Tag 190

14/Sep/2011

Heute befinden wir uns am Mittelpunkt des Sechsten Tages der Neunten Welle. In den Radionachrichten des ORF habe ich heute Früh vernommen, dass nun die Slowakei als erstes Euro-Land ein Veto gegen weitere Hilfen an Griechenland einlegen wird. Obwohl die Ministerpräsidentin die Zahlungen befürwortet, können sich die Koalitionsparteien nicht darauf einigen. Da die Slowakei eine europaweite Einigung blockieren kann, ist nun das Griechenland-Paket als Gesamtes gefährdet.

Auch in Deutschland wird der Widerstand gegen den bisherigen Weg immer größer. Die „Süddeutsche Zeitung“ fasst das in ihrer Spitzenmeldung wie folgt zusammen: „Streit um Griechenland-Insolvenz: FDP ignoriert Merkels Machtwort – Es kracht gewaltig in der Berliner Koalition: Die Liberalen zeigen sich von Kanzlerin Merkels Mahnungen unbeeindruckt – und legen in der Debatte um die griechische Schuldenkrise nach. FDP-Generalsekretär Lindner springt seinem Parteichef Rösler bei und spricht sich gegen ein ‚Schweigegelübde‘ aus – eine Insolvenz Griechenlands sei nicht auszuschließen.“

In der Krise bietet sich nun China als Retter in der Not an: „Schuldenkrise: China bietet Europa und USA Finanzspritze an – Europa und Amerika leiden unter gigantischen Schulden, China gibt den Retter in der Not. Premier Wen Jiabao bietet Europa und den USA neue Investitionen an – verlangt aber Gegenleistungen: Die EU soll das Boom-Land endlich als Marktwirtschaft anerkennen, die USA sollen Exporte erleichtern.“ So berichtet der „Spiegel“ in seiner heutigen Spitzenmeldung.

Wir haben ab heute noch genau 44 Tage bis zum Ende der Neunten Welle. Ich bin überzeugt, dass es bis dahin zu einer Entscheidung über das Schicksal des Euro gekommen sein wird. Die Absicht dieses Blogs liegt darin, die gesellschaftliche Entwicklung im Laufe der Neunten Welle aus meiner persönlichen Sicht zu dokumentieren und nachvollziehbar zu machen. Wer hat wann was gesagt und wie ist es danach weitergegangen?

Eine meiner absoluten Lieblingssendungen im Fernsehen ist die „Tagesschau vor 20 Jahren“, die täglich spätabends von einem Satellitenprogramm der ARD ausgestrahlt wird. Ich schaue mir diese Sendung immer wieder an und verfolge sie begeistert. Diese direkte Form von dokumentierter Geschichte fasziniert mich. Meine Liebste sitzt dabei oft neben mir und wird erst dann ein wenig unruhig, wenn ich mir zum Abschluss der Sendung selbst den Wetterbericht vor zwanzig Jahren zu Gemüte führe. Ich finde es unglaublich faszinierend, mit dem Abstand von zwei Jahrzehnten die damals aktuellen Nachrichten zu betrachten. Mit dem Wissen über den späteren Ausgang der Ereignisse erscheinen die Meldungen in einem völlig neuen Licht.

Dasselbe gilt für diesen Blog. So sehr ich beim Verfassen Wert auf Aktualität und Gegenwärtigkeit lege, so sehr wird in der Gesamtschau eine Entwicklung deutlich. Wie lange wurde über Fukushima berichtet, ab wann wurde die Griechenland-Krise dramatisch, wie war der Verlauf an den Finanzmärkten? Im zeitlichen Abstand wird danach deutlich, wohin die Reise gegangen ist und wer dabei welche Rolle gespielt hat. Vielleicht werden wir in zwanzig Jahren ebenfalls zurückblicken können und sagen: Ja, das war der Beginn der Neuen Welt!

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2 Antworten to “Tag 190”

  1. Tabitha Says:

    …davon bin ich überzeugt 🙂

    Grüße
    Tabitha

  2. Magdalena Says:

    Neues Interview mit Calleman !!! 😀

    http://www.redicecreations.com/radio/2011/09/RIR-110913.php


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