Postsuizidaltrauma

08/Nov/2011

Da hing er nun. Der Todeskampf war länger gewesen, als er befürchtet hatte. Wie lange könnte es gewesen sein in genormter Zeit? Eine Minute? Zwei vielleicht? Was spielte das noch für eine Rolle? Niemand war dabei gewesen, um es zu messen. Und für ihn war es eine knappe Ewigkeit. Er hatte oft gehört gehabt, dass sich im Todeskampf das Leben nochmals als Film abspielen würde, als grausame Revue sozusagen. So war es auch gewesen, das Leben zog nochmals kurz an ihm vorbei. Doch es änderte nichts mehr. Der Knoten war festgezurrt, der Haken tief in der Mauer verankert. Er hatte keinen Fehler machen wollen, nicht schon wieder scheitern. Wie oft war er schon gescheitert im Leben, sogar an zwei Selbstmordversuchen. Doch diesmal wollte er nicht mehr. Nicht schon wieder scheitern. Ein einziges mal gewinnen. Ein einziges mal gewinnen. Und sei es den Todeskampf.

Jetzt tat es ihm leid. Er wünschte, er hätte einen Fehler gemacht. Er wünschte, der Haken wäre ausgebrochen oder der Strick gerissen. Doch nichts von beiden geschah. Er hatte sich zu gut vorbereitet gehabt. Er hatte keinen Fehler gemacht. Leider. Er hatte leider keinen Fehler gemacht. Es war gelungen. Es war vollbracht. Wie lange würde er hier hängen müssen, bis man ihn fand. Aufgehängt mit angeschissenen Hosen. Wer würde ihn finden? Wer würde ihn als erstes vermissen? Er tippte auf seine Tante. Sie war die, die den Zweitschlüssel hatte. Sie war die einzige, die problemlos aufsperren könnte. Doch würde sie es auch tun? Sobald er vermisst würde…

Nein. Er gab keinen Tipp ab. Wahrscheinlich würde die Polizei vorbeikommen. Irgendjemand würde die Polizei benachrichtigen und diese würde dann nachsehen und ihn finden. Das wäre die plausibelste Lösung. Er hatte von alten Menschen gehört, die jahrelang in ihrer Wohnung verfaulten, bis sie gefunden wurden. Bei ihm würde es schneller gehen. Schließlich war er noch nicht wirklich alt. Wer aber würde die Vermisstenanzeige abgeben. Seine Mutter? Sein Vater? Einer seiner Freunde? Ein Verwandter? Das war die ultimative Problematik eines Singlehaushalts. Das Kochen für eine Person war schon mühsam genug, zu mühsam um verwirklicht zu werden. Doch das Vermisstwerden schlug dem Fass die Krone ins Gesicht. Ein Single wird nicht vermisst, nicht so bald jedenfalls.

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8 Antworten to “Postsuizidaltrauma”

  1. Sabine Says:

    Hoffentlich hilft das veröffentlichen beim LOSLASSEN.
    Ob es wirklich auf diesem Weg funktioniert , kann ich nicht beurteilen.
    Ich denke, alles was gut tut,Peter
    Jemanden aus dem eigenem Sumpf rauszuholen ist schier unmöglich,
    Beistand ist das Einzige…
    Und auf dem Weg kommen Menschen, welche sowas wie den Lebenswillen wecken, wenn Du ihnen begegnest.
    Das wünsche ich Dir vom Herzen , Peter

  2. Tabitha Says:

    was machst du da, Peter,
    bitte such wieder die Liebe und Freude in dir,
    die Trauer hast du ja schon gefunden,
    lass sie los,
    damit die Liebe wieder Platz hat.
    Bitte ich liebe dich
    Tabitha

  3. kosmoselfe Says:

    ich drück dich einfach mal ganz arg!!!

  4. Magdalena Says:

    @ Peter

    Ich hoffe auch, dass du dein falsches Selbst endlich ermordest und dabei nicht drauf gehst! Viel Glück!

  5. alice Says:

    wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, Licht aber ist immer stärker als Dunkelheit, Dunkelheit kann niemals ins Licht scheinen, Licht aber immer ins Dunkle
    ich sehe nur dein Licht, es ist vollkommen und kraftvoll, danke, dass du es für so viele scheinen lässt

    alice

  6. sabine Says:

    Lieber Peter,

    seit ein paar Monaten verfolge ich Deinen Blog und Du hast mir unzählige Male mit den richtigen Worten zur rechten Zeit , Deinem Verständnis des Weltgeschehen und Deinen persönlichen Ansichten zur Zeitqualität sehr
    geholfen.Wenn nix mehr ging, mir sowieso niemand mehr folgen konnte ohne mich irritiert anzusehen, und mir so die Gesprächtspartner ausgingen ,
    warst Du für mich eine wirkliche Hilfe und in meiner Realität an Kompetenz und Durchblick nicht zu übertreffen. Riesenrespekt an dieser Stelle für Deine Aktivitäten!!

    Nun scheint mir, Dir geht es gerade „bescheiden“ und kann Dich so unglaublich gut verstehen. ich habe ebenfalls einen Höllenritt hinter mir und die letzten 5 jahre waren echt zum heulen, und hätte ich nicht
    die eine oder andere Hilfe gehabt ( und vor allem meinen 10 Jährigen Sohn und Marihuana ) wäre mir ein “ Haken “ oder Strick auch attraktiv erschienen.
    Ich bin da nun durch, fühle die Energien sehr gut und verstehe im nach hinein sehr gut, was da passiert ist…

    Entschuldige bitte vielmals, wenn ich Dir hier zu nahe trete und dir ungefragt schreibe. Ich fühl mich dir sehr verbunden und würde dir gerne helfen wenn das irgend möglich ist. Wenn Dir danach ist jemanden unbekannten Deine manchmal deprimierten Gedanken zu schicken, biete ich mich hiermit an

    Bitte bitte halt durch, wir haben es bald geschafft und die letzten werden die Ersten sein und die Helden von Morgen. Du bist einer davon, das weist Du ja selber, und auch Du scheinst „nackt “ vor Gott treten zu sollen, alles aber auch alles losgelassen, was wichtig war. Ich dachte mehrfach, das wars jetzt. Jetzt biste wirklich alles los, wofür
    du je gearbeitet oder gelebt hast… und es kam immer noch “ Dicker“ für mich.

    Alles denkbar Gute wünsch ich Dir, 1000 Dank für Deine Arbeit und ich verbeuge mich vor Deinem Geist und deiner Seele und deinem mutigen Kampf gegen vermeintliche Windmühlen.

    Liebe Herzensgrüße,
    Sabine


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