Tag 66

12/Mai/2011

Auch heute schreibe ich meinen Eintrag bereits vor Mitternacht. Tag 66 der neunten Welle entspricht Freitag, dem 13. im gregorianischen Kalender. Ich habe viel zu tun, zunächst Frühdienst und Tagdienst und am Abend Propädeutikum. Im Grunde meines Herzens erhoffe ich mir einen ordentlichen Börsencrash anlässlich dieses Freitags, des 13. Mai mitten in der zweiten Nacht.

Europa steht auf dem Scheideweg. Berlusconi und Sarkozy wollen aufgrund des Flüchtlingsansturms Schengen aushebeln, Dänemark führt aus Furcht vor Kriminalität an seinen Landesgrenzen wieder Grenzkontrollen ein, im Norden Europas wird über eine Abspaltung des Euro nachgedacht und Irland beschwert sich, weil es schlechtere Konditionen von der EU bekommt als Griechenland und Portugal. Jeder scheint nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht und sehnt sich in die alte Zeit des Nationalstaats zurück. Das kann zwar heute keine Probleme mehr lösen, ist aber charakteristisch für das reaktionäre Bewusstsein der zweiten Nacht.

„Experten rechnen fest mit einer Umschuldung Griechenlands“ steht gerade als erste Meldung in der Financial Times Deutschland. In dieser von Reuters gemachten Umfrage unter Volkswirten und Fondsmanagern kalkulieren 40 von 43 Befragten mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent. Die Gläubiger Griechenlands bleiben somit auf der Hälfte ihrer Forderungen sitzen. Wie schlecht es um den Euro insgesamt bestellt ist, sieht man im Verhältnis zum Schweizer Franken. Zu den Katastrophenzeiten von Nine-Eleven und Lehman-Konkurs notierte der Euro bei einem Tiefststand von 1,45 Franken, jetzt pendelt er sich seit Jahreswechsel bei 1,25 Franken ein. Das sind 14 Prozent unter den bisher schlechtesten Werten, obwohl die Schweiz mitten in Europa liegt und überhaupt kein Interesse an einem allzu starken Franken hat.

Ich schließe mich der Meinung von Franz Hörmann an, wenn er meint, dass die Katastrophen im Zuge der neunten Welle in den Quartalsberichten Anfang Juli schwarz auf weiß sichtbar werden. Bis dahin können wir uns nur an Puzzlesteinen orientieren. Im Kurier lese ich, dass die Produktion Toyotas in den USA zur Zeit aufgrund von Schwierigkeiten in der Zulieferung nur 30 Prozent des Normalniveaus beträgt. Toyota produziert dort derzeit weniger als ein Drittel als üblich, das muss man sich erst einmal vorstellen. Das Unternehmen ist daher bereits im ersten Quartal hinter GM als weltgrößter Autobauer zurückgefallen, obwohl das Erdbeben erst am 11. März stattgefunden hat. Dementsprechend katastrophal wird das zweite Quartal ausfallen.

All das, was wir jetzt beobachten können, wird irgendwann schlagend werden. Die Subprime-Krise von 2007 hat neun Monate gedauert, bis sie zum Kollaps vom September 2008 geführt hat. Heuer erwarte ich mir den totalen Zusammenbruch wie gesagt ebenfalls für die fünfte Nacht, die diesmal am 18. August beginnt. Die Zeit bis dahin dient der Vorbereitung darauf.

Eine Antwort to “Tag 66”

  1. rhein main Says:

    So wie es aussieht, ist Europa langsam am Ende. Die Errungenschaft, die sichtbare Abschaffung der Grenzen, steht auf der Kippe. Finanzprobleme sind das Eine, allerdings ist jetzt die Wiedereinführung der Grenzkontrollen das offensichtliche Zeichen, dass die Europäische Union gescheitert ist.


Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: