Tag 124

10/Jul/2011

„In Leber gestochen – Mann nach Attacke mit Buttermesser im Krankenhaus.“ Im Angesicht von Schlagzeilen wie diesen am heutigen Sonntag ist es vielleicht angebracht, sich kurz einmal grundsätzliche Gedanken über den Lauf der Welt zu machen:

Im „Standard“ lese ich heute einen Kommentar über die derzeitigen Zustände in der EU: „Europas Demokratie im Koma„. Die Regierungen von Griechenland und Portugal wurden von einer Oligarchie aus EU-Kommission, Euro-Gruppe, EZB und IWF dazu verdonnert, ihre nationalen Interessen den Gesamtinteressen der Finanzmärkte unterzuordnen, die Parlamente dieser Staaten sind zu reinen Zustimmungsmaschinen verkommen. Das Problem dabei ist vor allem, dass die bestimmenden Kräfte dieses Spiels von keiner demokratischen Instanz jemals legitimiert wurden. Was daher im Ernstfall in Europa geschieht, entzieht sich schon jetzt jeder demokratischen Kontrolle.

„Geld regiert die Welt“ – dieser einfach Spruch ist zur offensichtlichen Wahrheit geworden. Während die neue Chefin des IWF die Fortschritte in Griechenland lobt, sprechen die Berichte über die Zustände in diesem Land eine völlig andere Sprache. Die Wirtschaft ist streckenweise völlig zusammengebrochen und die betroffenen Menschen sehen oft keine Perspektive mehr. Die meisten Menschen in Griechenland, aber auch in Gesamteuropa arbeiten nur noch, um die Interessen des Kapitals zu befriedigen und beinahe alle Teilnehmer dieses Spiels nehmen dies als Selbstverständlichkeit hin. Der Kapitalismus ist an seinem Höhepunkt angekommen.

Wie tröstlich ist es da, wenn hie und da Alternativen zu diesem System aufblitzen. Heute finde ich auf Facebook einen Bericht über die Firma Semco, in der die Mitarbeiter ihre Vorgesetzten selber wählen und ihre eigenen Gehälter und Arbeitszeiten bestimmen. Mündige Verhältnisse für mündige Bürger. Die Welt könnte so einfach sein, wenn wir uns alle an diesen Grundsatz halten würden.

Im Zuge der Neunten Welle des Mayakalenders wird der Widerspruch zwischen diesen beiden Wegen – Entmündigung gegen Ermächtigung – deutlich sichtbar. Während die Spitze des Systems zur finalen Entmündigung schreitet, blitzen an der Basis immer wieder Funken von demokratischer Ermächtigung auf. Die Geschehnisse an der Puerta del Sol in Madrid zeigten auf der politischen Ebene genau das, was die Firma Semco auf der wirtschaftlichen Ebene präsentiert: Ein Zusammenleben und Zusammenarbeiten von gleichberechtigten Menschen in flachen Systemen ohne Hierarchie. Wenn es nach mir geht, dann ist dies das System der Zukunft. Und wenn man mich fragt, dann ist das Einzige, was uns noch daran hindert, das in großem Ausmaß zu verwirklichen, die Existenz des Geldes. Geld schafft automatisch Hierarchien und Abhängigkeiten. Ohne Geld schaffen wir politische und wirtschaftliche Systeme wie die Puerta del Sol in Madrid und Semco in Sao Paolo. Ich hoffe, dass die zweite Hälfte der Neunten Welle  uns auf diesem Weg entscheidend weiterbringt.

Eine Antwort to “Tag 124”

  1. ingo Says:

    Hier kannste unterschreiben:
    http://www.moneygoodbye.org/


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: