Romans Heineken

06/Mrz/2012

Heute Abend war Roman da, erstens zum Essen und weiters zum Fotografieren meiner Bilder. Es gab Spaghetti und zum Trinken zunächst Bier und danach Rotwein. Als Bier kaufe ich seit längerer Zeit für den Hausgebrauch schon ausschließlich Heineken. Früher war ich vernarrt in Carlsberg, allein aufgrund der großartigsten Werbungen im „Time“-Magazin in meiner Schulzeit. Im Englischunterricht der Oberstufe lasen wir „Time“, und jede Woche war darin eine Carlsberg-Werbung abgedruckt. Immer dieselbe Idee, eine Landschaft irgendwo in der Welt – am Ayers Rock, im Grand Canyon oder in der Sahara – mit einem grünen Carlsberg-Lastwagen irgendwo ganz klein im Bild. Und darunter der großartige Slogan: „Probably the best Beer in the World.“

Diese Carlsberg-Werbungen vermittelten mir schon zu Schulzeiten das Gefühl der großen weiten Welt, des Global Village. Als ich das erste Mal in Kopenhagen war, da radelte ich mit meinem Freund Andreas, dessen Eltern dort stationiert waren, mit alten, klapprigen Fahrädern bis hin zur und durch die Carlsberg-Brauerei. Und vor zweieinhalb Jahren bin ich extra zum Besuch der Carlsberg-Brauerei über Nacht nach Kopenhagen geflogen, und selbstverständlich trank ich während dieser einen Nacht fast ausschließlich Carlsberg.

Hier in Wien trinke ich fast kein Carlsberg. Ich mag es nicht, dass die Flaschen für den österreichischen Import in der Schweiz abgefüllt werden. Hier in Wien trinke ich zu Hause fast ausschließlich Heineken. Die Flaschen werden zwar auch nicht in Amsterdam, sondern in Linz abgefüllt, aber dennoch vermittelt mir das Heineken den Duft der großen, weiten Welt. Wenn ich ein Heineken sehe und trinke, dann denke ich unmittelbar an Bangkok, Sankt Moritz, Paris und Guayaquil. In Amsterdam selbst jedoch trinke ich lieber Amstel. Heineken aber bringt mir die Welt nach Hause, Heineken befriedigt mein Fernweh nach der großen, weiten Welt.

Und so tranken wir heute Abend selbstverständlich wieder Heineken. Als wir nach dem Essen die Arbeit an den Fotos beendet hatten, da überkam mich die größte Lust, Romans Heineken-Flasche zu verewigen. Es war gar nicht mehr der Gedanke an die große, weite Welt, es war einfach die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks. Es war wie die sexuelle Lust beim Augenblick mit einer gleichgesinnten Frau.

Und so nahm ich die nächste Leinwand und malte mir das Bild von der Seele. Es war die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks. Es war nichts mehr präsent, als diese eine Gegenwart im Angesicht dieser einen Heineken-Flasche. Es war eine buddhistische Meditation. Es war ein Einziges präsent: Romans Heineken.

Romans Heineken
(Acryl auf Leinwand, 60x80cm, 06.03.2012)

romans heineken

Fotos: Roman Picha (www.romanpicha.at)

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3 Antworten to “Romans Heineken”


  1. herzlichen dank aus linz gestern war ich in wien und habe zwei radler getrunken, dieses bierbewusstsein fehlt mir noch doch diese link hat mich angeregt trotzdem zu antworten: http://www.youtube.com/watch?v=oyo_oGUEH-I&feature=results_main&playnext=1&list=PLD30D98FC4822F440

  2. Jhelisa Says:

    Kann mir die Jugendzeit gut vorstellen!
    Doch dass die Bierflasche…??? Das kann nicht nur eine gewesen sein…die Ihr geleert habt….?!

    …Amsterdam mag nun ein ganzes Stueck von Wien entfernt sein, die ‚grosse weite‘ Welt …?! ich weiss nicht
    Ich kaufe ab und zu mal ’ne Flasche Grolsch -mit Buegel!- also verschliessbar und die haelt bei mir ’ne ganze Woche…! Ansonsten ganz gerne mal: Amstel-Malt.

    Wollte was Sinnvolles sagen, aber habe auch nichts ueber Heineken in Buechern gefunden, erinnere mich nur an die Entfuehrung…leider, und dass ich schonl jhelisaange kein Heineken mehr getrunken habe…

    • Jhelisa Says:

      …weitere Bilder:

      …ein sprachloser Mund im Gesicht des Gegenueber,
      …ein offenes Auge, -das andere zwinckernd-,

      …uuiih…(‚gift‘?) -gruen(?) – weiss – mit rotem Tupf-
      …ein Gruenlingpilz- Kraft aus der Erde saugend

      = Lebendiges uebertragen –
      unschuldiges entstehen lassen…?!


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