Tag 43

20/Apr/2011

Die österreichischen Medien sind voll von Berichten über das neuformierte Regierungsteam der ÖVP. Vor allem die Bestellung des 24-jährigen Sebastian Kurz zum neuen Integrationsstaatssekretär im Innenministerium schlägt hohe Wellen. Der Chef der „Jungen ÖVP“ war bisher erst durch überaus peinliche Auftritte im Rahmen des Wiener Landtagswahlkampfs aufgefallen, der mit einer herben Schlappe für die ÖVP endete. Ähnlich peinlich erfolgte nun die Präsentation des neuen Teams durch den neuen Vizekanzler Michael Spindelegger. Die Vorstellung seiner Mannschaft wurde von ihm mit hohlen Phrasen im Stil eines abgedroschenen Politsprechs durchgeführt. Was mich persönlich am meisten erschüttert, ist die Inauthentizität und Inhaltsleere der Präsentation.

Ich tröste mich damit, dass die Vorgänge der österreichischen Innenpolitik im globalen Zusammenhang Gott sei Dank völlig irrelevant sind. Sie locken nur noch die üblichen Verdächtigen hinter dem Ofen hervor und dabei sind die Reaktionen genauso platt und vorhersehbar wie die Aktion selbst. Die mediale Verfolgung dieser Abläufe wird zur reinen Zeitverschwendung. Es kommt überhaupt nichts, was auch nur im Entferntesten überraschend wäre. Übrig bleibt ein tiefes Unbehagen über die Zustände der Politik. Der politische Mainstream hat in Österreich wieder einmal versagt und treibt die Wähler zwangsläufig in die Resignation oder in die Hände der Extremisten.

Was mich dagegen gestern extrem überrascht hat, waren die medialen Reaktionen auf die neuesten Wirtschaftsmeldungen aus dem Finanzsektor. Während die Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA dort selbst wenig Raum erhielten und die Stellungnahme von US-Finanzminister Timothy Geithner mit einem simplen „I disagree“ zusammengefasst werden kann, wurden die neuesten Nachrichten diesseits des Atlantik ausführlich kommentiert. Am meisten beeindruckt haben mich die Berichte in der „Financial Times Deutschland“, die in ihrer Onlineausgabe gestern mit folgenden zwei Überschriften titelte: „Haushaltsdesaster: Amerika unter Schuldenschock“ und „Euro-Krise: Griechenland-Panik kennt kein Halten mehr“.

Jetzt ist die FTD nicht unbedingt ein linkes Anarcho-Magazin oder ein Selbsthilfeblatt der New-Age-Gemeinde, sondern ganz im Gegenteil die mediale Speerspitze des Kapitalismus in Europa. Und wenn diese die Vorgänge in der Finanzwelt derartig dramatisch beschreibt, dann fühle ich mich in meiner Analyse des kommenden Zusammenbruchs mehr als bestätigt. Der Kapitalismus ist am Ende und wird in Kürze zusammenbrechen. Was wir jetzt erleben, sind die ersten Diagnosen des offiziellen Establishments über sein nahendes Dahinscheiden. Der Euro wird zusammenbrechen und der Dollar ebenso.

„We hope that the U.S. government will take practical measures under a responsible policy to protect the interests of investors.“ wird die ohnmächtige Reaktion des chinesischen Außenministeriums auf die negative S&P-Aussicht zitiert. Was geschieht mit China, wenn der US-Dollar unter Druck kommt? Das ist die spannendste Frage, die sich mir im Angesicht der globalen Finanzkrise derzeit stellt. Der größte Interessenskonflikt der Welt besteht gegenwärtig zwischen den USA und der Volksrepublik China. An der Reaktion dieser beiden Länder auf das Szenario des Zusammenbruchs entscheidet sich das Schicksal unserer Welt. Ich habe Vertrauen, dass der Untergang des Kapitalismus im Großen und Ganzen friedlich verläuft. Doch sicher bin ich mir nicht.

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