Rembrandt und ich

26/Mrz/2012

Letzte Woche war ich wieder einmal im Kunsthistorischen Museum. Obwohl zur Zeit ein spezieller Schwerpunkt zu Gustav Klimt läuft und man anlässlich des Klimt-Jahres seine dortigen Wandmalereien über ein extra aufgestelltes Gerüst betrachten kann, waren der einzige Grund meines Besuches die Bilder von Rembrandt, insbesondere sein „Großes Selbstbildnis“. Wie bereits erwähnt, halte ich die Portraits von Rembrandt mit für die großartigsten der Kunstgeschichte. Und so habe ich mich die ganze letzte Woche hindurch an seinem „Großen Selbstbildnis“ abgearbeitet.

Ich habe im Laufe dieser Woche mein Ansinnen immer wieder verflucht. Ich war mir bewusst, dass ich bei der Auseinandersetzung mit einem der allergrößten Genies der Malerei eigentlich nur scheitern konnte. Rembrandt war der größte Portraitmaler der Weltgeschichte. Und so ging mir dieses Bild nicht mehr aus dem Sinn. Was wollte ich nun damit?

Es war völlig sinnlos, Rembrandt zu kopieren, das war klar. Was aber dann? Warum nahm ich mir dieses Bild als Vor-Bild, und wozu? Was wollte ich mit diesem Bild? Eine Woche lang habe ich nun dieses Bild vor mir gehabt und eine Woche lang bearbeitete ich nun meinen eigenen Auftrag. Wie aber lautete dieser Auftrag? Im Grunde gab ich mir selbst nur einen einzigen Auftrag: Nimm dieses Bild und mach was damit.

Und so malte und malte ich, übermalte und übermalte. Kaum hatte ich das Gefühl, eine Lösung gefunden zu haben, verwarf ich sie sogleich wieder. Wie könnte und sollte eine Lösung aussehen? Das einzige, was mir nach und nach klar wurde, war meine Faszination für den Ausdruck von Helligkeit und Dunkelheit, dem so genannten Chiaroscuro, dem Licht inmitten des dunklen „Rembrandt-Brauns“. Und so war das Malen und Übermalen immer wieder ein Versuch, mit diesem phantastischen Phänomen umzugehen.

Selbstverständlich ist Rembrandt ein Weltgenie. Selbstverständlich sind seine Werke genial. Und selbstverständlich sind sie wunderschön. Was aber kann ich – fast ein halbes Jahrtausend später – damit anfangen? Am besten hätte ich diese Auseinandersetzung gar nicht angefangen. Im Laufe der Woche wurde ich immer verzweifelter. Und jetzt, während ich über den Hintergrund zu diesem Bild schreibe, merke ich, wie jedes Wort im Grunde zu viel ist.

Machen wir es kurz: Als ich gestern Abend sehr spielerisch zu einem vorläufigen Abschluss gekommen war, da begann ich, mir langsam klar zu werden, was dieses Ergebnis für mich bedeuten könnte. Selbstverständlich wäre es möglich gewesen, auch jetzt wieder weiter zu malen und zu übermalen, in einer Verzweiflung, wie ich sie auch von Alberto Giacomettis Portraitzeichnungen kannte, aber irgendwann einmal musste ich im wahrsten Sinn des Wortes Farbe bekennen. Und so wurde mir nach und nach klar, was meine Auseinandersetzung mir Rembrandts „Großem Selbstbildnis“ für mich bedeutete.

Sie erhebt überhaupt keinen Anspruch. Selbstverständlich hat Rembrandt „schöner“ gemalt, „genauer“, „realistischer“ und „konkreter“. Aber darum geht es überhaupt nicht. Es geht nicht darum, Rembrandt nach gut vierhundert Jahren nochmals zu kopieren. Es geht nur darum, damit jetzt umzugehen. Und so habe ich mein Bild heute Abend signiert. Jetzt ist es offiziell fertig. Es erhebt keinen Anspruch. Es ist nur ein Versuch. Doch wenigstens weiß ich nun, worüber. Und so lautet nun auch der Titel: „Rembrandt und ich – ein Versuch über das Manisch-Depressive“.

Rembrandt und ich – ein Versuch über das Manisch-Depressive
(Acryl auf Leinwand, 60x80cm, 26.03.2012)

Rembrandt und ich

Rembrandt und ich - ein Versuch über das Manisch-Depressive

6 Antworten to “Rembrandt und ich”



  1. erst einmal rem brandt wer brennt wie und wofür? aus dem dunkel in das zu sehende gitter verdeckt und ganz rechts das grün der wachsenden blätter im frühling, warum sollte größe nachahmbar sein größe ist immer einmalig jeder auf seine art. das helle täuscht ist nur zuckerguss, das grüne rechts zeigt mehr natürlichkeit, das ist die spur noch im gefängnis doch schon sichtbar das was freiheit ist, bewegung und leben, maskenlos….

  2. Harald Says:

    Bloß nicht weitermalen, it’s great!

  3. Watman Says:

    sehr schön

  4. prometheus1410 Says:

    was beleuchtet rem brandt? die rechte gesichtshälfte, also die intellektuelle seite, das was bei dir die übermalung ist das künstliche, wo zeigst du die tiefe, das was ein blick in die zukunft frei gibt ein grünen. es ist die zeit für ein blühen was kommt, obwohl wir im gefängnis verharren. ach das erinnert mich, ein künstler hat einmal ein bild gemalt und das mit einem drahtgitter versehen, ich habe ihm in meiner damaligen unverschämtheit eine drahtschere dazugelegt, er war auf mich bitterböse, was ich heute verstehen kann. jede beurteilung ist ein urteil und damit ein eingriff in die persönlichkeit des anderen, obwohl ich weiß, ich wollte mich selbst nur von meinem drahtgitter befreien in dem ich steckte. die kunst der empathie ist nicht so einfach hier ein versuch sich dem anzunähern: http://www.youtube.com/watch?v=ufyG6ZchF8I&feature=related

  5. Judith-Elis Says:

    …bist Du neugierig geworden, lieber Peter, willst Du doch die dunkele Wand durchbrechen und schauen was hinter ihr wohl sein koennte?!

    ich bin immer wieder von Deinen Farben beindruckt!
    nur: das verwendete Material ist fuer mich noch etwas gewoehnungsbeduerftig…! aber warum nicht?
    zum teil -puur Natuur-!
    Gibt es dazu auch ein berauschendes Parfuem….?!


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