Tag 138

24/Jul/2011

Der Terroranschlag von Oslo beherrscht auch heute die Schlagzeilen der internationalen Nachrichtendienste. Der Täter, ein 32-jähriger Norweger hat sich selbst in den letzten Tagen und Wochen im Internet als Retter vor „Kulturmarxismus und Islamisierung“ inszeniert. Er bezeichnete im Polizeiverhör seine Tat als „grausam, aber notwendig“.

Bezeichnend fand ich die Reaktion des norwegischen Premierministers. Schon gestern meinte er in einer ersten Stellungnahme, Norwegen bräuchte als Antwort auf diesen Anschlag nicht weniger, sondern mehr Demokratie und Offenheit. An eine Verschärfung der polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen sei nicht gedacht. Wie wohltuend unterscheidet sich dieser Ansatz vom martialischen Gehabe der Bush-Administration in den USA vor einem Jahrzehnt nach den Terroranschlägern der Islamisten. In allen Kommentaren zu diesem gestrigen Ereignis wird nun versucht, die politischen und menschlichen Hintergründe dieser Tat zu analysieren.

Ich selbst glaube nicht, dass es genügt, den Täter als rechtsradikal, christlich-fundamental oder auch wahnsinnig einzuordnen. Solche Schubladen dienen einzig dazu, sich selbst von solch einem Geschehen zu distanzieren. Niemand käme auf die Idee, den Attentäter als Norweger abzustempeln und in dieser Hinsicht Konsequenzen zu ziehen. Mir ist bei der Berichterstattung nur aufgefallen, dass er selbst in seinen 30er Jahren noch bei seiner Mutter wohnt. Dennoch würde ich es nicht wagen, aus diesem Faktum eine Konsequenz zu ziehen.

Der Täter ist ein Mensch und offenbart in seinem Vorgehen die Abgründe menschlichen Lebens. Damit haben wir uns auseinanderzusetzen. Weitere Schlussfolgerungen ziehe ich aus seinem Verhalten im Grunde nicht.

Gestern ist übrigens auch Amy Winehouse gestorben, genauso wie Janis Joplin, Jimmy Hendrix, Jim Morrison und Kurt Cobain erst 27-jährig. Auch das kann als Anlass dienen, über das menschliche Leben nachzudenken.

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Eine Antwort to “Tag 138”

  1. kat.Diakon Says:

    Sehr gute und weitsichtige betrachtensweise . Danke!


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