Tag 137

23/Jul/2011

Gestern hat ein zweifacher Anschlag Norwegen erschüttert. Im Zentrum von Oslo explodierte eine Bombe vor dem Regierungssitz. Dabei starben sieben Menschen. Kurz darauf erschoss ein 32-jähriger Mann auf einem sozialdemokratischen Jugendlager auf einer Insel nahe Oslo mehr als achtzig Jugendliche. Die Polizei geht von einem Einzeltäter mit Kontakten zur norwegischen rechtsradikalen Szene aus, die internationalen Medien sind voll mit Berichten über dieses Ereignis.

Was mich an diesem Amoklauf erschüttert, ist das Ausmaß der Ohnmacht, das damit einhergeht. Mehr als achtzig getötete Menschen sind für mich dabei fast unvorstellbar. Der Attentäter hatte für seine Tat anscheinend mehr als eine halbe Stunde Zeit und mordete gezielt. Wenn ich dann zugleich an das Horn von Afrika denke, wo zur Zeit Menschen zu Hunderten und Tausenden an Hunger sterben, dann frage ich mich, welchen Anteil wir alle an unseren Schicksalen haben. Warum geschehen solche Dinge und wie wären sie zu verhindern? Für mich bleibt daher angesichts solcher Tragödien nur die Erkenntnis, das wir alle Spielfiguren im Schicksal des Universums darstellen, so schrecklich diese Vorstellung auch angesichts der Ereignisse heute erscheinen mag.

In den USA sind die Verhandlungen zur Anhebung des Schuldenlimits vorerst gescheitert. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, hat wutentbrannt eine Sitzung mit Präsident Barack Obama verlassen. Bis zum 2. August muss eine Einigung zustandekommen, sonst sind die USA zahlungsunfähig. Auch hier fällt es leicht, die Entwicklungen des Schicksals an einzelnen Personen festzumachen, ich bin aber überzeugt davon, dass dahinter kosmische Kräfte stehen, die uns alle in ihre Macht nehmen. Einzelne Personen können herausragend Geschichte repräsentieren, bestimmen können sie sie jedoch nicht.

Auch wenn es verlockend erscheint, die Schuld an geschichtlichen Entwicklungen an Menschen wie Adolf Hitler zu deligieren, greift diese Anschauung weit zu kurz. Wir sind alle eingebettet in gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, egal ob wir Politiker, Amokläufer, Bürger oder Zuschauer sind. „Der Mensch kann zwar tun, was er will, er kann jedoch nicht wollen, was er will,“ zitiert Albert Einstein frei nach Arthur Schopenhauer. Der Mensch kann vielleicht töten wollen, in seinem Wollen jedoch ist er eingebettet in kosmische Kräfte. Das ist das, was dieses Tagebuch der Neunten Welle ausdrücken will. Und so bleibt an Tagen wie dem heutigen einfach nur ohnmächtige Trauer über den Zustand dieser Welt.

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