Tag 121

07/Jul/2011

Gestern habe ich erfahren, dass der US-Bundesstaat Minnesota seit dem Wochenende pleite ist. Gouverneur und Parlament konnten sich nicht auf das nächste Budget einigen und so sind alle staatlichen Aktivitäten in diesem Bundesstaat lahmgelegt. Nun ist Minnesota natürlich nicht der wichtigste der US-Bundesstaaten, er gibt aber Aufschluss darüber, was passieren könnte, wenn demnächst die ganzen USA in die Pleite schlittern.

Die US-amerikanischen Medien nehmen diesen Ausnahmezustand eher gelassen. Sowohl im „Wall Street Journal“ als auch in der „New York Times“ sind die Berichte darüber ziemlich sachlich und unaufgeregt gehalten. 20.000 Staatsbedienstete sind eben derzeit ohne Job, Führerscheinprüfungen können nicht abgenommen werden und die Lotterie funktioniert nicht. Ein Rückschluss auf den Gesamtstaat wird zur Zeit noch nicht gezogen.

In Europa hat heute die EZB den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent angehoben. Dies geschah deswegen, weil sich die Inflation im Euroraum zur Zeit immer noch weit über 2 Prozent bewegt. Für Schuldner wird das Leben dadurch teurer, die Konjunktur und damit der Aufwind an den Aktienmärkten wird gebremst und Griechenland und Portugal könnten in Schwierigkeiten kommen. Das Zinsniveau liegt im Euroraum damit deutlich höher als in den USA, in Japan und in Großbritannien, natürlich auch weit über dem der Schweiz. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen sehen, wie die Wirtschaft darauf reagiert.

Im deutschen Bundestag wurde heute die PID, die Präimplantaldiagnostik beschlossen. Damit können Eltern bei Erbkrankheiten oder Gefahr von Fehl- oder Totgeburt ihr künstlich erzeugtes Emryo genetisch testen lassen. Der Entwurf gilt als Meilenstein in dieser ethisch schwierigen Frage und wurde ohne Fraktionszwang mit großer Mehrheit angenommen. Meiner Ansicht nach ist solch ein Gesetz in einem Land, das die Abtreibung von Embryonen erlaubt, ohnehin im Rahmen des Gewohnten. Auch hier werden wir sehen, was die Zukunft in dieser Frage bringt.

In Österreich sorgt die Meldung für Aufsehen, dass der verurteilte Vorstandsvorsitzende der BAWAG, Helmut Elsner, demnächst aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen wird. Dieser Entscheidung des Gerichts war ein jahrelanger Kampf um die Haftfähigkeit Elsners vorausgegangen, der nun in seinem Sinne entschieden scheint. Ansonsten dreht sich in Österreich zur Zeit alles um entführte und getötete Mädchen. Ich bin in dieser Frage zu wenig auf dem Laufenden, um mir ein kompetentes Urteil darüber anzumaßen, erinnere mich jedoch an den Ausspruch von Sasha Baron Cohen zu diesem Thema: „Der österreichische Traum? Einen Job haben, ein Verließ finden und dort eine Familie großziehen.“ Kein Wunder, dass die Psychoanalyse in diesem Land entdeckt wurde. Welch eine Fundgrube!

2 Antworten to “Tag 121”

  1. Wilma Says:

    Lieber Peter Wurm, also ich bin aus Österreich und finde deinen letzten Satz sehr sehr geschmachlos……
    Gruß Wilma

  2. Wilma Says:

    P.S.: deine letzten Sätze!


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