Tag 100

16/Jun/2011

„Schuldenkrise: US-Finanzaufsicht warnt vor Crash in Europa.“ Das ist die Spitzenmeldung von Spiegel-Online heute Nachmittag. Die Finanzkrise um Griechenland spitzt sich damit dramatisch zu. Gestern hat es im Zuge des Generalstreiks Demonstrationen von Hunderttausenden in Athen gegeben, wobei es zu massiven Ausschreitungen gekommen ist. Die Bilder aus Athen haben mich an bürgerkriegsähnliche Zustände in Drittweltländern erinnert. Gleichzeitig ist Premierminister Papandreou mit seinem Ansinnen gescheitert, gemeinsam mit der Opposition eine Regierung der nationalen Einheit zu formen. Jetzt bildet er die Regierung im eigenen Lager um. „Ich bin in großer Sorge darüber, dass sich die Lage in den vergangenen 24 Stunden dramatisch verändert hat“, sagte der Sonderberater der IWF-Spitze, Zhu Min, heute in Paris.

Deutschland versucht inzwischen, die Verhandlungen um ein neues Rettungspaket auf September hinauszuzögern. „Weil wir nicht wissen, was wir tun sollen“, lautet der inoffizielle Kommentar eines EU-Diplomaten dazu. Demgegenüber macht der französische Präsident Sarkozy Druck auf die deutsche Regierung, weil er in der Zwischenzeit einen Zusammenbruch der französischen Banken befürchtet. Die Lage ist katastrophal und wird von Tag zu Tag schlimmer.

Ich sehe in der Krise um den Euro keinen Ausweg innerhalb des bisherigen Systems mehr. Das internationale Finanzsystem wird crashen und die Realwirtschaft in den Untergang mitziehen. Der Crash des Finanzsystems, vor dem heute sogar die US-Bankenaufsicht warnt, wird meiner Ansicht nach vielleicht schon zu Beginn des Vierten Tages der Neunten Welle Ende Juni vonstatten gehen, danach folgen zwei Monate Tohuwabohu bis zum endgültigen Zusammenbruch Ende August. Jeder Mensch sieht, dass es so nicht mehr weitergehen kann und die Lage wird nun wirklich von Tag zu Tag schlimmer. Ich befürchte die ersten Toten im Zuge der Ausschreitungen in Südeuropa.

Was können wir Beobachter unternehmen? Wir können uns nur in aller möglichen Gelassenheit auf den Zusammenbruch des bisherigen Wirtschaftssystems einstellen und unser Möglichstes dazu tun, dass sich alternative Wirtschaftssysteme jenseits der Ausbeutung durch das Kapital einen Weg bahnen. Wir können in kleinen Einheiten dazu beitragen, dass überall auf der Welt alternative Systeme ohne Euro und Dollar entstehen. Wir können im Familien-, Freundes- und Nachbarschaftsverbund ein neues System der Hilfe, des gegenseitigen Gebens und Nehmens etablieren. Als Übergangslösung werden wohl oder übel alternative Geldsysteme nötig sein, auf lange Sicht scheinen sie mir aber nicht mehr notwendig. Wenn wir einmal durch die kommende Krise gegangen sein werden, dann werden wir ohne Angst ein neues, freies, unabhängiges System des gegenseitigen Austauschs erschaffen können. Doch davor steht der Crash.

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Eine Antwort to “Tag 100”


  1. Die Antwort liegt jenseits von „gut“ und „böse“

    „Die Schaffung von Reichtum ist durchaus nichts Verachtenswertes, aber auf lange Sicht gibt es für den Menschen nur zwei lohnende Beschäftigungen: die Suche nach Wissen und die Schaffung von Schönheit. Das steht außer Diskussion – streiten kann man sich höchstens darüber, was von beidem wichtiger ist.“

    Arthur C. Clarke (Profile der Zukunft)

    Wer in Kategorien von „gut“ und „böse“ denkt, bzw. darum noch gar nicht mit dem Denken angefangen hat, aber von sich glaubt, er wüsste schon was, mag die Tatsache, dass der seltene Reichtum in „dieser Welt“ (zivilisatorisches Mittelalter) auf Kosten der Mehrarbeit anderer und nicht auf Apfelbäumchen wächst, als „unmoralisch“ empfinden. Wer sich dagegen auf die Suche nach Wissen begibt und bereits eingesehen hat, dass die sinnvollste Verwendung von Gold die Vergoldung elektrischer Steckkontakte ist, stößt am Ende auf die Alles entscheidende Frage:

    Warum hat eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden?

    Die Ursache ist eine veraltete Programmierung des kollekiv Unbewussten, welche die halbwegs zivilisierte Menschheit überhaupt erst „wahnsinnig genug“ für die Benutzung von Geld machte (Edelmetallgeld ist immer Zinsgeld), lange bevor diese seitdem grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung wissenschaftlich erforscht war. Anderenfalls hätte das, was wir heute „moderne Zivilisation“ nennen, gar nicht erst entstehen können! Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion, die vom Wahnsinn mit Methode zum Wahnsinn ohne Methode (Cargo-Kult um die Heilige Schrift) mutierte, und die uns – unabhängig vom so genannten Glauben – alle zu Untertanen machte, die ihr eigenes Programm nicht kennen. Die Bewusstwerdung der Programmierung nennt sich „Auferstehung“.

    Für die Beendigung der „Finanzkrise“ und den anschließenden, eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation muss ein elementarer Erkenntnisprozesses durchlaufen werden, dessen am Ende über die Maßen bewusstseinserweiternde, aber anfangs ebenso Angst einflößende Wirkung vorab erahnen kann, wer die phantastischen Bilder kennt, mit denen Stanley Kubrick im Schlusskapitel von „2001“ die Auferstehung des Kulturmenschen dargestellt hat – und bitte bedenken Sie das Vorwort von Arthur C. Clarke:

    „…this is only a work of fiction. The truth, as always, will be far stranger.“

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
    http://www.deweles.de/willkommen.html


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