Tag 75

22/Mai/2011

Gerade komme ich vom Flashmob am Stephansplatz zurück. Wir waren gut 200 Teilnehmer, die meisten davon Spanier. Gestern Abend waren anscheinend ebenso viele vor der spanischen Botschaft in Wien. Ein Anfang ist gemacht. Ich bin überzeugt, dass sich die Demonstrationen in ganz Europa in der nächsten Zeit verstärken werden. Das Problem der wirtschaftlichen und politischen Krise betrifft nicht nur Spanien alleine.

Gestern wurde bekannt, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s die Aussichten für Italien mit „negativ“ bewertet. Damit breitet sich die Schuldenkrise auf eines der G7-Länder, eine der größten Volkswirtschaften der Welt aus. Diese Entwicklung halte ich alleine aufgrund der Marktmechanismen für unumkehrbar. Während die Finanzkrise vor drei Jahren von sogenannten „Subprime-Loans“ gesteuert wurde, sind es nun die CDS, die Credit Default Swaps, die über kurz oder lang den gesamten Markt zusammenbrechen lassen werden.

Diese Credit Default Swaps sind einfache Wetten auf den Staatsbankrott eines Landes. Der Käufer und Inhaber geht im Grunde überhaupt kein Risiko ein, da er nicht einmal eine Anleihe des betreffenden Staates besitzen muss. Er kauft nur eine Versicherung für den Fall, dass ein Land bankrott geht. Und diese Versicherung zahlt sich in Zeiten wie diesen auf jeden Fall aus. Der österreichische Ökonom Stephan Schulmeister vergleicht die CDS mit Feuerversicherungen auf das Haus des Nachbarn. Ich habe überhaupt kein Risiko, sondern nur gute Gewinnaussichten, die sich umso besser entwicklen, je gefährlicher die Lage wird. Je mehr Menschen solch eine Feuerversicherung in Händen halten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Haus des Nachbarn wirklich abbrennt. Es gibt zahlreiche Gewinner bei nur einem Verlierer, und selbst der kann eine Versicherung zeichnen. Der Brand des Hauses wird zu ökonomischen selbsterfüllenden Prophezeiung.

Dieser Mechanismus sorgt mit ganz einfachen Mitteln dafür, dass Staaten unter Garantie tiefer in die Krise schlittern. Spanien und Italien sind die nächsten Kandidaten und das bedeutet mit Sicherheit das Ende des Geldes in Europa. Die Frage ist nur, wie lange es noch dauert.

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