Was wollen wir?

05/Feb/2012

Im Zuge der aktuellen Diskussionen um das derzeit herrschende politische und wirtschaftliche System stellt sich immer wieder die Frage: „Was wollen wir?“ „Was wollen wir alle gemeinsam?“ „Worauf können wir uns alle einigen?“

Diese Fragen begleiten uns seit Anfang der menschlichen Zivilisation. Sie letztendlich beantworten zu können, ist schwieriger, als man anfangs vermutet. Wenn ich daran denke, dass wir vor zwei Wochen als Sympathisanten der „Occupy“-Bewegung österreichweit zusammengekommen sind, um uns auf unsere Grundsätze zu einigen, so sieht man, wie schwierig solch ein Einigungsprozess in Wirklichkeit ist. Da haben ungefähr 40 bis 50 Menschen mit ähnlichem politischen Hintergrund zwei Tage gebraucht, um sich auf ein paar Sätze zu einigen, die kurz darauf gleich wieder angezweifelt wurden.

Die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass wir es erst vor Kurzem geschafft haben, eine gemeinsame Basis für alle Menschen zu formulieren. Am 10. Dezember 1948 begann die Deklaration der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit dem Satz: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Dieser Satz markiert den Durchbruch zur gesamten menschlichen Gemeinsamkeit nach mehr als 5.000 Jahren menschlicher Zivilisation.

Aufbauend auf dieser gemeinsamen Basis scheint es mir nun notwendig, daraus ein gemeinsames Wollen abzuleiten. Wenn wir alle frei und gleich an Würde und Rechten geboren sind, was wollen wir dann gemeinsam? Wie in diesem Blog schon öfters beschrieben, geht es zunächst darum, ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Es geht darum, uns alle – auf der Basis der nun geltenden Idee der Menschenrechte – als eine gemeinsame Menschheit zu begreifen. Wer sind wir überhaupt? Wir sind die 100 Prozent!

Während die „Occupy“-Bewegung ausgehend von den USA und der Wall Street den Slogan „We are the 99 Percent!“ formuliert hat, um zu zeigen, dass „Wir“ fast die gesamte Bevölkerung repräsentieren, geht es nun darum, diesen kleinen Schritt zur Gesamtheit zu machen. Wir müssen dieses eine fehlende Prozent, gegen das sich die „Occupy“-Bewegung formiert hat, um sich daraus selbst als übermächtige Opposition dazu zu definieren, mit in unser gemeinsames Boot holen. Wir müssen es schaffen, dieses eine fehlende Prozent als Feindbild zu überwinden und uns mit einem Mal auf der gemeinsamen Basis der Menschenrechte als gesamte Menschheit begreifen: „We are the 100 Percent!“

Erst, wenn es uns gelingt, uns alle als gesamte Menschheit zu begreifen, werden wir es schaffen, daraus ein gemeinsames Wollen zu formulieren, das als Prinzip unserer Politik und Wirtschaft zugrunde liegt. Was wollen wir? Was wollen wir als gesamte Menschheit?

Diesen Prozess haben wir zu gehen, wenn wir uns unserer Verantwortung im Zuge der Menschheitsgeschichte stellen wollen. Das ist die geschichtliche Herausforderung unserer Zeit.

16 Antworten to “Was wollen wir?”


  1. Die gesamte Menschheit als Einheit zu sehen klingt von jemanden, der gerade eine Jahrzehnte alte Einheit getrennt hat, etwas eigenartig. Ein Fußballer muss 10 x daneben schießen, bis er ein Tor schießt. Der Franz wird noch viel öfter daneben schießen müssen, bis er Tore schießt. So wie wir alle und auch du. Der Franz ist auf einen billigen Schmäh hineingefallen und du hast in die Hose gemacht. Gott sei Dank, den nichts ist schlimmer, als Leute, die perfekt sind.

    Sowohl das von dir, als auch von Franz war menschlich, wir sind doch keine Roboter, die man abmontiert, wenn sie einen Fehler machen. Ich bin gespannt, wer von euch beiden als erster über seinen eigenen Schatten springt, du oder der Franz. Oder wollt ihr in einer 100% Gesellschaft die einzigen sein, die sich gegenseitig ausschließen.

    Was wollen wir? Wir wollen Menschen sein mit all ihren Unzulänglichkeiten und Fehlern und keine Roboter.


    • wenn wir erkennen, dass ein fehler kein fehler ist, hört auch die eitelkeit keine fehler des anderen zu dulden, wir sind alle auf dem weg, keiner ist größer, kleiner oder mindestens genauso gut, jeder ist anders und einmalig das scheint mir ein schlüssel zu sein und das geht mit verstehen, der Tanz miteinander….


  2. Kennst du die biblische Geschichte von Lot`s Frau, die zur Salzsäule erstarrte, als sie zurückblickt? Solange uns die Vergangenheit nicht am Arsch vorbei geht, können wir uns nicht der Gegenwart widmen und schon gar nicht der Zukunft. Noch dazu eine Vergangenheit, die lange Zeit vor unserer Geburt stattgefunden hat.

    • MaryZ Says:

      Auch die Vergangenheit „vor der Geburt“ wirkt weiter, ob es uns (sei es am Arsch oder im Kopf ;-)) passt oder nicht. Es ist daher sinnvoll, sich angemessen mit der Vergangenheit zu beschäftigen, um in der Gegenwart bewusster leben zu können. Zwischen heillos ganz in der Vergangenheit versinken und „Ich weiß von nichts“ gibt es eventuell noch etwas dazwischen und anderes zu bedenken.

      Im übrigen kann es auch umgekehrt gewesen sein (als oben von B. behauptet): demnach der Franz in die Hose gemacht und der Peter auf einen Schmäh hereingefallen wäre – nicht wahr?

      • Tabitha Says:

        @ MaryZ, stimmt, man kann alles aus ganz vielen verschiedenen Sichtweisen betrachten…. nur wenn man gesagtes dreht und wendet wie man braucht (Franz) um einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen, möchte ich noch fast einen Schritt weiter gehen, als nur zu sagen der hat in die Hose gemacht, ich würde sagen der hat kein Rückgrad und dennoch steht er aufrecht, fragt sich nur noch wie lange er es schafft weiter aufrecht zu stehen,… Paradebeispiele haben wie ja zur genüge in der Politik, die gerade ihr Rückgrad verlieren und sich immer weiter verlieren, anstatt ein zu gestehen, dass man als Mensch auch Fehler macht und diese mit würde tragen kann, ev. auch wieder bereinigen möchte,.. aber dazu braucht man keine volle Hose, sondern Ethik und Moral (Rückgrad).
        LG Tabitha


    • Die Vergangenheit verdrängen, das ist das Erstarren was die Etablierten sind, sie bewegen sich nicht mehr. es geht nicht um das sondern was hat das Salz dieser Erde mit uns gemacht, wie passen wir uns heute an? Wie können wir dieses Sodom und Gomora transformieren? In dem wir unsere Schuld und unsere Schulden bewahren oder die Ursachen sehen. Wer ist schuld? Wer ist ohne Schuld? Wodurch lassen wir uns in Schuld und Schulden festhalten? Haben wir schon das Finanzamt abgeschafft? http://www.youtube.com/watch?v=CriGJhBJBpc&feature=related

  3. Falk Says:

    Ich bin begeistert, Peter. Das ist die einzige sinnvolle Möglichkeit. Alles andere führt zu dem was wir bereits hatten/haben.

  4. Tabitha Says:

    Ich bin ebenfalls begeistert, so kann es gehen. In der zwischenzeit bitte ich für Liebe und ein harmonisches Miteinander für ALLE Menschen.


  5. Ja Peter, nur wenn wir erkennen, dass es keinen Sinn macht zu konkurrieren, weil dann Verlierer unter uns sind, und später zurückschlagen wird, dann können wir doch gleich besser miteinander kooperieren. Das braucht viel weniger Energie bzw. lenkt alle Energie auf das Gemeinwohl.
    Die Frage ist, warum es bisher anders gelaufen ist und es 99% Sklaven im System waren, meist solche, die es auch gar nicht wussten.
    Wir diskutieren gerade darüber, dass wir in den aktuellen Machtpositionen überwiegend Psychopaten sitzen haben. Denn diese haben keine Empathie und kein Gewissen, weshalb es ihnen so leicht fällt über, ohne mit der Wimper zu zucken, das Schicksal tausender zu entscheiden:
    http://faszinationmensch.wordpress.com/2012/01/31/was-wenn-im-spiel-der-krafte-zwischen-gut-und-bose-psychopathen-die-gegenspieler-waren/

    • Magdalena Says:

      Es gibt keinen Kampf zwischen Gut und Böse!

      Wir sind alle Gott und spielen eine Rolle…

      …ich spiele gerade eine ziemlich nette Rolle, aber ich bin nicht die Magdalena…

      …die Psychopathen sind auch nur Rollen, die gebraucht werden…

      Das kann der menschliche Verstand natürlich nicht erfassen, dass wir gleichzeitig eine Rolle spielen können und gleichzeitig Gott sein sollen!

      Da hilft die Frage: Wer bin ich?

      Bin ich meine Gefühle? Bin ich meine Gedanken? Bin ich mein Beruf? Bin ich derjenige, der mich selbst beobachten kann?


    • Sind wir nicht diese Psychopaten, weil wir auf sie hören?
      Bezahlen wir noch mit ihrem Geld, mit dem sie uns alles wegnehmen müssen? Benutzen wir noch ihre Strukturen um uns zu finden? Haben wir wirklich schon unsere unnötige Angst überwunden, oder arbeiten wir noch für sie? Was passiert gerade an Möglichkeiten?
      Vielleicht sehen wir zuwenig das Paradox, Hans Peter Dürr sieht es schon: http://www.youtube.com/watch?v=xhcYO0QTAuU

  6. Magdalena Says:

    Ich bin dafür, dass wir Profit und Bonus abschaffen…

    …sowie das Eigentum an Rohstoffen, Boden etc. …

    …denn das ermöglicht erst die Entstehung von Sklave und Herrscher, sowie arm und reich…


    • @Magdalena,
      ja, das Konzpet des Eigentums ist das eigentliche Übel, das in die Welt kam. Wir sollten nur das lebenslang besitzen dürfen, was unsere Grundbedürfnisse befriedigt, und das in Abstimmung mit der Gemeinschaft.
      Alle weiteren Ressourcen als auch Tools sollten der Gemeinschaft gehören. Es gibt eine schöne Plattform, auf der diese Konzepte diskutiert werden:
      http://keimform.de
      LG Martin


      • eigentümlich das kennen wir, eigentum ist was künstlich, mein körper gehört der natur, er vergeht wie alles lebendige es verwandelt sich, ich bin besitzer immer nur vorübergehend doch was machen wir in der sauna oder im seminar, wir belegen die liegen oder die stühle mit handtüchern oder taschen, damit wir die plätze auf kosten der anderen sichern, damit erzeugen wir knappheit aus unserer angst und damit konkurrenz, wer zuerst kommt der gewinnt den platz oder wir verschleudern ressourcen wie in der sauna, die menschen die nicht in der sauna sind haben keine liegen zum liegen, weil sie durch unsere handtücher besetzt sind.


      • Ja, das Bild mit dem Belegen von Liegen, ob in der Sauna oder am Strand, ist ein schönes Beispiel dafür, wo die Nachfrage größer ist als das Angebot und das ICH sich über das WIR erhebt, wenn okkupiert wird …


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