Tag 112

28/Jun/2011

In diesen Tagen kann man die Kommentare, die sich mit dem Untergang Griechenlands, des Euro, der EU, Europas, der Banken, des Finanzsystems und des Kapitalismus insgesamt beschäftigen zu Dutzenden in den Medien verfolgen. Von der obigen Reihenfolge ist mir der Untergang des Kapitalsimus insgesamt am liebsten. „Was kommt dann, wenn der Kapitalismus scheitert?“ fragen dann manche Beobachter voller Angst. Meine Antwort darauf ist einfach. Wenn es nach mir geht, dann kommt die geldlose Gesellschaft. Wir machen weiter so wie bisher, nur ohne zu bezahlen und bezahlt zu werden.

„Du bist ja völlig naiv!“ höre ich den gemeinen Verstand mir zurufen. „Ohne Geld bricht alles zusammen! Niemand wird mehr arbeiten gehen, die gesamte Versorgung kommt zum Stillstand!“ „Warum denn das?“ frage ich zurück. Wenn jeder weitermacht wie bisher, dann bricht gar nichts zusammen. Nehmen wir meinen heutigen Tag als Beispiel. Ich bin in der Früh aufgestanden, habe am Vormittag meinen Klienten betreut, war danach im Büro meines Arbeitgebers, um mich nach dem neuen Dienstvertrag zu erkundigen, bin dann zu meinem Teamleiter gefahren und habe mit ihm die Abrechnung gemacht. Jetzt am Abend bin ich wieder heimgefahren und schreibe am Laptop meinen heutigen Blog-Eintrag. Später habe ich noch mit meiner Liebsten ein Date und danach werden wir irgendwann schlafengehen.

Warum sollte sich irgendwas daran ändern, nur weil es kein Geld mehr gibt? Ich würde in der Früh genauso einen Kaffee trinken, danach mit der U-Bahn fahren, das Büro aufsuchen und mit meinem Teamleiter die Abrechnung machen. Abends würde ich mit meiner Liebsten weggehen und danach irgendwann einschlafen. Der Unterschied ist nur, dass ich für Nichts mehr bezahlen würde. Der Kaffee müsste nicht bezahlt werden, kein Fahrschein für die U-Bahn wäre nötig, die Abrechnungen würden leichter von der Hand gehen – und ich würde für meine Arbeit kein Geld verdienen.

Na und? Ich arbeite doch nicht wegen des Geldes. Natürlich bin ich froh, wenn ich etwas verdiene, damit ich meine Ausgaben finanzieren kann. Doch wenn ich keine Ausgaben mehr habe, dann brauche ich auch nichts mehr zu verdienen. Den Job jedoch würde ich weitermachen, auch wenn ich nicht dafür bezahlt werde. Natürlich träume auch ich davon, einmal lange Urlaub zu machen, noch dazu, wo mir meine Liebste heute ein Angebot eines griechischen Ferienhauses gemailt hat, das sie im Internet entdeckt hat. Vielleicht würden wir auch so manche Zeit in diesem Ferienhaus verbringen, vielleicht sogar ein bis zwei Jahre. Doch arbeiten würden wir trotzdem.

Als ich noch viel Geld gehabt habe, da habe ich das hie und da versucht: Nichts, aber auch absolut nichts zu machen. Nicht arbeiten und auch sonst nichts zu tun. Um ehrlich zu sein, es war nicht auszuhalten. Nicht zu arbeiten ist auf Dauer nicht auszuhalten. Warum wohl bestehen so Viele auf dem „Recht auf Arbeit“? Es geht nicht um das „Recht auf Geld.“ Es geht um „Recht auf Arbeit.“ Ein Leben ohne Arbeit ist sinnlos. Ein Leben ohne gebraucht zu werden ist sinnlos. Ein Leben ohne Arbeit ist leer.

Der Mensch hat den Urinstinkt, etwas Sinnvolles zu tun. Das Geld ist diesem Urinstinkt bis heute mehr und mehr im Weg gestanden. Wenn wir es endlich schaffen, das Geldsystem über den Haufen zu werfen, dann wird endlich wieder sichtbar, wofür wir eigentlich auf der Welt sind. Wir sind auf der Welt, um ein erfülltes Leben zu leben. Darum sind wir hier. Und darum bete ich zu meinem Gott, dass der Kapitalismus so bald wie möglich das Zeitliche segnet. Und dann, wie meine Freundin Klara letztens gepostet hat, machen wir uns im Herbst ein heimeliges Feuer – aus Geldscheinen und Rechnungen.

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