Tag 155

10/Aug/2011

Den heutigen Eintrag schreibe ich schon wieder kurz nach Mitternacht. Gestern ist am Mittelpunkt des Fünften Tages so viel geschehen, dass ich gar nicht recht weiß, womit ich anfangen soll. Beginnen wir mit der Börse:

„So einen Tag habe ich in vierzig Jahren hier noch nicht erlebt.“ berichtete ein Frankfurter Wertpapierhändler in den ARD-Tagesthemen. Am Vormittag sank der DAX innerhalb von Minuten auf minus 7 Prozent ab, danach drehte er, holte fast den gesamten Verlust auf und schloss am Abend bei minus 0,1 Prozent. Die Schlagzeilen „DAX stürzt ins Bodenlose“ in der „Süddeutschen Zeitung“ und „Deutsche Aktien holen Kursverluste auf“ in der FAZ lagen gestern nur ein paar Stunden auseinander.

Ähnlich verhielt es sich in Österreich. Gestern erhielt ich die folgenden zwei Nachrichten-SMS: „(Ö3-Newsflash 11:13) Wiener Börse: ATX um 6,45 Prozent abgestürzt, rutscht erstmals seit 2009 unter 2.000 Punkte.“ und „(Ö3-Newsflash 18:06) Gewinne an Wall Street ziehen Europas Börsen nach oben. Nach gestrigen Verlusten schließt Wiener ATX mit Plus von 0,56 Prozent.“ Innerhalb von nur sieben Stunden hatte sich die Lage vollkommen verändert.

Genau dasselbe geschah kurze Zeit später in New York. Eineinhalb Stunden vor Börsenschluss lag der Dow Jones bei minus 1,5 Prozent. Am Ende stand er bei plus 3,98 Prozent. Innerhalb dieser neunzig Minuten wurden Milliarden von Dollar produziert. Der Grund dafür lag darin, dass die Federal Reserve am Nachmittag eine Presseaussendung machte, in der sie garantierte, während der nächsten beiden Jahre den Zinssatz unverändert auf dem historischen Tiefststand von 0,25 Prozent zu belassen. Gleichzeitig mit dem Anstieg des Dow stieg auch der Euro, der den ganzen Tag über dahingedümpelt hatte, gegenüber dem US-Dollar von 1,42 auf 1,4396. Der rasante Verfall des Dollar ist der Preis, den die USA dafür zu zahlen haben.

Die Entscheidung der Fed erinnert mich an eine Wette, die ich mit Christoph, einem Finanzmanager laufen habe. Ich habe ihm gegenüber behauptet, dass wir vor dem Ende des Geldes stehen und das kapitalistische System Ende August zusammenbricht. Er widerspricht mir nicht grundsätzlich, ist aber bezüglich des Zeitrahmens skeptisch. Und so haben wir uns überlegt, an welchen Kriterien wir diese Behauptung festmachen könnten. Ich dachte kurz an einen Wert des Dow Jones von weit unter 10.000 Punkten, doch dann hatte Christoph einen besseren Vorschlag: Wenn Geld nichts mehr wert ist, dann gibt es auch keinen Preis des Geldes mehr. Ergo liegt der Zinssatz bei 0 Prozent. Und so einigten wir uns auf den Kreditzinssatz der Eurozone, den Euribor, der derzeit bei circa 1,8 Prozent steht. Christoph behauptet, er steigt auf 2 Prozent, ich behaupte, er sinkt auf 0 Prozent. Am 16. September treffen wir uns zum Wetteinsatz von einem Seidel Bier.

Ben Bernanke macht es mir leicht. Seit der gestrigen Entscheidung der Fed bin ich meinem Wettgewinn einen großen Schritt näher gekommen. Geld ist fast nichts mehr wert und selbst dieser Wert wird im nächsten Monat auf Null fallen, in den USA genauso wie in Europa und auf der ganzen Welt. Es wird auch dazu kommen, was Carl Calleman in der Podiumsdiskussion mit Franz Hörmann zum Thema „Der Mayakalender und das Ende des Geldes“ behauptet hat: The Forgiveness of all Debts. Wir alle werden einander alle Schuld und alle Schulden vergeben. Das ist die Perspektive der neuen Welt, die derzeit unter anderem an den Weltbörsen verhandelt wird.

Die unglaubliche Entwicklung der Aktienmärkte am gestrigen Tag spiegelt wider, was die Neunte Welle des Mayakalenders ausmacht. Die Zeit ist hochfrequent wie niemals zuvor, Entwicklungen geschehen in einer bisher ungeahnten Geschwindigkeit vor sich. Das bringt mich zum nächsten großen Thema des gestrigen Tages, den Unruhen in Großbritannien:

Was vor drei Tagen mit dem Tod eines Zivilisten begonnen hatte, entwickelte sich in kürzester Zeit zu den schwersten Ausschreitungen in der britischen Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. „Großbritannien ist quasi im Bürgerkrieg“ lautet der dazugehörige Kommentar des Schweizer Fernsehens SF. Die Randale, die zunächst auf den Londoner Stadtteil Tottenham beschränkt waren, breiteten sich wie ein Lauffeuer über das gesamte Staatsgebiet aus. Nun steht das ganze Land im Zeichen der Gewalt. „When we realised our democratically leaders can no longer protect us – The financial crisis, phone hacking and now riots. Where once we may have felt rage, now we can feel only impotence.“ schreibt der „Guardian“ in einem Kommentar dazu.

Wir werden angesichts der gegenwärtigen Umstände mit unserer eigenen Ohnmacht konfrontiert. Es ist augenscheinlich niemand da, der uns beschützt. Was geschieht, wenn das Chaos meine Nachbarschaft erreicht? Angesichts dieses Gefühls des Ausgeliefertseins sind wir versucht, uns in das gewohnte duale Urteilsdenken zu retten. In den sozialen Medien werden aufgeregte Diskussionen darüber geführt, wie die Geschehnisse in England zu bewerten sind. In Tunesien, Ägypten, Bahrain, Libyen und Syrien waren es noch Revolutionen, in England sind es Krawalle und Randale. Warum? Premierminister David Cameron sagte gestern in Richtung der revoltierenden Jugendlichen: „Ihr werdet die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen!“ Würde Bashar-al-Assad nicht dasselbe sagen?

Ich glaube, es ist an der Zeit, uns vom dualistischen Denken in den Kategorien von Gut und Böse zu verabschieden. Wir sind im Zuge der Neunten Welle des Mayakalenders auf dem Weg zum ganzheitlich erleuchteten Einheitsbewusstsein. Das Chaos der nächsten Zeit wird uns so sehr durch die Angst treiben, dass wir gar nicht mehr anders können werden, als unsere gewohnten Urteile und Vorurteile aufzugeben. Es geht nicht länger um Bewertungen, weder materiell noch immateriell, sondern vielmehr um die reine Akzeptanz des Gegenwärtigen. Wir haben uns darin zu üben, anzunehmen, was gerade ist. Wir wollen im Einklang sein mit unserer Welt. Die Zustände der heutigen Zeit sind eine notwendige Prüfung auf dem Weg dahin.

2 Antworten to “Tag 155”

  1. Alex Says:

    Ich stimme insofern zu, dass die Geschehnisse der Zeit sehr verwirrend auf uns wirken können und das Geschehen an den Finanzmärkten ist mit Logik kaum noch zu erklären.
    Andererseits bin ich aufgrund meines christlichen Glaubens der Ansicht, dass der Dualismus (gut, böse) das einzige ist, was einem in einer solch relativistischen Welt noch Orientierung gibt. Bestimmte moralische Grundsätze lassen sich nach wie vor anwenden. Doch die vielfältige Abwendung von ihnen führt meines Erachtens nach zu diesem Chaos…

  2. Anna Says:

    Es gibt ja gar kein gut oder böse. Gut oder böse wird nur etwas dem wir den Wert gut oder böse geben. Die Krawalle, die Ausschreitungen, das Börsenchaos ist was es ist: heftige Zeichen der nahenden Veränderungen. Zeichen davon, dass wir uns lange Zeit in einer Sicherheit wiegten die nur eine Illusion war – hauptsächlich in Bezug auf Geld. Ausnahmslos alle haben wir das Geld zu unseren Göttern werden lassen und völlig ausser Acht gelassen, dass wir selbst die Schöpfer unserer Leben sind. Es ist eine sehr spannende Zeit in der wir leben und ich bin froh und glücklich bei solch geschichtsträchtigen Ereignissen dabei sein zu dürfen. Bei dem Gedanken an Ausschreitungen direkt vor meiner Haustür ist mir schon ein bisschen Angst und Bange – aber es findet gerade eine große Reinigungsaktion statt die nicht mehr aufzuhalten sein wird. Wenn erst mal der Rest an Menschen, die noch vor sich hin schlafen, erwachen, dann gibt es kein halten mehr.

    An den Börsen wird noch alles getan um uns zu beruhigen uns in dieser illusionären Sicherheit zu wiegen. Bei vielen Menschen wirkt diese Pille auch noch. Aber wenn die ersten Menschen realisieren, dass sie um ihr Erspartes gebracht wurden aufgrund dieser Geldproduziererei aus dem Nichts, dann wird das wie ein Schneeball sein, der den Berg hinab rollt.

    Nicht wenige werden fallen, weil sie für diese Veränderung nicht bereit sind, weil sie Angst vor ihr haben. Jeder einzelne von uns sollte sich fragen: bin ich bereit? Ich kenne nicht wenige, die nicht bereit sind für diese große Veränderung.

    Es ist nicht böse was da gerade überall auf der Welt passiert, auch ist es nicht gut. Es ist was es ist.
    Genauso wie eine Geburt. Diese bereitet auch Schmerzen, u. U. auch Komplikationen und manchmal stirbt jemand dabei. Aber sie würde niemals als böse bewertet werden – weil im Ergebnis alle Hoffnung in ihr liegt. Auf Leben.

    Ja, wir leben in spannenden Zeiten und ich fühle das Neue bereits überall um mich herum. Entscheidet euch für das Leben und öffnet eure Herzen – denn es ist alles gut so wie es ist.


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: