Existenzangst

28/Jul/2012

Ausgehend von Peter von Matts Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele bin ich heute Nacht wieder einmal auf mich selbst zurückgeworfen worden: „Dazu gehört zum Beispiel auch, dass die Künstler die Regeln der Ökonomie oft maßlos missachten und gegen den obersten Grundsatz der wirtschaftlichen Vernunft verstoßen, wonach der Wert eines Produktes von der dafür aufgewendeten Arbeitszeit abhängt.“ Was ist Arbeit und was ist Wert? Was ist meine Arbeit und was ist mein Wert?

Gerade eben habe ich mit meinem Freund Otmar telefoniert: „Hast du keine Existenzängste?“ fragte ich ihn. Da lachte er und antwortete: „Kann es sein, dass du mir diese Frage schon gestellt hast?“

Was ist Arbeit und was ist Wert? Heute Nacht habe ich auf Youtube ein paar Videos des großartigen Bill Clinton entdeckt: „And a big part of being a good President is not just, what you do, but what you won’t do.“ sagt er in einem Interview zu seinem neuen Buch. Dieser Mann weiß, was sein Wert ist und daher ist er auch erfolgreich, gerade auch in dem, „was er nicht tut.“

Die Arbeit des mächtigsten Menschen der Welt besteht eben auch genau darin, Dinge nicht zu tun, ganz im Sinne von Lao-Tse: “Der Weise regiert, indem er nichts tut, dann wird alles beherrscht sein.” Oder, um mit Loriot zu sprechen:Ich möchte einfach nur hier sitzen.

„Das Schönste an der Kunst ist, dass sie den Bewertungszwang verlässt“, sagte Otmar gerade am Telefon zu mir, „und was ist Erleuchtung Anderes als Überwindung des Bewertungszwangs?“ So sitze ich stundenlang und schaue auf den Baum vor meinem Fenster. Und wer bezahlt inzwischen die Zahnspangen meiner Kinder?

Was bin ich wert? Ständig sind wir in unserer monetär definierten Zivilisation gezwungen, diese Frage zu beantworten. In einem Facebook-Posting sah ich vor Kurzem die Gegenüberstellung der 3 Bilder eines Hartz IV-Empfängers, von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und einem US-amerikanischen Fondsmanager: „Wie lange braucht man, um 10 Millionen Euro zu verdienen?“ „Hundert Jahre / ein Jahr / einen Tag.“

So sitze ich da und schaue auf den Baum vor meinem Fenster. Was sind wir wert?

6 Antworten to “Existenzangst”


  1. welchen wert hat van gogh heute? wie wird wert gemessen? ein freund der keinen kontakt will, sieht der meinen wert oder hat er angst vor mir? wäre ein van gogh ein clinton geworden, hätte er das gewollt? also was ist lebendig und was ist in diesem sinne der wert? kann ich mit meinen kindern noch lachen, oder mit anderen überhaupt? ist der mehrwert nicht ein wenigerwert? mehrwertsteuer
    werten was werten wir wie? verschätze ich mich, sehe ich meinen schatz nicht, wofür tue ich das alles? für mich? letztendlich nur wenn ich du bin und das erkenne, wie lebendigkeit sich ausbreitet- ich habe einen freund der repariert mir mein notebook kostenlos und einen freund mit dem erkunde ich österreich wir wollen den kulturpass fördern für menschen mit geringem einkommen, für mich hat das einen wert menschen zu berühren, die das annehmen können, und die das nicht können, darf ich nicht diese gehen lassen? will ich immer noch von denen die sich abwenden geliebt werden?

  2. Hannes Petak Says:

    Lieber Peter….. wir kennen uns zwar nicht persönlich, aber ich habe Deinen Blog über meinen Freund Axel kennengelernt. Mich berührt Deine Art zu denken und fühlen sehr und auch ich bin derzeit in einer Situation, wo ich alles loslassen musste……und bitte glaub mir, die Menschen, die dann noch in Deinem Leben sind, sind die, die für Deine Reise wichtig sind, damit Du zu Dir selbst findest……zu Deinem wahren Selbst zum „Alles-was-ist“….. und irgendwann, wenn Du bereit bist, ganz loszulassen, dich nicht mehr für alles verantwortlich fühlst, dann kommt auch für die Zahnspangen die Lösung ….. einfach so. Vielleicht, weil dies Deine Story ist…….
    Alles Liebe Hannes ( ich bin ein Fan von Dir)…..


  3. Herzlichen Dank, Hannes,
    hier zeigt sich Freunde kann man nicht verlieren, Denn der lebendige Geist bleibt verbunden, was auch passiert. Und das ist für mich Antrieb genug, um weiter miteinander für ein größeres Ganzes zu spielen. Es gibt soviel zu tun, lassen wir es liegen und siehe, es formt sich dort wo wir die Nähe des Verstehens spüren. Und das konnte ich ja durch die Texte und Bilder von Peter auch erleben, weil sie mich auch mit mir berühren, wenn ich darüber etwas äußere. Ein anderer Freund machte mich auf diesen „verrückten“ Sufi aufmerksam: http://www.youtube.com/watch?v=eAPdhcUq_gM man spürt seine Herzlichkeit und was soll uns sonst anziehen?
    Und da ich ja auch mit Zahlen arbeite ist die Antwort von Dir um 1.09 typisch für mich, es ist mit 109 die Quersumme meines Namens, so glaube ich, passt immer alles und wir brauchen nicht einmal fragen WARUM, die Antworten entschlüsseln sich aus sich heraus: http://www.awl.ch/heilpflanzen/primula_veris/schluesselblume.jpg

    Herzliche Grüße
    Axel

  4. roman Says:

    das nichts stirbt zuletzt


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