Tag 179

03/Sep/2011

Morgen geht die Fünfte Nacht der Neunten Welle zu Ende. Sie war für mich weniger katastrophal als befürchtet, hat aber doch wie erwartet das Übergreifen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft gebracht. Jetzt warnt sogar die Weltbank vor einer neuen Rezession: „Globale Konjunktur: Weltbank-Präsident warnt vor neuer Rezession – Schuldenkrise in Europa, Abschwung in den USA, Inflationsgefahr – Weltbank-Präsident Zoellick sieht deutliche Anzeichen für eine neue globale Rezession. Auf einer Konferenz in China warnte er: Schon im Herbst wird die Weltwirtschaft ‚in eine neue gefährliche Phase eintreten‘.“ Das berichtet der „Spiegel“ heute in seiner Online-Ausgabe.

Diese Entwicklung ist laut Zoellick nicht auf den Westen beschränkt, sondern dehnt sich auf die ganze Welt aus. Die „Financial Times Deutschland“ zitiert ihn folgendermaßen: „Düstere Prognose: Weltbankpräsident sieht ’neue Gefahrenzone‘ – Angesichts von Konjunkturabkühlung und Börsenturbulenzen erwartet Robert Zoellick schwierige Zeiten. Schuld sind die Krisen in Europa und den USA, aber auch die unsichere Zukunft Chinas: Das asiatische Land könnte seine Rolle als Wachstumsmotor einbüßen.“

Die Lage sieht insgesamt nicht gut aus für das herrschende System. Der „Spiegel“ schreibt dazu: „Die Börsen straucheln, der US-Arbeitsmarkt lahmt, es droht eine neue Rezession. Jetzt spüren auch Großbanken die Folgen der Krise: Sie haben viel zu wenig Geld zurückgelegt, kämpfen mit gigantischen Risiken, und nun ermitteln auch noch US-Behörden. Die goldene Ära der Finanzindustrie geht zu Ende.“

Der Sechste Tag der Neunten Welle, der am Montag beginnt, wird die Transformation wieder aktiv vorantreiben. Ich erwarte mir daher eine neuerliche Talfahrt der Aktienmärkte, wie sie schon gestern begonnen hat. Mit dieser Erwartung bin ich nicht alleine. Die FTD fasst es heute wie folgt zusammen: „Wochenausblick: Anleger zittern vor schwarzem September.“ Auch im Zinsbereich wird sich Manches bewegen. Das „Handelsblatt“ schreibt zu diesem Thema: „Trichet unter Druck: Experten drängen EZB zur Zinssenkung – Immer lauter werden die Stimmen, die Notenbankchef Jean-Claude Trichet eine Senkung des gerade erst angehobenen Leitzins empfehlen. Der Druck auf die Europäische Zentralbank wächst.“

Das sind alles sehr gute Nachrichten. Ich habe, wie ich hier bereits geschrieben habe, in meiner Ungeduld gewettet, dass Mitte September das Geld nichts mehr wert sein und daher der Zinssatz als Preis des Geldes bei Null liegen wird. In den USA ist es schon so weit, in der Schweiz ist der Zinssatz sogar negativ geworden. Das halte ich für fabelhaft, weil es das Ende des zinsgetriebenen Wachstumswahns bedeutet und ganz automatisch das Bedingungslose Grundeinkommen finanzieren kann. Der Wandel zu einem neuen Wirtschaftssystem ist bereits in vollem Gange.

Das Schöne an der bisherigen Entwicklung ist, dass wir im Grunde gar nichts Neues erfinden müssen, sondern nur das Bestehende zu verändern brauchen. Einfach gesagt sind mit einem weltweiten Negativzins alle Probleme gelöst, weil dadurch die materielle Ausbeutung des gierigen „Immer Mehr Haben Wollens“ zu einem Ende kommt. Der Negativzins sorgt ganz automatisch für Verteilungsgerechtigkeit zwischen denen, die viel und wenig haben. Mehr ist zunächst auf dem Weg zu einer geldlosen Gesellschaft nicht zu verlangen.

Der Weg dorthin ist für die Anhänger des bisherigen Systems jedoch mit Steinen gepflastert, wie man in Europa am Beispiel Griechenlands sehen kann. Täglich kommt es an verschiedenen Fronten zu neuen Konflikten, wie die FTD berichtet: „Umschuldung: Portugals Banken wollen Griechen nicht retten – Griechenlands Finanzminister Venizelos wird ungeduldig: Wollen sich Europas Banken an einer Umschuldung des Landes beteiligen oder nicht? Aus Portugal fing er sich bereits drei Absagen ein. Andere Banken könnten folgen.“

