon wieder Alles gesagt.

Hegelianer wollen, wie die christlichen Dogmatiker, immer Alles besprechen, Alles bedenken und Alles rational erfassen, um es dann gültig einordnen zu können. Damit geht ihnen selbstverständlich der gesamte Kosmos von Golgatha bis Auschwitz durch die Lappen. Und während eines Fußballspiels fällt inzwischen das nächste und entscheidende Tor. Hegelianer sind wie die christlichen Dogmatiker im allerbesten Falle mittelmäßige Wissenschafter, sie beobachten stets von Außen, ohne selbst jemals Anteil am Geschehen zu nehmen. Sie können nicht Anteil nehmen, weil sie es sonst nicht gültig einordnen könnten.

„Die Phänomenologie des Geistes“. So etwas kann wirklich nur ein Stuttgarter Kleinbürger schreiben. Und alle anderen Kleinbürger von Husum bis Garmisch-Partenkirchen stehen mit feuchtem Unterleib davor: „Ich verstehe es nicht, also muss es wirklich sehr gescheit sein!“ Und die Kleinbürger von Monza bis Messina haben ihre Erfüllung gefunden, wenn sie endlich auch dazugehören, und zahlen sogar Höchstpreise dafür. Dann sitzen sie gemeinsam auf der VIP-Tribüne des Neckarstadions (das gar nicht mehr so heißt) und versuchen, den Weltgeist einzuatmen. Nach dem Spiel sind sie liberal genug, um ihre Frauen auch mal FDP wählen zu lassen.

Klinsmann zum Beispiel halte ich für einen großartigen Hegelianer. Der hat immer Alles gewusst, wahrscheinlich schon seit dem Kindergarten. Und dann hat er Buddha-Statuen aufgestellt in der Säbener Straße und sie mit den allermodernsten Traningsmethoden verschlankt. Ganz Deutschland lag ihm zu Füßen dabei, sogar der Wurstfabrikant ist ihm auf den Leim gegangen. Dafür setzte es im Camp Nou die schmerzlichste Niederlage der bayerischen Geschichte. Jetzt exportiert der Klinsi den Weltgeist über den Atlantik. Wahrscheinlich werden die Amis an Honduras scheitern, oder Guatemala, oder Panama; ich weiß gar nicht, in welcher Gruppe die spielen. Gott bewahre die Italiener davor. Aber dort ist es ohnehin viel zu heiß für den Weltgeist.

Was soll ich schreiben über David Alabas Tore gegen Irland und Juventus? Entweder man sieht es, oder man sieht es nicht. Probleme bereiten mir einzig Typen wie Ibrahimovic und Mourinho. Ibrahimovic und Mourinho sind böse. Eindeutig. Nach 2000 Jahren Dogmatik und 200 Jahren Weltgeist muss man zu diesem Schluss kommen. Da geht es nur um Zerstörung – und Geld. Blöderweise sind sie damit aber ziemlich erfolgreich, das schmerzt mich. Hitler und Himmler waren anfangs jedoch auch ziemlich erfolgreich. Ich warte sehnsüchtig auf einen Sir Winston und einen FDR, die sie in die Schranken weisen. Ibra ist ja heuer schon gescheitert, nur der Mou zappelt noch. Vielleicht schafft es ja der Klopp.

Suche Frau, die Fußball als Gottesdienst begreift!
Es lebe Ernst Happel, es lebe Pep!

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