Tag 50

27/Apr/2011

Der Super-GAU von Tschernobyl jährte sich gestern zum fünfundzwanzigsten mal. Angesichts dieses Jahrestages kam es in ganz Europa zu Gedenkkundgebungen und im Anblick der gegenwärtigen Katastrophe von Fukushima zu dringenden Appellen zum Ausstieg aus der Atomkraft. In Syrien geht das Regime gnadenlos gegen die oppostionellen Demonstranten vor, der UN-Sicherheitsrat berät über Sanktionen, konnte sich aber bisher nicht einigen. Und in Österreich einigte man sich gestern über die zweisprachigen Kärntner Ortstafeln.

In China beträgt die Inflation derzeit 5,4 Prozent bei einem Wirtschaftswachstum von knapp 10 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat Zweifel an der Kreditwürdigkeit Japans un droht mit dem Entzug der derzeitigen viertbesten Note. Die Produktionsauslastung bei Toyota beträgt zur Zeit nur 50 Prozent, was den Autohersteller wie auch andere japanische Industrieunternehmen über kurz oder lang in massive finanzielle Schwierigkeiten bringen wird.

Wenn ich mir diese Wirtschaftsmeldungen zu Gemüte führe, wird mir fast schlecht. Unser derzeitiger Weg ist nur mit einem weiteren materiellen Wachstum durchzustehen. Alles, aber auch wirklich alles in der derzeitigen Wirtschaftsordung ist auf materiellem „Wachstum“ aufgebaut. Fällt der Fetisch „Wachstum“ weg, dann bricht alles zusammen. „Der Fortschritt vergisst innezuhalten und sich selbst zu hinterfragen“ habe ich vor zwanzig Jahren als Entwicklungshelfer in Ecuador geschrieben. Daran hat sich bis heute nichts geändert, die Geschehnisse haben sich sogar noch dramatisch beschleunigt.

Was wäre, wenn wir alle mal für kurze Zeit Pause machen? So wie es aussieht, werden wir das in Kürze sogar tun müssen. Und dann können wir überlegen, wie es weitergehen soll.

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