Tag 126

12/Jul/2011

Heute ist der letzte Tag des Vierten Tages der Neunten Welle, morgen beginnt die Vierte Nacht. Während die letzten achtzehn Tage unter dem Motto „Vermehrung“ gestanden sind, beginnt ab morgen die „Ausbreitung“. Ich erwarte mir, dass sich in dieser Zeit vor allem die Finanzkrise intensivieren wird. An den europäischen Börsen geht es zur Zeit sehr tumultartig zu, vor allem die Mailänder Börse steht stark unter Druck. „Kurssturz nach Panikverkäufen“ heißt es im ORF dazu. Die Aktien von Unicredit und Generali mussten zeitweise vom Handel ausgesetzt werden, weil die Kursverluste zu stark waren. Unicredit verlor seit Anfang Juli 30 Prozent an Wert.

Abseits vom europäischen Finanzmarkt bahnt sich in Somalia und Kenia eine riesige menschliche Tragödie an. Aufgrund der Dürre haben in Somalia Millionen Menschen nichts zu essen, Hunderttausende sind nach Kenia geflüchtet und hausen dort nun im größten Flüchtlingslager der Welt. Der Flüchtlings-Hochkommisar der UNO spricht von der „schlimmsten humanitären Katastrophe der Welt“.

Gleichzeitig lese ich in der „Süddeutschen Zeitung“, dass in den USA seit der Präsidentschaft von Ronald Reagan vor dreißig Jahren systematisch eine Umverteilung von unten nach oben stattgefunden hat. Zwei US-amerikanische Politologen beschreiben in ihrem Buch „Winner-take-all-Politics“, dass „zwischen 1979 und 2005 20 Prozent aller Einkommenszuwächse in den USA an die 0,1 Prozent der Topverdiener, die 300.000 reichsten Amerikaner gegangen sind. Die unteren 60 Prozent, etwa 180 Millionen Menschen, mussten sich mit 13,5 Prozent begnügen. (jeweils nach Steuern). Die kleine Spitzengruppe kommt derzeit auf jährliche Einnahmen von einer Billion Dollar, 7,1 Millionen pro Person. 1974 verdienten sie noch eine Million im Schnitt (die Inflation miteingerechnet). Ihr Anteil am Volkseinkommen betrug damals 2,7 Prozent, heute sind es 12,3 Prozent.

Aufgrund dieser Berichte habe ich heute sehr schlecht geschlafen. Angesichts der humanitären Katastrophe in Somalia werde ich mir meiner eigenen Ohnmacht bewusst. Was kann ein einzelner tun? Soll ich der Caritas 40 Euro spenden? Was bleibt mir sonst übrig? Was kann ich tun? Ich kann fast gar nichts tun, außer zu hoffen, dass dieses Wirtschaftssystem bald der Vergangenheit angehört. Irgendwann muss dieses System kippen. Ich hoffe, dass es noch während der Neunten Welle geschieht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: