Tag 62

09/Mai/2011

Heute bin ich in Berlin um fünf Uhr Früh aufgestanden und mit der U-Bahn zum Flughafen gefahren. Auf dem Rückflug nach Wien habe ich die Frankfurter Allgemeine Zeitung gelesen. Die hatte auf dem Titelblatt eine Abbildung einer alten griechischen Münze mit einer Eule. Darunter stand folgender Text: „Es gehören schon viele Eulen dazu, um zu sagen, wie es mit Griechenland weitergehen soll. Es sieht allerdings so finster aus, dass selbst Eulen Schwierigkeiten haben dürften, noch klar zu sehen. Es ist nicht einmal mehr zu erkennen, ob sich die Dämmerung nur über Griechenland senkt oder nicht auch schon über den Euro.“

Am Wochenende hatte in Luxemburg das Geheimtreffen der wichtigsten EU-Finanzminister stattgefunden. Dieses Treffen war noch bis Freitag vollkommen abgestritten worden: „Ich weiss nichts von einem Treffen.“ „Es gibt kein Treffen.“ „Das ist alles Erfindung und Quatsch.“ Jetzt wissen wir, dass dieses Geheimtreffen zum Thema Schuldenkrise stattgefunden hat. Wenn ich die Energien des Mayakalenders betrachte, dann stechen mir sofort die Parallelen zum Wiener Kongress in die Augen. Dieser hatte ebenfalls in der zweiten Nacht (1814-1834) stattgefunden und war ein Versuch der alten Herrscherhäusser, nach der Krise der Napoleonischen Kriege die alte Ordnung in Europa wiederherzustellen. So wie heute war auch damals die große Zusammenkunft der bisher Mächtigen von der Atmosphäre der Reaktion geprägt. Staatskanzler Metternicht führte im Habsburgerreich des Kaisertums Österreich die Zensur wieder ein, bis es dann erst am dritten Tag der siebenten Welle (1834-1854) zur Revolution von 1848 kam, die in ganz Europa für die bürgerlichen Freiheiten kämpfte.

Ich prognostiziere daher aus dieser Parallele heraus die Überwindung des alten reaktionären Regimes für den dritten Tag der neunten Welle Ende Mai / Anfang Juni. Da wird sich in einem Kampf der reaktionären gegen die neuen Energien herausstellen, wie es weitergehen wird. Das alte System des materiellen Kapitalismus hat keine Chance mehr.

Der Aufenthalt in Berlin war phantastisch. Obwohl wir weit weniger Zuhörer hatten als erwartet, war das Interesse vor allem der jungen Besucher enorm. Gestern haben wir noch bis in die späte Nacht hinein in Ahmads Wohnung vor allem über Religion diskutiert. Am meisten beeindruckt hat mich die Geschichte des 23-jährigen Flo. Dieser war ohne Eltern in einem Heim aufgewachsen, von jeder Schule geflogen und landete nach diversen Raubüberfällen auf Banken für vier Jahre im Knast. Dort saß er 23 Stunden am Tag in einer Einzelzelle und durfte nur eine Stunde im Hof spazierengehen. Er verfiel in die größten Depressionen und Verzweiflungen und begann, die Thora, die Bibel und den Koran zu lesen. Das, was er dann im Koran zu lesen bekam, hat ihn so begeistert, dass er dem Islam beitrat. Seit damals ist er überzeugter Moslem und arbeitet nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis als Friseur.

So wie Mohammed mitten in der dunklesten Nacht des Freitag der nationalen Unterwelt ein kleines Licht entzündet hat, indem er den Koran diktierte, so war eben dieser Koran für den jungen Flo das kleine Licht in der dunklen Finsternis seines Schicksals. Heute ist er ein hilfsbereiter, guter und aufgeklärter Mensch. Die bisher fehlende Aufklärung der islamischen Welt geschieht gerade jetzt genau durch diese jungen Menschen. Ich war von seiner Geschichte so begeistert, dass ich mich entschloss, noch heute den Koran zu kaufen.

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