Grund dafür ist, dass es um Griechenland schlechter bestellt ist, als es den herrschenden Kräften lieb sein kann, wie die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt: „Griechenland räumt höheres Defizit ein: Land außer Kontrolle – Um die Staatsfinanzen Griechenlands ist es schlechter bestellt als angenommen. Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds ist vorzeitig aus Athen abgereist. Jetzt muss Griechenland nacharbeiten – und hat nur wenige Tage Zeit.“ Dieser Konflikt zwischen Griechenland und den Geberorganisationen ist inzwischen so weit eskaliert, dass der Kommentator in den gestrigen „Tagestehemen“ der ARD seinen dazugehörigen Bericht mit den Worten schloss: „… doch Griechenland mißbraucht diese Garantie.“

Solange wir am zinsbasierten Schuldgeld hängen wie der Junkie an der Spritze, werden die Konflikte eskalieren. Wir fürchten stets, zu wenig zu haben und geben Anderen dafür die Schuld. Die Neunte Welle ist dabei, diesen Zustand zu transformieren und ich erhoffe mir vom Sechsten Tag ab Montag einen wirklichen Durchbruch in diesem Prozess. „Land außer Kontrolle“ schreibt die „Süddeutsche“ über Griechenland. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Das System ist inzwischen völlig außer Kontrolle und das Chaos wird sich noch intensivieren. Ich bin mit diesem Zustand völlig im Reinen. Denn, wie es Mario Andretti, der Formel 1-Weltmeister des Jahres 1978, sagt: „When everything is under control, you are going too slow.“

13 Antworten to “Tag 179”


  1. Globale Liquiditätsfalle

    Sicher ist, dass die Weltwirtschaft insgesamt wieder anfangen wird zu schrumpfen, dass der Schrumpfungsprozess schneller ablaufen wird als 2009, und dass die hohe Politik keine Möglichkeit mehr hat, den Prozess zu verlangsamen oder gar aufzuhalten:

    http://www.swupload.com//data/Boerse110903.pdf

    Es gibt keinen „sicheren Hafen“ mehr für die Anleger, denn auch die Staatsanleihen gelten nicht mehr als sicher! Weitere staatliche „Konjunkturpakete“ sind nicht mehr zu finanzieren, es kommt zu Bank-Runs, Massenentlassungen, allgemeiner Hoffnungslosigkeit, einem fortschreitenden Zusammenbruch der globalen Arbeitsteilung in rasendem Tempo, während die hohe Politik bis zur totalen Handlungsunfähigkeit gelähmt wird.

    Das erscheint zunächst als ein negativer Ausblick, der jedoch positiv zu werten ist, denn der endgültige Zusammenbruch des noch bestehenden, kapitalistischen Systems ist die Voraussetzung dafür, dass der Glaube an dieses System verloren geht und die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) überwunden werden kann:

    http://www.deweles.de/willkommen.html

    • kat.Diakon Says:

      Ich weiß nicht ob Krieg und Hungersnot so erstrebenswert sind. Ich bin immer wieder überrascht über die Blindheit so mancher verwöhnter wohlstandskinder.Glaubt ihr wirklich das die Reichen ihr Geld ohne weiteres loslassen.Oder haben sie nicht schon längst Vorkehrungen getroffen für einen eventuellen Notstand.Krieg! oder……

  2. closed Says:

    Die sachen werden trotzdem da sein.. nur weil man damit kein geld mehr verdient muss das nicht heißen das keiner motivert wäre sich sein brot zu machen.. ich würde sowieso erstmal einfach vornab raten sich nahrung zu beschaffen und bunkern sodas man 2 wochen klar kommt.. der rest wird sich dann zeigen.. die jungs in indien können das doch auch.. wieso also du nicht.. oder kannst du nicht von wasser und brot leben?!.. aller anfang ist schwer.. :)..dont worry, be happy..

    • kat.Diakon Says:

      Ich schon .Komm ja auser einer Zeit wo ich das lange genug schon musste.Und wie gesagt ich bin umgeben von Seen und Bächen . Mit Fischen und Landwirtschaft kenne ich mich aus. Außerdem ist eines meiner Hobbys das Bogenschießen. Aber was machen die Menschen in der Stadt ?

  3. Magdalena Says:

    @ katholischer Diakon

    Die „Reichen“ können ohne uns überhaupt nix tun!!! Einfach nicht mehr mitspielen, dann fallen sie auf die Schnauze…

    • kat.Diakon Says:

      Ich kann mich nicht erinnern das die Reichen im Laufe der Geschichte einmal auf die Schnauze gefallen sind.Die Last musste immer das Volk tragen.


  4. Wer gegen „die da oben“ schimpft, um sich damit „wichtig“ zu machen (typische Proleten-Mentalität), hat noch gar nichts verstanden und will auch auch nichts verstehen, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, selbst Verantwortung zu übernehmen.

    Tatsächlich sind die heutigen „Verantwortlichen“ für nichts verantwortlich zu machen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Je höher die „gesellschaftliche Position“ in einer a priori fehlerhaften (kapitalistischen) Makroökonomie, desto geringer ist das Begriffsvermögen des jeweiligen Patienten gegenüber der einzig denkbaren Möglichkeit des zivilisierten Zusammenlebens (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus). Darin zeigt sich die ganze Macht der Religion, die unabhängig von „Glaube“ oder „Unglaube“ die tiefsten Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste aller unbewussten Menschen steuert, die den Erkenntnisprozess der Auferstehung noch nicht durchlaufen haben:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/08/die-7-plagen.html

    • kat.Diakon Says:

      Du nennst die Angst des Fleißigen Volkes Proleten-Mentalität. Mit einem solchen Charakter darfst du nicht erwarten das du etwas von der Göttlichkeit in dir und um dich herum wahrnimmst. Du musst ja, klarerweise alle Religionen fürchten. Denn sie könnten ja ein wenig Licht in deine Verstandeskeller bringen und deine Augen sind darauf nicht vorbereitet . Es stimmt also doch : Ehe ein Reicher ins Himmelreich eingeht ,geht ein Kamel durch ein Nadelöhr !!!

  5. Rosmarie Says:

    Lieber Diakon.
    Deine Frage:“ was wird die Bevölkerung in der Stadt machen“, finde ich berechtigt, Ich denke die werden dich auf dem Land besuchen, dir helfen deine lustigen Forellen zu fangen und zu essen. Kann sein dass sie ihre Schweizer Armeemesser dabei haben. Achte darauf viel Vorrat bereitzustellen, denn sie werden in grosser Zahl ankommen.
    Du hast gefragt zu welcher Religion ich mich zähle. Meine Antwort: zu Keiner, zu Allen, weil wir alle Eins im Schöpfer sind.
    Weil heute Sonntag ist eine Priese Kinderlogik. Mein sechsjähriger Enkel fragte seine Mutter: „Mama, du sagtest dass Gott alles erschaffen hat. Wenn das stimmt, dann müsste Er dabei gewesen sein als man das Auto erfunden hat, oder!? ( seine Eltern fahren Övs, nur selten für Transporte mieten sie ein Auto)

  6. kat.Diakon Says:

    Muss wohl ein neuer Gott sein ?

  7. Magdalena Says:

    Ehe ein Reicher ins Himmelreich eingeht, geht ein Kamel durch ein Nadelöhr !!!

    LOL

    Diesen Spruch haben doch die „Reichen“ selbst erfunden, um die Sklaven doppelt abzocken zu können… 😀

  8. Kerstin Says:

    Hallo Diakon,
    das was du beschreibst kommt mir sehr bekannt vor.

    Ich hatte das Glück von ganz tollen Großeltern, die uns als ihre Enkelkinder beibrachten, wie man mit wenig auskommt, welche Narung im Garten wachsen kann und wie , wann geerntet wird und wie es haltbargemacht wird,
    auch das Kartoffeln und Möhren stoppeln in den Herbstferien gehörte dazu und das wichtigste….Nächstenliebe, teilen, gemeinsames tun.
    Wir Kinder bündelten Petersilie und Schnittlauch , Blumen verkauften diese Stäuße vor der Kaufhalle, für ein paar Groschen( heute undenkbar, Nebenjop, Standgebühr usw.)
    Das eingenommene Geld wurde geteilt. Heute bin ich doppelt Dankbar, kann ich doch auf dieses Wissen zurückgreifen und so Vorräte schaffen die noch dazu einen tatsächlichen Nährwert besitzen.
    Viele Menschen in den Großstädten haben auch einen Garten, da gibt es viele Möglichkeiten.
    Wir werden zusammenrücken, klar, uns gegenseitig helfen.. sollte kein Problem sein, in der neuen Zeit, geht es doch auch genau darum. Es war auch nicht die Rede das es einfach werden wird und ohne Anstrengung , körperlich,
    -eben positiver Streeß wie es die Psychologen nennen.

    Auch habe ich die Möglichkeit regelmäßig Wochenenden ohne Strom, nur mit Regenwasser und Gaskocher zu genießen. Ich liebe diese Einfachheit und die Nähe zur Natur.

    Ich wünsche uns allen das es gelingt die neue Zeit harmonisch, vielfältig und vorallem friedlich zu gestalten.
    Egal welchen Glauben der einzelne hat.

    Es ist immer noch warm, sehr warm und morgen beginnt ein neuer Tag, ich bin zuversichtlich und habe Vertrauen.

    Herzliche Grüße Kerstin(Glüh…)

  9. kat.Diakon Says:

    Das hoffe ich auch,und wünsche dir alles liebe und gute!


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: