Tag 139

25/Jul/2011

Zum Wochenbeginn wurde heute der norwegische Attentäter von Oslo dem Haftrichter vorgeführt. Er sprach dabei von zwei weiteren Zellen, mit denen er die Anschläge durchgeführt hätte. Auf Beschluss des Gerichts wurde über ihn eine achtwöchige Untersuchungshaft verhängt, davon vier Wochen Isolationshaft. Norwegen steht kollektiv immer noch unter Schock, selbst der König und die Königin weinten beim gestrigen Trauergottesdienst hemmungslos.

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon einmal von einem solchen Vorgehen – dem gezielten Töten von mehr als achtzig Menschen in Friedenszeiten – gehört hätte. Die Grausamkeit dieses Menschen kommt mir einmalig vor. Heute plädierte er vor dem Haftrichter auf „nicht schuldig“. Ich frage mich, was in einem Menschen vorgeht, der Derartiges vollbringt. Mir scheint er auf einer Mission zu sein, die von ganz klaren Feindbildern geprägt ist. Und er selbst sieht sich als Widerstandskämpfer gegen diese Feinde.

So krass sein Verhalten auch ist, halte ich ihn dennoch nicht für ein Monster, sondern für einen ganz gewöhnlichen Menschen. Es ist egal, ob er politisch rechtem oder religiös christlichem Gedankengut anhängt, im Grunde ist er ziemlich normal. Selbst der Taxifahrer, der ihn kurz vor den Anschlägen chauffiert hatte, beschreibt ihn als freundlichen und ruhigen Typen. Nichts in seinem Umfeld deutete darauf hin, dass er zu einem solchen Vorgehen fähig wäre. Das Beunruhigende an dieser Tat ist, dass sie vom netten Kerl von nebenan durchgeführt wurde. Wenn auch nicht jeder eine solche Tat durchführt, so scheint mir doch jeder dazu im Grunde befähigt zu sein. Dieser Fall zeigt in bisher unvorstellbarem Ausmaß, wozu der Mensch in der Lage ist.

In den USA hält Finanzminister Timothy Geithner den heutigen Tag für den letzten, an dem eine Einigung zur Anhebung der Schuldenobergrenze möglich ist. Kommt eine Einigung nicht zustande, dann sind die USA am 2. August pleite. Angesichts dieses Szenarios klettern der Goldpreis und der Wechselkurs des Schweizer Franken auf ein Rekordhoch, der US-Dollar, US-Staatsanleihen und der Dow Jones geben nach. Wir werden sehen, was in den nächsten Tagen geschieht. Ich halte die mögliche Staatspleite der USA für einen denkbaren Auslöser für den Zusammenbruch des gesamten kapitalistischen Geldsystems, das ich für Ende August prognostiziere. Die neunte Welle lässt grüßen.

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Eine Antwort to “Tag 139”

  1. Kashmir Says:

    In der FAZ habe ich mal von einem Psychologen aufgeschnappt, dass wir nichts tun müssen, was wir uns vorstellen können.

    In dem Sinne und auch allgemein finde ich deinen Eintrag ziemlich weise.

    Dem Teil mit den Finanzen stimme ich ebenfalls Hoffnungsvoll zu.


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