Tag 152

07/Aug/2011

Der Verlust des AAA-Topratings durch die USA bei Standard & Poor’s beherrscht an diesem Wochenende die Meldungen der Nachrichtendienste. Ich persönlich finde es interessant, dass Standard & Poor’s diese Entscheidung genau am späten Freitagabend bekanntgegeben hat. Die Agentur hätte wie bei anderen Entscheidungen jeden beliebigen Zeitpunkt dafür wählen können, entschied sich aber für den Beginn des Wochenendes, wo die Börsen fast drei Tage lang geschlossen haben. Das zeigt, wie heikel diese Nachricht für alle Beteiligten ist. Wäre die Herabstufung – wie sonst jedenfalls üblich – irgendwann unter der Woche bekanntgegeben worden, hätte das sofort zu einem massiven Kursrutsch an den internationalen Märkten gesorgt. Nun haben alle drei Tage lang Zeit, die Herabstufung zu verdauen, bis morgen Früh die Börsen wieder öffnen. In keinem anderen Fall ist eine Ratingagentur in dieser Weise vorgegangen.

Die ersten Marktreaktionen auf dieses Urteil kommen aus Arabien, wo die Börsen am Sonntag geöffnet haben. „Kursrutsch an arabischen Aktienmärkten“ titelt heute der „Standard“. Besonders betroffen sind jene Staaten, die ihre Währung an den Dollar gebunden haben. Bereits gestern war es in Saudi-Arabien zu einem Einbruch von 5,5 Prozent gekommen. „Nervosität vor Börsenöffnung steigt – Heftige Kursstürze erwartet“ berichtet nun ORF-Online vor dem morgigen Montag.

Neben diesem Thema sorgen die Proteste in Israel an diesem Wochenende für Aufsehen. Hunderttausende demostrieren in Tel Aviv und in anderen Städten des Landes gegen die soziale Ungerechtigkeit, die sich vor allem in der prekären Wohnungssituation niederschlägt. Diese größten Kundgebungen in der Geschichte Israels haben nun die Regierung dazu veranlasst, von ihrer ignoranten Haltung abzugehen und Konsequenzen zu ziehen. Innerhalb eines Monats soll nun eine Kommission eine Lösung des Problems präsentieren.

„Krawalle in London – Tottenham brennt“ lautet die Spitzenmeldung des „Spiegel“. Nach dem Tod eines Mannes, der bei einem Polizeieinsatz erschossen worden war, kam es nun in der britischen Hauptstadt zu den schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren. Auch dieser vergleichsweise kleine Zwischenfall zeigt, wie hochfrequent die Zeit der Neunten Welle inzwischen geworden ist und wie sehr die menschliche Gesellschaft darauf reagiert. Wir leben in nervösen Zeiten. Gerade deswegen kommt es darauf an, sich zu besinnen, wohin diese Reise gehen soll.

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3 Antworten to “Tag 152”

  1. strolche Says:

    Ja die Unruhen greifen um sich, Israel und jetzt London. Im sozialen Brennpunkt gibt es Plünderungen, brennende Autos, verletzte Beamte: In der Nacht zu Sonntag hat London die schwersten Ausschreitungen seit 25 Jahren erlebt – bis in die Morgenstunden dauerten die Krawalle an. Die Gründe liegen noch etwas im Dunkeln, es brodelt allerdings überall auf der Welt.


  2. […] Ratingagentur Standard & Poor’s, also jene Instanz, die die Herabstufung vorgenommen hat, hat eigentlich nur das getan, was in den Augen des Normalsterblichen logisch erscheint. Ein […]

  3. Kashmir Says:

    AUFREGUNG ist das momentane Stichwort, finde ich.

    – Wie schon gesagt, protestiert man in Israel gegen soziale Ungerechtigkeit.

    – In Londons merkt die Arbeiterbewegung so langsam, dass es scheinbar nicht mehr so toll ist ein Arbeiter zu sein(obwohl dieser Vorfall offensichtlich andere Urachten hat.

    – In diversen Foren und Blogs wird meines Erachtens zur Zeit heftig viel auf Egobasis diskutiert.

    – Es kommt zum Störfall im AKW Brokdorf( http://www.zeit.de/news-082011/7/akwbrokdorfnachzwischenfallabgeschaltet ),was für ziemliche Aufregung in der Umweltaktivistenfraktion sorgen sollte.

    – In meinem Lieblingsthema kommt es wieder zu kleiner, aber heftiger Bewegung:http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/mutter-kind-durch-hartz-iv-sanktionen-gestorben-4244.php

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/beschwerde-vorm-europaeischen-gerichtshof-20913.php

    – Auf diversen Blogs redet man von heftigsten Sonnenstürmen am Wochenende

    – Tjoa und dann wären das noch die unzähligen Hiobsbotschaften aus der Finanzwelt

    Wow, was für ein Wochenende, bin gespannt auch den heutigen Tag.


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