Wozu das Ganze?

21/Apr/2012

Wie viele Menschen haben bisher auf dieser Erde gelebt? Zwanzig Milliarden? Mehr? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass es bisher von diesen Milliarden von Menschen wahrscheinlich nicht einmal hundert gegeben hat, die diese Welt entscheidend weiter gebracht haben. Und welcher von diesen hundert hat die Welt am entscheidendsten weitergebracht?

Wenn ich mir die Geschichte der Menschheit bis zum heutigen Tag ansehe, dann komme ich ziemlich rasch auf einen Menschen. Das „Time“-Magazin wählt alljährlich den „Man of the Year“, alle heiligen Zeiten auch den „Man of the Millenium“. Ich glaube, der letzte „Man of the Millenium“ war Dschingis Khan. Kein Mensch hat je ein größeres Reich beherrscht als Dschingis Khan.

Nebbich.

Möglicherweise ist Dschingis Khan ein sehr verdienstvoller Mann des Jahrtausends. Was die gesamte Geschichte der Menschheit betrifft,  wird er jedoch vernichtend geschlagen. Who the fuck is Gengis Khan? Ich kenne den Mann der Weltgeschichte, den Mann aller Jahrtausende, den Mann aller Männer, den erfolgreichsten und bedeutendsten Menschen der gesamten Welt: Paulus.

Die erfolgreichste und mächtigste Idee der Weltgeschichte verdanken wir genau einem Menschen. Nicht dem Nazarener Jesus, denn der hatte nicht den Funken einer Idee, was sich da in seinem Namen jemals tun sollte („hütet euch vor den Schriftgelehrten…“), auch nicht seinen Jüngern und Evangelisten, nicht einmal Simon Petrus, dem Felsen seiner Kirche (unter dem diese Religion eine jüdische Sekte geblieben wäre). Diese ganze Geschichte verdanken wir ganz genau einem Mann, dem Superhirn des Christentums, dem Begründer der erfolgreichsten und mächtigsten Idee der Weltgeschichte. Ohne Paulus kein Christentum, ohne Paulus auch kein Mohammed. Drei Viertel unserer Welt gründet sich ideell auf diesen Menschen.

Und? Hat sich das gelohnt? Was wäre, wenn Saulus in Damaskus nicht auf den Kopf gefallen wäre und daraufhin halluziniert hätte?

Ich könnte diesen Artikel so nicht schreiben. Immerhin.

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9 Antworten to “Wozu das Ganze?”

  1. Magdalena Says:

    Eine Idee zu haben ist kein Kunststück…

    …aber die kollektive Resonanz ist entscheidend für die Umsetzung…

    Deswegen ist Paulus auch nicht dafür allein verantwortlich, nur weil er eine Idee in die Welt gebracht hat! Wilhelm Reich hatte geniale Ideen, aber die wurden nicht im großen Stil umgesetzt!

  2. b.juelis Says:

    ….ohne Jesus Christus kein Paulus…

    …kein Glaube an die Erloesung,
    keine Vergebung der Suenden….
    …kein Neuanfang danach,“und, und…

    ….keine Hoffnung auf eine bessere WELT!

    Warum ist sie so „schlecht“? Nehmen wir Menschen „Das Wort“ der Rettung dann nicht an? verstehen wir es noch immer nicht?

    „Kommt her zu mir alle, die Ihr muehselig und beladen seid, Ich will Euch erquicken!

  3. ale Says:

    Einzelne Menschen können die Welt „entscheidend“ weiterbringen? Ich glaube nicht, dass das möglich ist!
    Es sind sprachliche Ideen, Gedanken, Geschichten, Argumente, Erkenntnisse, Wissensbestände, Diskurse oder Narrative, die uns Menschen gestalten und die Welt verändern. Es sind die Geister die uns Menschen beseelen, die uns dazu anleiten unsere Welt zu gestalten, zu verändern oder zu bewahren. Doch diese Geister sind niemals mit einzelnen Menschen gleichzusetzen.

    Zum Beispiel die von Dir aufgegriffene Idee, „ein einzelner Mensch könnte unsere Welt entscheidend weiterbringen“, hat unsere modern-narzistische Welt mitgeformt. Dieser Gedanke ist nur möglich in einem Geist der Selbstüberschätzung und Egomanie. Schon oft diente er Heiligung von grausamen Mitteln vor dem Hintergrund der Weltverbesserung. Deshalb haben schon Buddha und Lao Tse sich gegen diese Idee ausgesprochen, und erkannt das es sich dabei um eine allzumenschliche Illusion handelt.

    Die Geister, die mich beseelen, lassen mich hoffen, dass wir uns auf eine Zeit zubewegen, in der das Wir wieder eine gleichgroße Rolle spielt wie das Ich. Eine Zeit in der Ich und Wir in Harmonie leben können und sich die einzelnen Ichs möglichst keinen Schaden oder Leid zufügen. Ein entscheidender Gedanke dabei wird das Nachgeben und Zurücktreten sein. Wird die Erkenntnis sein, dass durch die Unterordnung des Einzelwohles unter das Gemeinwohl alle Einzelwohle auf Dauer und in Zukunft maximiert werden.

    Für uns alle hoffe ich, dass wir uns endlich von der Idee des „einen“ menschengleichen Gottes/Geistes verabschieden, der individualisiert als Einzelding unabhängig und außerhalb von uns Menschen existieren soll. Eine Idiotie im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hoffe, dass wir erkennen, wie alles zusammenhängt, und dass die dualistische Trennung von Einzelding und Allem nur kurzfristiger Schein ist. Dieser Dualismus existiert nur in unserer Vorstellung von Raum und Zeit. Auf lange Sicht ist Alles Eins. Diese Erkenntnis des Non-Dualismus hat bereits viele Menschen erwachen lassen aus ihren Träumen vom individuellen Dasein. Aus dem Traum vom unteilbaren Teil, der eine bedeutende ruhmreiche und geschichtsbewegende Rolle in und für die Welt zu spielen hat. Damit er auch niemals vergessen wird und so dem Tod entgehe und ewige lebe. Welch Jungendtorheit unserer modernen Gesellschaft.

    Doch die alten Weisen und ihre Geister kommen wieder in Mode und sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch den jungen Ideologien ihre Verwirrtheit im Spiegel vorzuhalten.

    Danke Dir Peter, dass Du mich durch Deinen Text auf diese hoffnungsvollen Gedanken gebracht hast!

    Einen schönen Sonntag nach Wien!
    Alex

    • Peter Wurm Says:

      hallo alex!
      vielen dank für diesen kommentar. mir stehen selbstverständlich buddha und lao-tse mit den durch sie formulierten gedanken auch am nächsten. ich wollte in diesem artikel nur die westlich-individualistische sicht eines „leistungsbezogenen handelns“ auf die spitze treiben und zeigen, wie wenig im grunde damit gewonnen ist. dennoch manifestieren sich ideen immer wieder auch in menschen und ich bewundere so manchen für das, wie und wofür er gelebt hat. paulus bewundere ich weniger als andere, ich bedanke mich nur bei ihm, dass ich als getaufter christ nicht beschnitten bin.
      liebe grüße aus wien, peter


      • ….es ist aber auch wahr, dass sich einer alten Tradition freiwillig zu bedienen, fuer die ínnere und aeussere Gesundheit foerderlich kann sein…….

        …und weil so viel vom Teilen gesprochen wird, wollte ich nur noch mal an die wenigen Brote und Fische und ihre Vermehrung erinnern…und es wurden alle satt und es blieb sogar noch was uebrig….


      • die kunst ist es, niemand zu bewundern, und dennoch staunen zu können, denn der bewunderer sucht den guru und der bewunderte muss ihn spielen, welche langeweile von oben und unten.


  4. die idee vom einzelnen menschen ist absurd, und nach vorbildern kann man nicht leben, doch der plan ist jenseits davon, das entdeckte buddha, sokrates jesus und viele andere, doch niemand ist größer, kleiner oder mindest genauso gut, jeder ist anders und einmalig, was noch? das wahrscheinliche passiert immer wahrscheinlicher…


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