Tag 172

27/Aug/2011

Der Chef der Federal Reserve, Ben Bernanke, hat gestern bei seiner Rede in Jackson Hole keine Entscheidung verkündet, sondern nur angekündigt, mögliche Maßnahmen auf dem nächsten Treffen der US-Notenbanker am 20. September zu besprechen. „Bernanke zögert mit einer neuen Geldspritze – Wenige Worte des Fed-Chefs hätten die Märkte glücklich gemacht. Doch Bernanke verweigert die Zusage, die Wirtschaft mit der Geldspritze vor der Rezession zu retten. Erst müsse die Politik handeln, in Amerika und Europa.“ schreibt das „Handelsblatt“ dazu. Den US-Aktienbörsen schien dieses Statement fürs Erste zu genügen, der Dow Jones schloss gestern mit 1,21 Prozent im Plus.

Die USA stehen derzeit im Bann des Hurricans „Irene“, der die Ostküste bedroht. „New York geht in Deckung“ berichtet der „Spiegel“. „Die größte Stadt der USA im Ausnahmezustand: Angesichts der Bedrohung durch den Hurrikan ‚Irene‘ hat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg Zwangsevakuierungen angeordnet. Mindestens 250.000 Einwohner in niedrig gelegenen Gebieten sind nach Behördenangaben von den Räumungen betroffen. Es ist Bloomberg zufolge das erste Mal, dass eine solche Maßnahme in New York ergriffen werde. Doch gehe es ‚um Leben oder Tod‘. Alle betroffenen Menschen müssen demnach am Samstag vor 17.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) ihre Häuser verlassen haben.“

Zum Mittelpunkt der Fünften Nacht ist es gestern im mexikanischen Monterrey auch zu einem Brandanschlag auf das städtische Casino gekommen, bei dem 53 Menschen getötet wurden. Die Behörden vermuten, dass die mexikanischen Drogenkartelle hinter diesem Gewaltakt stehen und das Casino ausgewählt hätten, weil es kein Schutzgeld bezahlen wollte. Gestern wurde in den deutschsprachigen Nachrichten ausführlich darüber berichtet, heute ist diese Meldung bereits wieder verschwunden. Dafür berichtet ORF-Online über den Terroranschlag auf ein UN-Gebäude im nigerianischen Abuja mit mindestens 18 Toten.

Auch in Libyen ist der zerstörerische Krieg immer noch im Gange. Die Rebellen haben noch immer nicht das ganze Land unter ihre Kontrolle gebracht, vor allem manche Stadtteile von Tripolis sowie einige Orte an der Mittelmeerküste sind noch heftig umkämpft. Heute Früh hörte ich im ORF-Radio, dass Revolutionsführer Gaddafi das Land in einem geheimnisvollen Autokonvoi Richtung Algerien gerade verlassen hätte.

Was die wirtschaftliche Situation betrifft, so habe ich gestern zwei interessante Artikel auf Facebook entdeckt. Der „Daily Telegraph“ berichtet, dass sich die Anzeichen für einen bevorstehenden Crash mehren: „Market crash ‚could hit within weeks‘, warn bankers – A more severe crash than the one triggered by the collapse of Lehman Brothers could be on the way, according to alarm signals in the credit markets.“ So würden sich beispielweise die Versicherungskosten für Wertpapiere der Royal Bank of Scotland bereits über jenem Niveau bewegen, als im Zuge der Finanzkrise von 2008 der Staat einspringen musste, um die Bank zu retten. „‚The problem is a shortage of liquidity – that is what is causing the problems with the banks. It feels exactly as it felt in 2008,‘ said one senior London-based bank executive. ‚I think we are heading for a market shock in September or October that will match anything we have ever seen before,‘ said a senior credit banker at a major European bank.“

Und der „Spiegel“ berichtete gestern über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschsaft: „Dax-Turbulenzen: Wie aus einem Börsencrash eine Rezession wird – Der August war für den Dax verheerend, die Kurse brachen um mehr als 20 Prozent ein. Dabei könnte es bald noch schlimmer kommen: Die Angst an den Börsen droht die Realwirtschaft zu erfassen, Deutschland steht vor einem neuen Abschwung.“

Beide Berichte bestätigen die Prognose des Mayakalenders, dass wir uns seit Anfang August im Zusammenbruch des kapitalistischen Wirtschaftssystems befinden, der sich in der nächsten Zeit weiter fortsetzen und auf die Realwirtschaft übergreifen wird. Zum Abschluss möchte ich hier noch einen dazu passenden Bericht aus der gestrigen „Financial Times Deutschland“ zitieren: „Lage in Griechenland schlimmer als gedacht – Die Wirtschaftsleistung wird laut Finanzminister Venizelos dieses Jahr um mehr als 4,5 Prozent einbrechen.“

Es verspricht also, spannend zu bleiben.

Advertisements

2 Antworten to “Tag 172”


  1. Zinsumverteilung

    Die Ursache der „Finanzkrise“ (korrekt: globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon), eine seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung, die gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommen wurde und die sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten zu einer exponentiell steigenden Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) führt, ist so einfach, dass sie von jedem verstanden werden kann, der zumindest über einen Hauptschul-Abschluss verfügt.

    Wenn wir davon ausgehen, dass alle „Spitzenpolitiker“ zumindest über einen Hauptschul-Abschluss verfügen, stellt sich die Frage, warum dieses unsere Volkswirtschaft immer weiter zerstörende Negativprinzip von den „Volksvertretern“ (jeder sinnfreien politischen Ideologie) nicht verstanden wird. Dabei ist zu beachten, dass Politiker nicht etwa, wie manche Verschwörungstheoretiker glauben, das (noch) bestehende Unrechtssystem aus „bösem Willen“ aufrechterhalten, sondern sie sind tatsächlich unfähig, z. B. die folgenden Ausführungen des Wirtschaftsmathematikers Prof. Jürgen Kremer zu verstehen:

    http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf

    Es ist irrelevant, was die Politik in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) unternimmt. Gegen die „Windmühle“ der Zinsumverteilung ist sie machtlos. Sie kann weder die kapitalismusbedingte Massenarbeitslosigkeit „bekämpfen“, noch eine „Energiewende“ herbeiführen, solange alle Geldersparnisse nicht auch ohne Zins (genauer: Urzins bzw. Liquiditätsverzichtsprämie) in neue Sachkapitalien (z. B. Solarkraftwerke und Recycling-Anlagen) investiert werden können. Zusätzliche Verwirrung stiften ist das Einzige, was die „hohe Politik“ auszurichten vermag, und darum konnte „der Staat“ in der Modellrechnung auch weggelassen werden.

    Dass dennoch eine sogar steigende Nachfrage nach politischer Einflussnahme besteht, stellt auch den „Hauptschul-Abschluss“ der Wähler in Frage. Und auch hier liefert der „böse Wille“ keine Erklärung, denn die Zinsgewinner sind immer in der Minderheit. Stellen wir die Frage also anders: Wie viel kollektiver Wahnsinn ist nötig, damit eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in „God´s own country“ schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie die freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus, die „ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht“ (Zitat: Silvio Gesell), bis heute nicht verstehen konnte? Vor dem eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation (Natürliche Wirtschaftsordnung = echte Soziale Marktwirtschaft) steht die Überwindung der Religion:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/08/grande-finale.html


  2. Den Artikel möchte ich euch zusätzlich empfehlen:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,782089,00.html
    „Hinter dem Goldboom der vergangenen Jahre steckt mehr als nur Spekulation. Mit der Staatsverschuldung wächst auch die Angst vor einem Währungskollaps. Im Internet hat sich längst eine Gemeinde überzeugter Untergangsanhänger gebildet. Ein Besuch bei den Apokalyptikern.
    „Wir sind in der Endphase“, sagt Fröhlich und klingt dabei so gefasst, als würde er über die jährliche Autoinspektion reden. Das heutige Papiergeld, ob Euro oder Dollar, werde vermutlich bald wertlos sein. „Damit ein neues System entsteht, muss die Weltwirtschaft aber wohl erst komplett zusammenbrechen, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg,“ Und dann? Dann kommt die Stunde des Goldes.—“
    *


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: