Tag 161

16/Aug/2011

Heute treffen einander Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Paris, um über die weitere wirtschaftspolitische Vorgehensweise zu beraten. Die hochgesteckte Erwartung in dieses Treffen war der vermutete Grund für die leichte Erholung der europäischen Aktienmärkte in den letzten Tagen gewesen. Im Vorfeld haben nun die deutschen Medien in aller Breite Stimmung dafür gemacht, dass Angela Merkel ihren Widerstand gegen die Einführung von Eurobonds aufgeben solle.

Bei Eurobonds geht es kurz gesagt um die Vergemeinschaftung der Schuldenaufnahme. Während bisher jedes europäische Land eigene Anleihen ausgibt, die es in der „Fremdwährung“ Euro zurückzahlen muss, könnten in Zukunft gemeinsame europäische Anleihen ausgegeben werden. Vor allem die FDP stemmt sich in Deutschland massiv gegen die Einführung gemeinsamer Anleihen und droht seit dem Wochenende offen mit dem Bruch der Koalition, weil sie für Deutschland Verteuerungen erwartet. Die veröffentlichte Meinung jedoch scheint inzwischen umzuschwenken: „Bislang waren es einige wenige Länder am Rand der EWU, die Probleme bereiteten. Nun aber schwappt die Krise auf Italien, Spanien, vielleicht gar Frankreich über – und damit auf Kerneuropa.“ schreibt beispielsweise die „Süddeutsche Zeitung“ unter dem Titel „Debatte um Eurobonds – warum Deutschland lieber zahlen muss“ und schließt den Artikel mit den Worten: ‎„Für Deutschland aber steht weit mehr auf dem Spiel als nur eine Kanzlerschaft.“

Heute erschüttern neue Nachrichten aus dem Gebiet der Wirtschaft die europäischen Medien: „Konjunktur in Deutschland kühlt merklich ab“ titelt der „Spiegel“ und die „Financial Times Deutschland “ schreibt: „Deutscher Wirtschaft geht die Puste aus“. Im zweiten Quartal 2011 war die Wirtschaftsleistung nur noch um 0,1 Prozent gestiegen. Der DAX fällt daraufhin heute Vormittag bis 11:00 Uhr wieder um minus 2,4 Prozent.

Der Kapitalismus zerstört sich selbst“ betitelte gestern die „Berner Zeitung“ eine Analyse des derzeitigen Wirtschaftssystems. Zur Zeit horten US-Unternehmen mehr als 2.000 Milliarden Dollar. Das entspricht auch dem Bericht des österreichischen EZB-Ratsmitglieds, Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny letzte Woche im „Standard“, in dem er davon spricht, dass europäische Banken derzeit Unsummen an Geldern bei der EZB parken, was Nowotny für äußerst gefährlich hält. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo ein Großteil der Marktteilnehmer nicht mehr weiß, wohin mit seinem Geld. Ich halte dies für den Beginn des logischen Endes des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Die „Berner Zeitung“ zitiert dazu abschließend einen Kommentar des US-amerikanischen Ökonomen Nouriel Roubini im „Wall Street Journal“: „All dies ist keine Frage der Ideologie mehr und es geht auch nicht um Fairness oder Moral. Wer das System retten will, muss jetzt handeln. ‚Die Märkte funktionieren nicht mehr‘, sagt Roubini. ‚Der Kapitalismus ist im Begriff, sich selbst zu zerstören.'“

Bei der Entwicklung von Alternativen sind wir inzwischen schon weit gekommen. Die wirtschaftspolitischen Programme dazu schießen wie Pilze aus dem Boden. „dein optimismus ist beneidenswert und macht doch immer wieder hoffnung…“ kommentierte dazu meine Facebook-Freundin Petra meinen gestrigen Artikel, in dem ich von meiner Vision eines „spirituellen Kommunismus “ schrieb. Ich glaube, dass es sich genau darum dreht. Theologisch gesprochen geht es um eine Verbindung des Weltbilds des Buddhismus mit dem Optimismus des Christentums. Das ist jedoch eine der schwierigsten Herausforderungen, die diese Welt zu bieten hat. Nietzsche hat es versucht und ist dabei wahnsinnig geworden.

Ich bin dankbar dafür, dass ich die Analyse des Mayakalenders gefunden habe, die einen raumzeitlichen Rahmen für dieses Vorhaben anbietet. Wenn wir uns auch in nächster Zukunft dem Höhepunkt des Chaos nähern werden, so kann ich aufgrund des Ablaufs der Neunten Welle darauf vertrauen, dass der Ausgang dessen ganzheitlich erleuchtet sein wird. Wenn sich die Menschheit als reif für den kosmischen Plan erweist, dann haben wir in zwei bis drei Monaten das Schlimmste überstanden. Inzwischen aber fließt seit letztem Wochenende aus einer kaputten Bohrinsel wieder Öl in die Nordsee.

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8 Antworten to “Tag 161”

  1. molinier Says:

    irgendwie waere es schön eine form zu finden um dies zu begehen, diese drei monate.

  2. ingo Says:

    Ach, es ist doch ganz leicht optimistisch zu sein. Man kann z.B. anfangen, die Verbreiter schlechter Nachrichten, die sogenannten, klassischen „Medien“ zu ignorieren.

    Statt dessen richtet man einfach seine Wahrnehmung nach Innen, denn alle Antworten auf Fragen, die man hat, sind sowieso in einem selbst schon enthalten…

  3. kat.Diakon Says:

    Mir scheint ,das gerade der menschliche versuch dieser biblischen alten Schöpfung, das Kleid der neuen Schöpfung in Christus anzuziehen ,immer wieder von vornherein zum scheitern verurteilt ist. Christus sagt ganz klar im Evanglium :“Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.Und Gott wird diese Schöpfung ausziehen wie ein zu eng gewordenens Kleid .Wenn er aber sein neues Kleid der Schöpfung überstülpt werden nur die daran teilnehmen die nach seinen willen an Christus geglaubt haben.Wer daran glaubt, sollte Christus nicht für seine Ungeduldigen selbst gebastelten Heilsgedanken missbrauchen.

    • Peter Wurm Says:

      Lieber katholischer (?) Diakon,

      ich freue mich sehr, dass du dich an der Diskussion beteiligst 🙂

      „Weh Euch, ihr Schriftgelehrten, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr laßt auch die nicht hinein, die hineingehen wollen. Weh Euch, ihr Schriftgelehrten, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen. Und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst. Weh Euch, ihr seid blinde Führer!“ (Mt 23,13-16)

      Vielleicht doch lieber so, lieber katholischer Diakon: „Laßt die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich!“ (Mt 19,14)

      Liebe Grüße

      Peter

      • kat.Diakon Says:

        Versteh mich bitte nicht falsch .Auch die kirche in ihrem Amt ist immer dieser von mir – Oben- genannten Vesuchung ausgesetzt , das Reich Gottes nicht in seiner von Christus her transupstantiellen Wirklichkeit darzustellen und zu verkünden. Trotzdem ist dieses Reich mitten in ihr in der Gestalt des Leibes Christi gegenwährtig. Die sogenannten Schriftgelehrten haben immer die selben zwei Möglichkeiten wie du und ich, dass Leben in seiner wesentlichen Spritualität zu erkennen und als Auftrag zu verkünden . Ist der Blick auf Christus und seine Wirklichkeit ausgerichtet oder aber schaun wir sehnsüchtig auf das sich im Chaos auflösende Ende einer Materiellen ausgedienten Wirklichkeit.
        Ps .: Lese täglich deine sehr aufschlußreichen Erläuterungen einer für ,leider , nicht alle sehenden Politischen Wirklichkeit , die sich mehr und mehr in ihrer Auflösung begreift , um letztendlich den Weg Freizumachen für einen neuen Menschen. Den Antichrist.

  4. Karen Lee-Lohmann Says:

    Seit Tagen schon poste ich nirgendwo mehr – weil’s nicht spricht. Ich, die Sprachfrau (bin Schriftstellerin) erlebe mich in einem merkwürdigen Schweigen. Als ob sich unter dem Horizont meines Seins etwas vorbereitet – Gegend, die ich sonst zumindest schon poetisch erahnen konnte, verweist mich, nur zu lauschen.
    Nur die Sachen mit den kaputten Bohrinseln, zum Erbarmen schlimm verhungernden Kindern und anderen anfassbaren Wirklichkeiten, denen es Wurst ist, ob ein Geldschein von Gold gedeckt ist oder sich selbst auffrisst, die stellen mich senkrecht in meinen Leib und lassen mich lauthals schreien – jenseits aller Poesie, sondern mitten aus dem Bauch des Lebens!

    Liebgrüße.
    Karen.

  5. T. Says:

    So, so, wir deutschen Steuerzahler sollen also wieder bezahlen? Vielen Dank! Bin ich hier auf einer NWO-Plattform gelandet?

    Die Bürger hier in Deutschland platzen fast vor Zorn über die hochverräterische MERKEL! Nur geäußert hat sich der Zorn bisher noch nicht. Irgendwann läuft aber das Fass über!


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