Tag 142

28/Jul/2011

Der Streit um die Anhebung des Schuldenlimits der USA treibt immer seltsamere Blüten. Grundsätzlich stehen einander Republikaner und Demokraten als Gegner gegenüber, doch nun sind die Republikaner untereinander mehr und mehr zerstritten. Die Konservativen von der „Tea Party“ Bewegung stehen den Moderaten rund um den Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner gegenüber. Jede Fraktion versucht, ihren Standpunkt auf Kosten der anderen durchzusetzen und daher kommt bisher keine Einigung zustande.

Die professionellen Beobachter diesseits und jenseits des Atlantiks vertrauen noch darauf, dass bis Dienstag eine Einigung irgendwie zustandekommt. Doch die Aussichten dafür stehen eher schlecht. Gerade eben haben die konservativen Republikaner einen Kompromissvorschlag John Boehners abgelehnt. Die meisten von ihnen sperren sich ohnehin gegen jegliche Erhöhung des Schuldenlimits, weil sie so Präsident Obama in eine Ecke drängen wollen. Dass sie damit wahrscheinlich auch die US-amerikanische sowie die Weltwirtschaft mit in den Abgrund reissen werden, stört sie anscheinend nicht.

Gestern haben die internationalen Börsen darauf erstmals reagiert. Der Dow Jones sank um 1,6 Prozent auf unter 1.400 Punkte. Internationale Bankaktien verloren sogar bis zu fünf Prozent an einem Tag. Mir scheint das langsam der Anfang vom Ende zu sein. Eine Staatspleite der USA hätte für die Weltwirtschaft weit größere Auswirkungen als ein Bankrott Griechenlands, der in Europa immer wieder gefürchtet wurde. Sollten die USA ihre Staatsanleihen nicht mehr bedienen können, wäre die einst sicherste Anlageform der Welt mit einem mal Makulatur. Weltweit sind so viele Anleger in diesen Anleihen engagiert, dass es in Wahrheit keine alternative Anlageform dafür gibt. Eine Staatspleite der USA würde daher die Finanzmärkte insgesamt mit sich reißen.

„Die Ruhe vor dem Sturm“ titelte gestern der ORF über die Situation an den Weltbörsen. Ich bin inzwischen so weit, dass ich mir keine Einigung bis Dienstag mehr erwarte. Was danach geschehen wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Auf jeden Fall würde es zu jenem Zusammenbruch kommen, den der Mayakalender für diesen August prophezeit. Ich habe nicht gedacht, dass der Auslöser für diesen Crash so trivial sein könnte. Aber er wird von Tag zu Tag immer wahrscheinlicher. Die nächsten fünf Tage versprechen spannend zu werden.

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