Tag 110

26/Jun/2011

Heute bricht der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble in der „Bild am Sonntag“ ein Tabu. Er spricht erstmals darüber, was geschieht, wenn das griechische Sparpaket nicht beschlossen wird und die EU nicht weiter zahlt: Wenn das Paket abgelehnt würde, wovon eigentlich keiner ausgeht, dann wären die Voraussetzungen dafür, dass IWF, Euro-Länder und EU die nächste Tranche der Hilfsgelder freigeben können, nicht mehr gegeben. Damit wäre die Stabilität der Eurozone als Ganzes in Gefahr. Wir müssten schnell dafür sorgen, dass die Ansteckungsgefahr für das Finanzsystem und andere Euro-Staaten eingedämmt würde. Ein Scheitern des Sparprogramms könnte zudem schwere Folgen für die Weltfinanzmärkte haben. Die Risiken sind zwar schwer abzuschätzen, aber nach allgemeiner Einschätzung hoch.“

In der „Wiener Zeitung“ habe ich außerdem ein Interview mit dem ehemaligen österreichischen Finanzminister Hannes Androsch gefunden. Er spricht davon, dass das derzeitige Finanzsystem „ein Madoff-Spiel mit öffentlicher Unterstützung“ wäre und kritisiert dabei explizit die österreichischen Banken „Erste“ und „Raiffeisen“. Die europäischen Banken unternähmen „Luftgeschäfte“ und würden sich insgesamt „in einer prekären Lage“ befinden.

Wenn es nun schon so weit ist, dass etablierte Finanzfachleute in etablierten Medien das Finanzsystem als kriminell kritisieren, wer sollte diesem System dann noch vertrauen? Das Geldsystem ist am Ende und immer mehr Menschen bemerken dies. Ich warte, wie gesagt, nur noch auf den finalen Auslöser für den endgültigen Zusammenbruch. Die Abstimmung über das griechische Sparpaket am Dienstag, könnte ein passender Auslöser dafür sein. Wäre ich Abgeordneter zum griechischen Parlament, ich würde übermorgen mit „Nein“ stimmen. Das wäre ein historischer Auftrag, der einzigartig wäre – Auslöser des finalen Zusammenbruchs des kapitalistischen Geldsystems zu sein. Ich bin neugierig, wer damit in die Geschichte eingehen wird.

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