Ein bisschen was über Fußball

15/Apr/2013

Wissen Sie, Anton Pawlowitsch, mein Freund Lillo hat heute gemeint, ich sollte über Fußball schreiben. Lillo ist Hegelianer, italienischer Hegelianer. Wenn ich ihm gegenüber das Tao erwähne, erzählt er mir, dass er mit Hilfe des Taoismus vor dreißig Jahren ausgedehnte Sexualerlebnisse erreicht hat. Das bestätigt mich in meiner Einschätzung, dass Hegel und seine Jünger den Kosmos prinzipiell missverstehen.

Ich mag Lillo sehr gerne. Er ist chaotisch genug, um immer noch als Sizilianer durchzugehen, obwohl er Messina schon vor Jahrzehnten verlassen hat. Ich liebe es, wenn wir gemeinsam kochen, meist „Spaghetti d’al Lillo“, so einfach wie möglich, mit Kapern, Peperoncini und Zitrone. Spaghetti, Kaffee, Rotwein – mehr brauche ich gar nicht. Irgendwann jedoch fängt Lillo immer wieder zu reden an, und dann bedauere ich, ein wenig Italienisch zu verstehen.

Ein italienischer Hegelianer – das ist ungefähr das Gegenteil von mir. Lillo will mit aller möglichen Kraft dorthin, wo ich herkomme, und ich will wahrscheinlich dorthin, von wo er stammt. Lillo glaubt, mit dem Denken die Probleme seiner Welt lösen zu können, ich dagegen bin überzeugt, meine zu lösen, indem ich zu denken aufhöre.

„Was machst Du gerade?“ fragt er mich dann. „Nichts.“ antworte ich daraufhin lächelnd. Dann rügt er mich und meint, ich solle zumindest über Fußball schreiben, am besten für irgendeine Zeitung. Als ob ich nicht schon genug Schwierigkeiten hätte. „Wer das Genie Arnautovic verstehen will, der muss das Scheitern als Notwendigkeit begreifen.“ habe ich vor Kurzem in einer Wiener Zeitung gelesen. Dieser Satz drückt ungefähr aus, was ich an Marko Arnautovic so liebe. Und damit ist ohnehin schon wieder Alles gesagt.

Und was soll ich schreiben über David Alabas Tore? Entweder man sieht es, oder man sieht es nicht. Für mich ist Fußball fleischgewordene Philosophie…

Ich danke Ihnen, Anton Pawlowitsch, dass Sie mir zugehört haben. Ich gehe jetzt schlafen. Haben Sie eine gute Nacht!

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