Tag 51

28/Apr/2011

Laut dem US-amerikanischem Botschafter in Tripolis hat es im Zuge des Bürgerkriegs in Libyen bereits 30.000 Tote gegeben. Wenn man bedenkt, dass dieser Krieg jetzt gut zwei Monate dauert, dann sind das durchschnittlich 500 Tote pro Tag. Ich denke, dass das noch lange nicht das Ende sein wird. Genauso wie in Syrien stemmt sich der Machthaber mit aller Gewalt gegen seinen Abgang. Und genauso wie in Syrien kann die Weltgemeinschaft diesem blutigen Treiben keinen Einhalt gebieten. Sowohl Gaddafi als auch Assad gehen mit aller Härte gegen ihr eigenes Volk vor, um politisch überleben zu können. Ich glaube nicht, dass sie damit langfristig Erfolg haben werden, aber die Zahl der Opfer steigt dadurch ins Unermessliche.

Was können wir tun, um eine friedliche Entwicklung in diesen Ländern einzuleiten? Ich glaube, wir können konkret gar nichts tun. Das Einzige, was uns bleibt, ist, uns unserer Ohnmacht bewusst zu sein und den beiden Ländern in irgendeiner Form spirituell Beistand und Solidarität leisten. Wir können den Aufständischen mitteilen, dass sie in ihrer Not nicht alleine sind. Wie auch immer wir das tun, es bleibt das elende Gefühl der Ohnmacht gegenüber kosmischen Entwicklungen. Wir sind nicht die, die in der Lage sind, die Geschicke der Welt im Großen zu beeinflussen. Wir sind die, die im Kleinen einen Beitrag leisten können.

Wie man in Japan anlässlich der jüngsten Katastrophe gesehen hat, hilft es schon, den Menschen dort das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind. Wir können Solidarität zeigen, den Rest müssen die Opfer selbst erledigen. So schwer das ist, es ist das Einzige, was uns bleibt. Wir sind nicht die Herren der Welt. Wir sind oft ohnmächtige Teilnehmer in einem viel größeren Spiel, das wir nur im Kleinen beeinflussen können. Und so bleibt mir nichts übrig, als hier darüber zu schreiben und mein Mitgefühl kundzutun. Mehr kann ich nicht leisten, so leid es mir tut. Doch im Herzen bin ich bei den Aufständischen in Libyen und Syrien, genau so, wie ich vor mehr als zwanzig Jahren bei den Aufständischen vom Tian-An-Men war. Wir können den Betroffenen nur mitteilen, dass sie nicht alleine sind. Vielleicht gibt ihnen das die Kraft, zu überleben und zu siegen. Der Ausgang dieses Kampfes liegt außerhalb meiner Macht.

Wenn ich die neunte Welle des Mayakalenders betrachte, dann bin ich mir gewiss, dass die Demokratiebewegung überall in der Welt siegen wird. Der Weg zu diesem Sieg ist jedoch steiniger, als ich es mir wünschen würde. Wir können uns angesichts dieser Umstände nur bewusst werden, wie gut es uns selber geht, die wir im Rahmen einer demokratischen Gesellschaft aufgewachsen sind. Wir haben die blutigen Katastrophen auf dem Weg zur Demokratie schon leidvoll hinter uns. Wie auch immer die diesbezügliche Einstellung unserer Vorfahren gewesen sein mag, das Ergebnis hat dazu geführt, dass wir die Früchte dieser Entwicklung ernten können. Uns bleibt nicht mehr als Dankbarkeit darüber und die Hoffnung, dass es Anderen ebenfalls gelingen möge, in Libyen, in Syrien, in Bahrain, im Jemen, im Iran, in China und sonstwo. Und ich hoffe, dass wir am Ende der neunten Welle dort angelangt sein werden, wo wir alle hinstreben, in einer globalen Gesellschaft der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit.

Ein Wort noch zum gestrigen Halbfinale der Champions League: Wenn es uns gelingt, so zu leben, wie Lionel Messi in der zweiten Halbzeit gespielt hat, dann haben wir das Ziel erreicht.

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Eine Antwort to “Tag 51”

  1. Magdalena Says:

    Ich lese Zeitungen gar nicht gerne und ehrlich, das meiste versteh ich gar nicht. Die Zusammenhänge und all der Wirr Warr in einer Zeitung lässt mich immer wieder resignieren, mit dem Gedanken: „Ich versteh die sowieso nicht, warum soll ich mich dann um diesen Streitkram überhaupt kümmern. Die sind es ja gar nicht wert gelesen zu werden“ Und so hat sich mein politisches Interesse in Ohnmacht, Frust und Uninformiertheit gestaltet.
    Wenn ich Peters Blog lese, dann ist das Gegenteil der Fall. Ich verstehe, es ist höchst interessant und ich kriege auch einen Überblick und ich kann es spüren und nachfühlen mit meinem ganzen Sein. Sicherlich geht es nicht nur mir so.
    Und wieder, DANKE Peter!


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