Tag 211

05/Okt/2011

Meinem heutigen Eintrag möchte ich ein Bild voranstellen, das ich heute auf Facebook gefunden habe. Es ist ein Foto aus der Plattform „Occupy Wall Street“:

Occupy

Was mich an diesem Bild so begeistert, ist nicht nur der grandiose Text des Plakates in ihm, sondern, was aufgrund dieses Textes passiert. Da posieren zwei Menschen, die sich zuvor noch in ihren Positionen als DemonstrantIn und PolizistIn gegenübergestanden waren, plötzlich nebeneinander. Die scheinbare Konfrontation von zuvor ist zu einer Kooperation von jetzt geworden.

Was mir daran so wichtig ist, dass diese Veränderung nicht nur in einem der beiden Menschen, dem Polizisten, geschieht, sondern ebenso in der Demonstrantin. Wir neigen oft dazu, „die Anderen“ (in diesem Fall „die Polizei“) in unser Boot holen zu wollen. Was jedoch nötig ist, ist, dass wir alle „uns selbst“ in unser gemeinsames Boot holen, anstatt es stets nur vom anderen zu erwarten.

Ich habe mich zuvor mit meiner Freundin Maggy über dieses Phänomen unserer Zeit unterhalten und ich habe dabei gespürt, wie diese Herausforderung mich selbst erfasst. Wenn ich nun gestern neben meiner Arbeit meine Energie dafür verwendet habe, „Occupy Austria“ voranzutreiben, dann merke ich, wie gefährdet ich bin, dabei in alte Muster zurückzufallen. Das alte Muster lautet: „Ich will, dass ihr euch mir anschließt.“

Ich habe vor Jahren einmal einen Text zum Titel „Was ist Gewalt?“ geschrieben. Der Text lautete ganz einfach: „Der Satz: ‚Ich will, dass Du…‘ ist Gewalt.“ Tausende Kriege wurden in den letzten 5.000 Jahren unter diesem Motto geführt, ganze Kontinente, vor allem unser eigener, unter diesem Motto verwüstet. „Ich will, dass Du (mit mir) demonstrierst“ ist Gewalt.

Das kann es nicht sein. Manche Menschen haben in der Vergangenheit verzweifelt damit gerungen, dieses Motto zu überwinden. Ich erinnere mich an die Aufnahme einer Orchesterprobe unter Carlos Kleiber, in der dieser zu seinen Musikern sagte: „Ich will eigentlich gar nichts. Ich will, dass Sie was wollen.“ In diesem phantastisch unmöglichen Doppelsatz steckt der unglaublich verzweifelte Versuch, das gewalttätige Motto des „Ich will, dass Du…“ zu überwinden – und in den phantastisch unmöglichen musikalischen Interpretationen Kleibers ist dieser unglaublich verzweifelte Versuch auch immer wieder zu hören.

Was also ist die Alternative? Wie können wir dieses Motto der Gewalt überwinden? Ich war mit dieser Frage erstmals existentiell konfrontiert, als ich Vater wurde. Damals kam mit einem Mal die entscheidende Frage auf: „Was will ich eigentlich (als Vater)?“ Was will ich in meiner Verantwortung für andere? Ich bin zu einem ähnlichen Schluss gekommen wie Carlos Kleiber. Mein Motto als Vater lautet daher seit damals: „Ich will, dass meine Kinder selbstbestimmt glücklich sein können.“

Wie kann ich das erreichen, ohne dabei ins Motto der Gewalt zu verfallen? Dieser Gradwanderung bin ich seither in jedem Augenblick ausgesetzt. Wann tue ich etwas und wann lasse ich es? Diese Entscheidung nimmt mir niemand auf der Welt ab. Und vor diese Entscheidung sind war alle tagtäglich gestellt. Wir können uns nicht länger verstecken. Wir haben uns zu stellen. Mitten hinein. Mitten hinein in diese Welt.

Und so komme ich langsam auf die gesellschaftliche und politische Bewegung zu sprechen, die uns alle als Individuen gerade erfasst. Was ist das für eine Bewegung, die derzeit hier (in uns allen) vor sich geht? Ich bin dankbar dafür, dass ich den Mayakalender gefunden habe, der mir hilft, diese Bewegung raumzeitlich zu erfassen. In der Analyse des Mayakalenders heißt das, dass wir uns gerade in der Neunten Welle befinden, die uns zu einem ganzheitlich erleuchteten universalen Bewusstsein der Einheit führt. Es geht im Mayakalender nicht darum, dass an einem bestimmten Tag etwas passieren wird, wie es die Jünger des 21.12.2012 glauben machen wollen. Es geht ganz im Gegenteil um einen Prozess, dem wir alle bis dorthin unterworfen sind.

Es geht nicht um das Ergebnis. Es geht um den Prozess dorthin. Es geht nicht darum, dass das Ergebnis unserer Bemühungen „Echte Demokratie“ ist. Es geht darum, dass der Prozess, der gerade dorthin läuft „Echte Demokratie“ ist. Es geht nicht darum, dass sich „die Anderen“ ändern. Es geht darum, dass wir alle uns verändern. Es geht nicht darum, dass Ihr demonstrieren sollt. Es geht darum, dass Wir das demonstrieren wollen.

Und so komme ich am Ende des heutigen Artikels wieder auf seinen Ausgangspunkt zurück. Es geht nicht darum, dass der Polizist mein Plakat übernimmt. Es geht darum, dass wir beide uns im Angesicht dieses Plakates umarmen. Es geht nicht um dich und mich. Es geht um uns.  Und darum finde ich dieses Bild so schön.

22 Antworten to “Tag 211”

  1. Silvia Huwyler Says:

    Wunderbar, danke!

  2. Frank Poppner Says:

    Namaste Peter,

    sei von ganzem Herzen bedankt für dein Schöpfen aus und mit dem Mayakalender. Das Foto ist wirklich schön … bis auf ein kleines Detail: das Victory Zeichen ist schwarzmagisch und beschwört die Spaltung/Trennung, die es ja gerade zu überwinden gilt. Möge es uns wahrhaftig gelingen, diese Trennung in uns zu umarmen,
    zu verzeihen und zu vergeben und sie in Liebe in die Einheit zu transformieren.

    Mit lichten Grüßen
    Frank

    • T. Says:

      Und das PEACE-Zeichen zeigt einen Menschen, der mit erhobenen Armen dasteht – alerdings UMGEKEHRT nach UNTEN! Also Materialismus pur, statt Geist!

      • Frank Poppner Says:

        Du sagst es … also Vorsicht und Achtsamkeit im Umgang mit Symbolen!

  3. Palm Dice Says:

    Sehr schöner Blogeintrag, auch ich bedanke mich!

  4. Shana Says:

    Lieber Peter,
    Danke 🙂 für diese Weisheit,
    und schön das Du aus der Spirale wieder nach oben gekommen bist.
    Nur gemeinsam erreichen wir alle das Ziel 🙂
    eine gute Reise Euch allen auf dieser 9. Welle
    … with LOVE
    Shana

  5. Roger Says:

    Auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön, lieber Peter! Bin seit ‚Tag 163‘ hier dabei und inzwischen hat sich Dein Blog zu meiner täglichen Lieblingslektüre gemausert! 🙂
    Und weisst Du, was ich mir von Herzen wünschen würde? Dass Du uns auch nach dem 28.10. weiterhin mit Deinen täglichen Gedanken erhalten bliebest. Deine Worte tun in diesen unsicheren, turbulenten Zeiten einfach unendlich gut! Man fühlt sich irgendwie geborgen und nicht so allein… Das gilt im übrigen auch für alle Kommentare… 😉
    Alles Liebe, Roger

  6. xbook7 Says:

    Danke Peter, ich selbst bin seit Tag 179 fast regelmässig dabei Deine Einträge zu lesen und den heutigen Gedanken schliesse ich mich voll an „ES GEHT UM UNS“ und den Prozess zum universellen Bewusstsein – DANKE und LG

  7. bobrobotboy Says:

    Es geht auch darum, dass die Mainstreammedien nicht zeigen, dass wir das Demonstrieren wollen.
    http://machtelite.wordpress.com/2011/10/03/facebook-zensiert-occupy-wall-street-facebook-censors-occupydc/

  8. Magdalena Says:

    Sehr schöner Artikel Peter! 😀

    Ich selbst werde aber nicht als Magdalena in naher Zukunft demonstrieren gehen, weil dieser Bewusstseinswandel automatisch abläuft, d.h. es werden genug „andere“ demonstrieren gehen, die damit in Resonanz stehen, wenn die Zeit dafür reif ist und es nötig sein wird…

    …da ich mich momentan anderen Themen widmen muss…

    Trotzdem wünsche ich dir viel Erfolg und viele Anhänger!

    @ Frank Poppner

    Das weibliche Denken ist zweideutig, wobei das männliche Denken die Eindeutigkeit bevorzugt!

    Also kannst du dir aussuchen, ob du das Bild
    als Zeichen der Verbundenheit wahrnehmen willst oder als Zeichen derTrennung oder beides gleichberechtigt!

    • Sara Devi Says:

      Wunderschön – danke Dir für diese von Herzen kommenden Worte 🙂

    • Frank Poppner Says:

      Liebe Magdalena – ich habe mich sehr über dieses Bild gefreut und sehe es definitiv als Zeichen der Verbundenheit! Es ist das schönste Bild von“Occupy Wallstreet“, das ich bis jetzt gesehen habe und die Message „When the Power of Love overcomes the Love of Power, the World will know Peace“ wird von beiden entspannt und glaubwürdig in Harmonie ausgestrahlt. Ich wünsche mir noch viel mehr solch friedvoller Bilder – überall auf diesem wundervollen Planeten!

  9. Margit Bernhardt Says:

    Vielen lieben dank, hat mich sehr berührt!!!

    Alles Liebe und Gute

    Margit


  10. Bin heute auf den Tag 210 gestoßen, weil ich nach „occupy swizerland“ gegoogelt habe („schauma mal was die Schweizer machen“) und dieser Begriff dort getagt ist. Und freue mich, auf diesem Wege den Gründer von „occupy austria“ gefunden zu haben – höchstpersönlich, Volltreffer – erst gestern Nacht habe ich diese fb Seite als 56ster fan geliked, und mich gefragt, wie ich wohl herausfinden könnte, wer diese Gruppe gegründet hat und sie betreut … nun hab ich alles gefunden. Und die gute Information über den Majakalender auch noch mit dazu. Und einen interessanten Blog. Happy. Ist das nicht schön? Danke Herr Wurm!

  11. Katharina Says:

    Danke lieber Peter! 🙂

    Für mich bist DU der „Frederick“ in dieser merkwürdigen Zeit!

    Liebe Grüße, von

    Katharina

  12. happymealer Says:

    Auch für mich gehört dieser Blog zum allmorgendlichen Ritual. Der heutige Eintrag trifft einmal mehr mitten in meine Lebenssituation. Ich reflektiere meine Motivationen immer wieder. Dank diesem Blog fällt mir das sehr viel leichter. Ganz herzlichen Dank an Peter und alle, die ihre Kommentare hinterlassen. Es tut wirklich gut.

  13. ingo Says:

    Ich bin schon etwas länger dabei, etwa seit Tag 50, 60 oder so. Am Anfang hab ich mich gewundert, dass niemand kommentiert hat und nun komme ich abends hier rauf und es wimmelt nur so von Kommentaren.

    Ich bin jedesmal so begeistert.

    Vielen Dank für diese so wunderbare Seite,Peter.

    Ichselbst werde zur Demo am 15.10. gehen.
    Siehe:
    http://www.spontan.de/globalrevolution-is-coming-to-a-place-near-you/

    @magdalena Bleib ruhig zuhause und meditiere. Ich demonstriere für dich mit, mein Bewusstsein ist hoch genug dafür 🙂

  14. dietmar Says:

    Es geht um Inklusion!
    LG
    Dietmar

  15. Andrea Says:

    Hallo Peter,

    es hat ja doch geklappt mit hier anmelden, wie ich jetzt erst gesehen habe. Deine Mails bzgl. Abo sind bei mir im Spam gelandet, daher erst jetzt von mir ein Post.
    Ich sage jetzt nur: Danke!
    Und: Deinen heutigen Beitrag mit Bild habe ich mal auf meinem google+ Profil verlinkt und kurz kommentiert, da beides mir sehr gefallen hat. Da das hier öffentlich ist, gehe ich davon aus, daß das okay ist. Sonst mich bitte anmeckern! Demnächst mehr.
    LG
    Andrea

  16. Edith Says:

    Herzlichen Dank 🙂
    Wir sind alle EINS
    spürbar, sichtbar JETZT


  17. […] interessant hierzu sind die letzten Artikel von Peter Wurm, beginnend ab Tag 211 . Gestern schrieb er: „Wer autorisiert uns? Wer ermächtigt uns? Auf wen warten wir? Wir […]


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