Tag 114

30/Jun/2011

Die Ratingagentur Standard & Poor’s droht heute, die Bonitätsstufe der US-Staatsanleihen in einem Zug von der Bestnote AAA auf die schlechteste Note D zu senken, falls die USA am 2. August in die Zahlungsunfähigkeit schlittern. Damit wären die USA noch schlechter bewertet als Griechenland, das zur Zeit mit CCC das am schlechtesten bewertete Land ist, noch hinter Pakistan und Jamaika. Noch haben sich die Kongressparteien nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze geeinigt und es scheint auch für die Zukunft nicht klar zu sein, wie sich Demokraten und Republikaner in dieser Frage näher kommen könnten. Auf jeden Fall verspricht dieses Thema noch während der nächsten Wochen spannend zu bleiben, ein schreckliches Ende ist nicht ausgeschlossen. „Countdown zum Staatsinfarkt“ nennt der „Spiegel“ dies in seinem Bericht.

In Europa ist das Aufatmen über die gestrige Annahme des Sparpakets durch das griechische Parlament deutlich spürbar, die Mainstream-Medien und die Finanzmärkte reagierten durchwegs erleichtert. Dafür sorgt ein Generalstreik heute in Großbritannien für neuerliche Unruhe. Die Gewerkschaften haben alle 750.000 Staatsbediensteten dazu aufgerufen, um gegen die Pensionspläne der Regierung Cameron zu protestieren. Ich möchte gerne wissen, wie die Briten reagieren würden, wenn man sie zu Einschnitten wie die Griechen gezwungen hätte. Die Deutschen wären einer Studie von gestern zufolge dazu nicht in der Lage, ein Sparpaket wie das griechische würde in Deutschland nicht realisierbar sein.

Ich selbst bin ein wenig traurig, weil ich vernommen habe, dass der Kulturphilosoph Dieter Schrage gestern 76-jährig gestorben ist. Ich hatte ihn im Zuge meines Engagements bei den Wiener Grünen vor ein paar Jahren kennengelernt und mich in seiner Gegenwart unglaublich wohl gefühlt. Einer seiner Sätze ist mir immer noch im Ohr: „Als ich jung war, da habe ich für die Weltrevolution gekämpft und jetzt sitze ich im Bezirksparlament und stimme über Parkbänke ab.“ Ich glaube, er war ein ziemlich Guter.

Morgen ist in Ostösterreich Schulschluss und danach beginnen neun Wochen Sommerferien. Wir werden sehen, wie sich die Welt bis zum Schulbeginn verändert haben wird. Ich hoffe immer noch, dass die Neunte Welle über den Sommer intensiv zu greifen beginnt.

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