Am Ende eines Weges

16/Jan/2012

Ich stehe am Ende eines Weges. In privater wie beruflicher Hinsicht haben die Verhältnisse der Vergangenheit aufgehört zu existieren. Ich befinde mich – wie schon einige Male in meinem Leben zuvor – auf völligem Neuland. Die bisherigen Selbstverständlichkeiten sind verschwunden, einfach weg.

Ich habe versucht, meinem Zustand anhand bekannter Situationen der Menscheitsgeschichte näherzukommen. Zwei davon sind mir eingefallen: Kolumbus auf dem Weg nach Westen und Churchill nach Dünkirchen.

„Churchill nach Dünkirchen“ habe ich versucht, im vorigen Artikel zu beschreiben. In der finstersten Stunde der Geschichte, im Moment der existentiellen Entscheidung stellt Churchill seinen Mann. „Churchill nach Dünkirchen – die Zusammenfassung eines Lebens“ dachte ich mir, als sich die Verhältnisse in meinem Leben in der letzten Zeit immer mehr verdunkelten. Wie hat sich Churchill nach Dünkirchen gefühlt? Ungefähr so fühle ich mich jetzt.

„Kolumbus auf dem Weg nach Westen“ beschreibt ein ähnliches Phänomen. Dieser Mann hatte ebenfalls eine Mission. Die Mission des Kolumbus war es, seine Vision zu verwirklichen, ebenfalls wie Winston Churchill nach dem Motto „whatever the cost may be“. Völlig egal, was die Anderen denken, wie hoch der Preis auch sei. Ich weiß, notfalls auch gegen die gesamte bekannte Welt, dass mein Weg der richtige ist. Mögen alle anderen wie gewohnt nach Osten reisen, ich weiß, dass ich ankommen werde, wenn ich die genaue Gegenrichtung einschlage.

Entscheidend auf dem Weg nach Westen ist der Tag, an dem die Vorräte zur Hälfte aufgebraucht sind. Das ist der Point of no Return. Der Moment, an dem die Vorräte zur Hälfte aufgebraucht sind, ist der letzte, an dem eine mögliche Rückversicherung in Anspruch genommen werden kann. An genau diesem Tag entscheidet Kolumbus: „Wir segeln weiter.“

Dieser Moment ist der entscheidende für die gesamte Mannschaft. Es ist der letzte Moment für eine mögliche Meuterei. Während bisher eine Umkehr noch möglich war, ergeben sich ab diesem Moment alle bedingungslos der gemeinsamen Mission. Ab diesem Moment sind alle dem gemeinsamen Ziel bedingungslos ausgeliefert.

Es ist die Kompromisslosigkeit, die mich an Churchill und Kolumbus über alle Maßen fasziniert. Was auch immer alle anderen denken mögen, wir halten stand. Wir verfolgen unsere Mission, weil wir unserer Vision treu bleben, notfalls gegen die gesamte bekannte Welt.

Die Vision des Kolumbus war der Seeweg nach Indien, Churchills Mission war der Sieg der Demokratie über die Tyrannei. Beide waren im Moment der existentiellen Entscheidung wahrscheinlich die einsamsten Menschen der Welt. Irgendwann danach wurden sie jedoch mit ihrem Ziel belohnt.

Wie Kolumbus und Churchill spüre auch ich die unendliche Einsamkeit im Moment der existentiellen Entscheidung. Privat wie beruflich liegt alles darnieder, schmerzhafte Niederlagen säumen meinen Weg. Völlig alleine stehe ich vor dem Angesicht des Nichts.

Was ist meine Mission? Ich habe weder Indien zu erreichen noch den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Im Vergleich zu den Größen der Geschichte sind meine Probleme von lächerlich unscheinbarer Dimension. Doch wie so oft in der Vergangenheit, so stellt sich mir jetzt wieder die Frage: Wofür lohnt es sich zu leben?

Wofür lohnt es sich zu leben? Wieso bringe ich mich nicht um? Was hat die Welt an Peter Wurm, geboren am 18. August 1969 im Wiener Rudolfinerhaus? Was, zum Teufel, mache ich noch hier? Wozu lebe ich? Welche ist meine Mission, was meine Vision?

Wozu leben wir? Ich bin bereit, jeden Preis zu zahlen, wenn es darauf eine Antwort gibt.

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8 Antworten to “Am Ende eines Weges”

  1. sinnsucht Says:

    Willkommen im Club!

  2. Goldständer Says:

    Verehrter Blogpartner, Bewusstsein ist wenn man sich einmischt. Auch ich habe mich das vor einem Tag gefragt. Meine Kehle ist trocken… Es ist doch eigentlich alles gesagt. Als Antwort kann ich nur geben: Wofür es sich lohnt zu leben ist das Leben, die Freiheit und Selbstbestimmung. All das haben wir irgendwie nicht mehr… Wir müssen deshalb kämpfen. Hier und jetzt stehen wir aus diesem Grund in unserem echten Potential. Wir alle sind dabei unser Schöpferkraft zu aktivieren um einen neuen Weg zu gehen. Es ist die Bestimmung. Es ist Deine Bestimmung. Das was Dich jetzt leitet ist eine höhere Macht die Dich neu ausrichtet. Ach ja… nur nicht den Kopf hängen lassen. Ich weiß es selbst: Deine Persönlichkeitsentwicklung und Deine Synapsen funktionieren eben anders, als die Deiner Blogleser, da „ein anderes Wissen und eine schnellere Entwicklung“ in Dir lastet. Bitte bleib tapfer. Wir brauchen solche Menschen wie Dich, damit die Schauspielerei und Heuchelei in unserem System bald vorbei ist. In dem Sinne… Deine Strategie ist die richtige… Ich bin Du!

    Gruß vom Goldständer

  3. H. V. Says:

    du lebst noch, um den übergang mitzumachen, deswegen bist du hier, erinnere dich!

  4. Tobias Heilmann Says:

    Lieber Peter Wurm,

    Über Churchill weiss ich zu wenig um etwas sagen zu können, aber die Metapher mit Kolumbus macht mein Herz etwas schwer. Das Leben von Kolumbus war aufregend, natürlich, und inspirierend freilich auch! Aber nur bis zu diesem einen Punkt auf der uns bekannten Zeitachse an dem er das Land am Horizont sah. Auf der Schattenseite dieses Moments beginnt das große Morden, das Ausrotten, das Rauben und das Plündern. Es liegt mir fern Kolumbus zu werten, dies sind lediglich die Fakten. Er tat, was er tat, weil er war, wer er war. Dürfte ich mir aussuchen mit wem von Ihnen beiden ich ein Bier trinke, lieber Herr Wurm, ich würde nicht weiter über Herrn Kolumbus nachdenken. Denn im Gegensatz zu Herrn Kolumbus sind Sie sind auf der Suche nach sich selbst.

    Was hat die Welt an Peter Wurm? Das ist völlig unerheblich. Was hat Peter Wurm an Peter Wurm, dies ist die einzige Frage und ich glaube, dass Sie einige überraschende Antworten finden werden.

    Von Herzen,
    Tobias Heilmann


  5. Hallo Peter, nicht aufgeben und an die beiden Frösche in dem rog mit Milch denken!
    Prof. Hütter macht klar, was wir Menschen gerade durchlaufen und hat auch etwas Hoffnung dabei:

  6. Tabitha Says:

    lieber Peter,
    es dauert nicht mehr lange, wir müssen nur noch durchhalten, bis das ganze Lügenkonstrukt zusammen fällt wie ein Kartenhaus, dann lieber Peter werden wir sehen, dass es sich gelohnt hat durch zu halten.
    Denk an den Mayakalender, das Geldsystem, Zeit und Raum verändern sich und so viele andere Dinge haben sich schon verändert, du hast das alles shon sehr richtig erkannt, erinnere dich bitte daran, es lohnt sich.
    Mir persönlich hast du mit dem Blog sehr viel Kraft und Mut gegeben, als du noch die Sicht der Maya (Mayakalender)mit der momentanen Situation der Welt abgeglichen hast und dafür bedanke ich mich jetzt nochmals recht herzlich.
    Auf deine Frage, „Was hat die Welt an Peter Wurm, geboren am 18. August 1969 im Wiener Rudolfinerhaus?“ kann ich dir sagen, was dieser für mich getan hat. ER HAT MIR MUT UND ZUVERSICHT GEGEBEN UM ALL DEN WANDEL ZU ÜBERSTEHEN!
    in Liebe Tabitha

  7. goetheist Says:

    Du lebst, um, wie die Meisten hier, mitzuerleben, wenn die Sonne wieder aufgeht. Wenn wir gemeinsam die Nacht durchschritten haben.


  8. […] ist Christoph Kolumbus neben Winston Churchill Einer Meiner Wichtigsten Helden (siehe auch: “Am Ende eines Weges“). Die Leistung des Christoph Kolumbus bestand ja eben NICHT darin, den Seeweg nach Indien […]


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