Tag 111

27/Jun/2011

Gestern hat sich der Investor George Soros in den Chor der Untergangspropheten eingereiht. Bei einer Podiumsdiskussion im Wiener Akademietheater sagte er: „Seien wir mal ehrlich, wir stehen am Rand des Zusammenbruchs.“ Wenn nun schon mächtige Finanzinvestoren wie Soros öffentlich mit dem Crash spekulieren, dann wird er fast unausweichlich. Das sind dann die sogenannten Marktkräfte. Wenn Soros so argumentiert, dann hat er schon vorher alle finanziellen Weichen auf dieses Faktum gestellt.

Der frühere Vorsitzende der deutschen Bundesbank, Axel Weber sprach inzwischen im „Wall Street Journal“ heute davon, dass für die Lösung der bestehenden Krise „wahrscheinlich eher 30 Jahre als drei bis fünf Jahre benötigt werden.“ Jetzt können wir uns vorstellen, wie verfahren die derzeitige Situation ist. 30 Jahre zur Lösung dieser Krise! So lange hat es nicht einmal von der großen Depression über den Zweiten Weltkrieg bis zur Nachkriegszeit gedauert. Bei so einer Aussicht hätte ich als Grieche auch keine Lust auf irgendwelche Sparpakete. „Die Medizin ist schlimmer als die Krankheit“ heißt es in griechischen Oppositionskreisen.

Die Abstimmung über das nächste Sparpaket ist im griechischen Parlament ist nun für Mittwoch angesetzt. Von den 155 Abgeordneten der sozialistischen Partei PASOK haben zwei bereits erklärt, dass sie den geplanten Gesetzen nicht zustimmen könnten. Jetzt fehlen nur noch drei, und die Mehrheit ist dahin. Dementsprechend rüsten sich die Staaten der EU inzwischen für den Ernstfall. Der Schaden einer griechischen Pleite soll nach Möglichkeit minimiert werden. Wie das gehen soll, ist aber anscheinend niemandem recht klar.

Ich persönlich bin dieser unendlichen Geschichte über Griechenlands Staatsbankrott langsam überdrüssig. Jeder Mensch weiß, dass es so nicht weitergeht. Das System ist am Ende. Jetzt hoffe ich, dass die Abstimmung am Mittwoch scheitert und das nächste Kapitel in diesem Buch aufgeschlagen wird: Der Zusammenbruch. Dieses morsche Gebäude darf nicht länger stehen bleiben. Wir wissen, dass es nicht mehr lange hält. Es wird Zeit, dass es in sich zusammenfällt. Danach werden wir sehen, wie es weitergeht.

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