Tag 194

18/Sep/2011

Ab heute verbleiben nur noch 40 Tage bis zum Ende der Neunten Welle. Die angelsächsischen Medien berichten vor allem über den Kampf um Muammar Gaddafis Geburtsstadt Sirte und Barack Obamas Plan, mithilfe einer „Buffet-Tax“ die US-amerikanischen Millionäre zu besteuern. Im deutschsprachigen Raum sind vor allem die heutige Wahl in Berlin und der andauernde Konflikt über die weitere Hilfe für Griechenland die vorherrschenden Themen, in der Schweiz ist man immer noch schockiert über den Umstand, dass ein einziger Mitarbeiter der UBS innerhalb von drei Monaten durch Spekulationen einen Verlust von 2 Milliarden US-Dollar anhäufen konnte.

Ich habe vorgestern im Schweizer Fernsehen SF verfolgt, wie mit dieser Geschichte umgegangen wird. Zunächst wurde in den „10 vor 10“ Nachrichten schockiert darüber berichtet, danach in der „Arena“ von politischen und wirtschaftlichen Vertretern des herrschenden Systems aufgeregt darüber diskutiert, welche Konsequenzen aus diesem Vorfall zu ziehen sind. Die Eliten der bisherigen Politik und Wirtschaft begnügen sich damit, sich über einzelne kosmetische Korrekturen in den Haaren zu liegen, während das Grundproblem ganz woanders liegt.

Geld ist ganz offensichtlich zu einer virtuellen Größe geworden. Während Josef Ackermann für die Deutsche Bank eine Eigenkapitalrendite von 16 Prozent anstrebt, um im Konzert der Großen weiter mitspielen zu können, wird in Deutschland monatelang über 5 Euro monatlicher Zuzahlung für Hartz IV-Bedürftige diskutiert und in Österreich die im Vorjahr beschlossene Mindestsicherung durch die ÖVP wieder in Frage gestellt. Die größten Notenbanken der Welt fluten am Vorabend des EU-Finanzministertreffens die Finanzmärkte mit US-Dollar, worauf am Donnerstag und Freitag die Aktienkurse der Banken massiv steigen und die weltweiten Indizes im Plus schließen. Währenddessen bricht in Griechenland die Wirtschaft weiterhin um mehr als 5 Prozent ein.

Wir befinden uns in einem globalen Casino. Wir alle realisieren gerade, dass Geld eine völlig willkürliche Größe ist. Was ändert sich, wenn die größten Notenbanken der Welt zu Mitte dieser Woche beschließen, die Geldmenge massiv zu erhöhen? Die Zahl der Güter verändert sich nicht. Es gibt keinen Apfel, kein Auto, kein Haus mehr, nur weil plötzlich viel mehr Dollar im Raum sind. Plötzlich stehen einem Kilogramm Äpfel nicht mehr zwei, sondern drei Dollar gegenüber. Was bedeutet das für uns?

Für uns bedeutet das, dass gerade eine massive Umverteilung des Geldvermögens im Gange ist: Weg von den Steuerzahlern, hin zu den privaten Banken. Im Zuge der staatlichen Reaktionen auf die Finanzkrise haben wir den privaten Banken, die mit hohem Risiko ebenso hohe Renditen erzielt haben, das Risiko abgenommen und dafür auch noch Geld gegeben. Dadurch haben die öffentlichen Haushalte nun das höhere Risiko und weniger Geld. So einfach funktionierte die Umverteilung.

Mit dem neuen Geld sind die Banken selbstverständlich weiterhin ihrem bisherigen Geschäft nachgegangen. Sie haben weiter spekuliert. Es wird inzwischen vermutet, dass der aufgeflogene Verlust der UBS von 2 Milliarden US-Dollar dadurch entstanden ist, dass der betreffende Investmentbanker mit Unmengen von Geld auf einen weiter steigenden Franken gewettet hat. Als nun vor Kurzem die Schweizerische Nationalbank den Frankenkurs an den Euro gekoppelt hat, ist diese Wette zusammengebrochen. Nicht nur hatte die UBS damit einen Gewinn realisieren wollen, sie tat es noch dazu auf Kosten der Schweizer Wirtschaft, die unter eben diesem starken Schweizer Franken enorm gelitten hat.

Banken erfinden Geld aus Luft sagte der Wiener Wirtschaftsprofessor Franz Hörmann in einem Interview mit dem „Standard“. Geld ist zu einer virtuellen Größe geworden, die mit der Realität nur noch insofern zu tun hat, dass wir als Marktteilnehmer noch an seinen Wert glauben. Ich bin immer noch neugierig, wie der Übergang zu einer geldlosen Gesellschaft im Zuge der Neunten Welle des Mayakalenders letztendlich ausgehen wird. Ich hatte zunächst mit einem Platzen des Ballons zur Zeit der Fünften Nacht Ende August gerechnet, sehe aber seit längerer Zeit, dass dem Ballon einfach stetig die Luft ausgeht, ohne dass ein schmerzhaftes Platzen noch notwendig wäre. Der Übergang geht schleichend vor sich und die Ereignisse der letzten Woche sind Teile des Weges dorthin.

Mich erinnert die Situation des kapitalistischen Gesellschaftssystems an das schöne Märchen „Des Kaisers Neue Kleider“ von Hans-Christian Andersen. Alle Bürger glauben an des Kaisers neue Kleider, bis sich irgendwann ein kindlicher Erkenntnisprozess durchsetzt. Der kindliche Ausruf „Der Kaiser hat ja gar nichts an!“ entspricht der Erkenntnis „Der Geldschein ist ja nur ein Stück Papier.“ Es ändert sich im Grunde auch nichts, wenn man – wie es hartgesottene Materialisten tun – virtuelles Geld durch hartes Gold ersetzt. Was kann Gold, was Geld nicht kann? Ein gelblich schimmerndes Metall: Warum sollte das von Wert sein?

Auf dem Weg in eine neue Welt haben wir uns von liebgewordenen Gewohnheiten zu verabschieden. Weder Geld noch Gold können uns Sicherheit verschaffen, weder Geld noch Gold können uns retten. Wovor eigentlich? Wovor haben wir Angst? Was fürchten wir? Wir sind sterbliche Wesen in einer vergänglichen Welt. Die Vergänglichkeit vertrauter Gewohnheiten wird uns im Zuge der Neunten Welle Tag für Tag vor Augen geführt. Woran können wir uns noch halten? Geld ist nichts mehr wert, Gold ist nichts mehr wert, was ist dann noch von Wert?

Wenn wir diese Fragen aus einem ganzheitlich erleuchteten Bewusstsein betrachten, dann erfahren wir, dass wir im Grunde keine Angst zu haben brauchen. Wir brauchen nichts mehr, woran wir uns klammern müssen, wir brauchen nichts mehr, was uns Halt von Außen gibt. Wir finden unseren Halt von Innen, aus unserem ganzheitlichen Bewusstsein heraus. Und daher ist es auch völlig egal, ob das Geldsystem zusammenbricht, es ist völlig egal, ob Greichenland „Pleite geht“, es ist völlig egal, ob ein einzelner Bankbeamter Milliarden von Dollar verzockt.

Es ist egal, ob der Nachbar mehr Geld hat als ich, es ist egal, ob die Steuer steigt. Wichtig ist, dass wir in der Lage sind, dieses Leben im Einklang mit unserer Umgebung erfüllt zu leben. Dieses System des eingeschränkten Bewusstseins hat genügend Leid über die Welt gebracht. Jetzt ist es an der Zeit, uns von der Anklammerung an dieses System zu verabschieden. Der materielle Kapitalismus hat einen Zustand erreicht, der nur noch als pervers, absurd, grotesk und lächerlich bezeichnet werden kann. „Der Kaiser hat ja gar nichts an!“

Zum Abschluss möchte ich zu diesem Thema einen Artikel posten, den ich vor Kurzem über Facebook entdeckt habe. Es ist der neueste Beitrag des großartigen Satiremagazins „Der Postillon“ mit dem Titel: „Spekulation auf den eigenen Staatsbankrott könnte Griechenland retten„. Er ist irreal und gleichzeitig völlig real, genau so wie das gesamte dahinterliegende System. „Der Kaiser hat ja gar nichts an!“ Ich wünsche viel Vergnügen.

Advertisements

7 Antworten to “Tag 194”

  1. Pepperasta Says:

    Ist doch nur Geld …
    😉

  2. Verena Borer Says:

    Für mich tönt es nicht nach Casino, sondern nach russischem Roulett, niemand weiss wen es trifft und wann es trifft. Umstellen auf Lichtnahrung, von aussen wie von innen ist erstrebenswert.
    Danke Peter für deinen Blog.

  3. Andy_Mainstream Says:

    Die Preise werden steigen, den in erster Linie bestimmt die Geldmenge und dann erst Angebot und Nachfrage den Preis. Aber ich hoffe das es sich bald erledigt hat und wir uns auf die wahren Werte besinnen.

    LG Andy_Mainstream

    P.S. Weiterhin „Gute Reise“

  4. anginia Says:

    Hallo Peter,

    ich finde deinen Artikel ganz interessant, von der ‚Prophezeiung‘ der geldlosen Gesellschaft höre ich zum ersten Mal. Kannst du mir ein paar Links schicken, wo ich weitere Informationen finde bzw. kurz erklären wie das funktionieren soll? Ich meine Geld ist nicht das Problem, das Geldsystem allerdings schon, man könne ja ganz anders mit Geld umgehen… Danke im Voraus

    • Peter Wurm Says:

      Hallo Anginia,

      die geldlose Gesellschaft ist keine Prophezeiung, sondern eine persönliche Vision von mir. Wenn man bedenkt, dass sich Geld vom Tauschmittel zum Selbstzweck entwickelt hat, der sich nun gerade ad absurdum führt, dann stellt sich die Frage, was in einem Zustand der ganzheitlichen Bewusstseinserleuchtung danach kommt und ob wir überhaupt noch Tauschmittel brauchen. Ich habe im Laufe dieses Tagebuchs in diesem Blog vor allem in früheren Einträgen sehr oft darüber geschrieben, wie ich mir diese Entwicklung vorstelle.

      Liebe Grüße

      Peter

    • Tyler Says:

      Wenn Du was zur geldlosen Gesellschaft wissen möchtest kann ich dir hier dieses Interview mit Franz Hörmann empfehlen

  5. Susanne Says:

    Ich Danke Ihnen für Ihre Arbeit, für Ihre Offenheit, für Ihre Sichtbarkeit.


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: