Tag 204

28/Sep/2011

Genau heute in einem Monat endet die Neunte Welle. Zu Beginn möchte ich heute ein Video posten, das ich gestern auf Facebook entdeckt habe und das inzwischen im Internet die Runde macht. Es ist ein Interview der BBC mit dem Börsenhändler Alessio Rastani, in dem dieser über die derzeitige Wirtschaftslage spricht. Das Video ist inzwischen in den Sozialen Medien so weit verbreitet worden, dass sogar die herkömmlichen Medien wie ORF und die „Financial Times Deutschland“ darüber berichten und Manche darüber zu spekulieren beginnen, ob Alessio Rastani überhaupt echt sei.

Während die „Financial Times Deutschland“ diesen Auftritt „skurill“ nennt, bin ich davon fast begeistert. Endlich spricht jemand offen aus, was Sache ist. Egal, wie sich die Lage auch darstellt, es geht darum, Geld zu machen. Jeder Mensch handelt so, dass er aus den gegebenen Umständen das für ihn Beste herausholen will. Und ein Börsenhändler will eben unter allen Umständen Geld verdienen. Der über Nacht berühmt gewordene Alessio Rastani spricht darüberhinaus offen aus, was er für wahr hält: „Der Markt wird zusammenbrechen und es wird hart werden“, „Diese Krise ist wie ein Krebsgeschwür“, „Menschen werden im nächsten Jahr ihre Ersparnisse verlieren“, „Regierungen regieren nicht die Welt, Goldman Sachs regiert die Welt“ und „Jeder kann aus der Krise Geld machen, wenn er weiss, wie man mit schrumpfenden Märkten umgeht“.

Alessio Rastani ist das neue Gesicht der Finanzmärkte. Die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado nennt ihn „unmoralisch“ und „verrückt“. Ich nenne ihn authentisch und wahr. Er ist völlig klar und eingebettet in sein System. Wenn wir Alessio Rastani unmoralisch und verrückt nennen, dann ist vielmehr unser System unmoralisch und verrückt. Alessio Rastani hingegen ist nur ein authentischer Ausdruck dieses Systems.

Vor mehr als zwanzig Jahren habe ich während meiner Studienzeit ebenfalls an der Börse spekuliert und damit verhältnismäßig viel Geld verdient. Ich habe recht genau gewusst, wie sich der Markt entwickeln wird, habe danach meine Entscheidungen getroffen und bin dadurch ziemlich reich geworden. Auch damals war es schon ein Leichtes, bei fallenden Kursen mithilfe von Put-Optionen viel Geld zu verdienen. Ich habe selbst zwar nie so spekuliert, doch habe ich größtes Verständnis dafür, wenn man aus der Kenntnis der Marktentwicklung seine Entscheidungen trifft und das Beste daraus zu machen versucht. Warum sollte ich bei einem heraufziehenden Unwetter nicht Regenschirmhändler werden dürfen oder im Sommer Eisverkäufer? Was ist daran unmoralisch und verrückt?

Ich selbst habe aufgrund der Kenntnis des Mayakalenders seit gut einem Jahr gewusst, dass es ab August zu einem Zusammenbruch der Aktienmärkte kommen wird. Eine Verkaufsoption auf den DAX von Anfang August bis Mitte September hätte mir viel Geld gebracht. Ich habe meinem Freund Georg noch bei einem Treffen Ende Juli geraten, sein Aktienpaket der Raiffeisen International zu verkaufen, weil es in Kürze viel weniger wert sein würde. Auch habe ich vor zwei Jahren meinen Fremdwährungskredit vom Schweizer Franken zurück in den Euro konvertiert, weil ich nach dem Studium des Mayakalenders wusste, dass der Frankenkurs steigen würde. Ich habe mir dadurch viel Geld erspart. Was ist an all dem unmoralisch und verrückt?

Alessio Rastani ist genauso wenig skurill, unmoralisch und verrückt wie ich. Wir beide verhalten uns innerhalb des vorgegebenen Rahmens völlig vernünftig, moralisch und normal. Das kapitalistische System ist krank. Solange wir Schuldgeld auf Zinsbasis verwenden, wird es immer Krisen, Not und Ausbeutung geben, weil ich mein Geld in Wahrheit immer jemand Anderem wegnehmen muss. Ich selbst habe schon vor fast zwei Jahrzehnten meine Schlussfolgerungen daraus gezogen und bin innerlich völlig und äußerlich so gut wie möglich aus diesem System ausgestiegen. Daher habe ich auch in diesem Sommer keine DAX-Futures gekauft, um aus meinem Wissen Geld zu machen. Ich habe statt dessen meinen Blog geschrieben und damit viele Andere an der Entwicklung teilhaben lassen.

Was mich von Alessio Rastani unterscheidet, ist die Tatsache, dass er sich innerhalb des kapitalistischen Geldsystems befindet und ich bereits außerhalb. Selbstverständlich erhalte ich mein Gehalt immer noch in Schuldgeld und gebe beim Einkaufen bestehendes Schuldgeld aus. Selbstverständlich bin ich in der Praxis nicht unabhängig von dem real existierenden Kapitalismus. Im Unterschied zu Alessio Rastani weiß ich jedoch, dass dieses System vor seinem Ende steht und dass er, selbst wenn er am Ende der einzige Gewinner dieses Spiels sein wird, mit seinem gewonnenen Geld nichts mehr wird anfangen können. Geld ist schon jetzt nichts mehr wert und diese Erkenntnis setzt sich im Laufe der Zeit mehr und mehr durch.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ So lautet die Weissagung der Cree. Spätestens dann wird Alessio Rastani als begeisterter Vertreter dieses kranken Systems realisieren, dass er mit seinem Geld alleine dasteht. Viele von uns haben die Krise bereits hinter sich. Alessio Rastani hat sie mit Sicherheit noch vor sich. In einem Monat endet der Mayakalender. Dann werden wir sehen, wo wir sind.

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6 Antworten to “Tag 204”

  1. Magdalena Says:

    Die Psychopathen kommen…

    http://autismuskritik.twoday.net/stories/assoziation-goetz-eisenberg-die-psychopathen-kommen/

    Es geht in dem Artikel auch teilweise um das obige, von Peter verlinkte Video!

  2. Cenobite2012 Says:

    @Peter

    Bitte schau Dir diesen Artikel mal an

    WALLSTREET – ONLINE
    BÖRSENCRASH am 28.10.2011 ?

    http://www.wallstreet-online.de/nachricht/3471579-boersencrash-28-10-2011

    Jetzt sehen Sie auch schon die Verbindung zum Mayakalender, wurde auch langsam Zeit =)

    L.G
    Marius

    • Peter Wurm Says:

      Hallo Cenobite,

      Danke vielmals für Dein Posting. Ich kenne es bereits. Ich finde es sehr angenehm, dass sich das Bewusstsein der Entwicklung des Mayakalenders und der Konsequenzen daraus langsam durchzusetzen beginnt. Ich selbst arbeite ja seit Langem daran und freue mich, wenn sich dieses Bewusstsein verbreitet.

      Mir ist nur wichtig, festzustellen, dass es sich dabei um einen ganzheitlichen Transformationsprozess handelt und nicht um einen „Weltuntergang“. Es ist vielmehr ein „Weltaufgang“, der gerade stattfindet und daher bricht alles Alte und Unpassende in sich zusammen.

      Liebe Grüße und Danke für den Link

      Peter

      • Andy_Mainstream Says:

        Hi Peter,

        hab heute mal in Wikipedia herumgesucht und bin dann irgendwann bei Maya-Kalender (http://de.wikipedia.org/wiki/Maya-Kalender) geendet (Diese Seite wurde zuletzt am 26. September 2011 um 14:28 Uhr geändert. – und dort wird weiterhin auf das Datum 21.12.2012 verwiesen).

        Also nicht nur wie im Artikel beschrieben (WALLSTREET – ONLINE) sind es die Mainstream Medien sondern auch die Open Source Ecke (leider – bin ein echter Fan 😉

        LG Andy_Mainstream

        P.S. Weiterhin „Gute Reise“

      • Peter Wurm Says:

        Hallo Andy,

        das ist schade. Hast du Zugang zu Wikipedia? Kannst du das ändern?

        LG

        Peter

  3. Andy_Mainstream Says:

    Hi Peter,

    ändern kann das jeder, das ist ja das tolle bei Wikipedia (man kann, muss sich aber nicht anmelden).

    Wenn die Seite bearbeiten möchte kommt folgende Meldung: Du bearbeitest diese Seite unangemeldet. Wenn du deine Änderung speicherst, wird deine aktuelle IP-Adresse in der Versionsgeschichte aufgezeichnet und ist damit öffentlich einsehbar. Wenn du ein Benutzerkonto anlegst, bleibt deine IP-Adresse verborgen.

    Einfach auf Bearbeiten klicken und schon kann´s losgehen. Nur fühle ich mich dazu nicht ausreichend informiert und dachte ich schiebe dir als Experten den Ball zu.

    Ich will keinen Schwachsinn schreiben und Leute für dumm verkaufen.

    Respekt zu deiner Erkenntnis zu dem heutigen Bericht. Ich habe es noch nicht so gesehen (was die Thematik an der Börse angeht).

    Ich habe immer gute Ratschläge (auch bei Börsenspielen – sehr ordentliche Zuwächse erziehlt) gegeben (damit haben einige gutes Geld verdient, hab selten falsch gelegen – hab z. B. zu einem zu frühen Ausstieg geraten – Vossloh bei 60 Euro verkauft – die Rally ging aber weiter, aber derjenige hatte Sie auch in 2001 auf mein Anraten erworben – also von Verlust auch keine Spur).

    Aber nie für mich selber genutzt (das einzigste Investment für mich war Silber am Anfang der Lehmann Krise – hab immer noch die paar Unzen – da sehe ich es so egal wie sich der Kurs entwickelt, es bleiben 31,1 Gramm).

    Da ich niemanden das Geld wegnehmen wollte (Das Geld ist nicht weg es hat nur jemand anderes – aber von wem hätte ich das Geld, wenn ich investiere? – bei einer juristischen Person hätte ich wennig skrupel, aber wenn´s die Oma war, die Ihrem Enkel das Geld für die Ausbildung zurück legen wollte)

    Es ist eigentlich nicht schwer sein Geld auf die Art zu machen (mit absicht nicht „verdienen“ ;-), aber ich habe da moralische Beschwerden (Bisher konnte ich mir diese immer noch irgendwie leisten 😉

    Ich wünsch dir auf jedenfall, weiterhin alles Gute.

    LG Andy_Mainstream

    P.S. Weiterhin „Gute Reise“


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